Zyperns Türken wählen am Sonntag ein neues Staatsoberhaupt. Auf dem Spiel steht die Zukunft ihrer international geächteten Republik, dem isoliertesten Flecken in Europa, der zum Dorado von Spielern und Geldwäschern geworden ist. Eine Lösung des Konflikts zwischen dem griechischen und dem türkische Teil der Insel ist nicht in Sicht.
"Geht die Mittelmeerinsel, ein halbes Jahrhundert nach ihrer Unabhängigkeit, einer neuen politischen Eiszeit entgegen, wenn im Norden am Sonntag die Wahlzettel ausgezählt sind", fragt Walter Mayr in seinem Spiegel-Artikel. "Europas Stiefkinder" in Nordzypern, de jure EU-Gebiet, de facto geächtet, wählen und entscheiden über die Zukunft ihrer isolierten Republik. Präsident Mehmet Ali Talat konnte trotz jahrelanger intensiver Verhandlungen mit der griechischen Seite keinen Erfolg vermelden. "Es geht um die Rolle der türkischen Armee, um den Grenzverlauf und Zehntausende Grundstücke, deren Eigentümer im Krieg fliehen mussten."
Tausende Inselgriechen klagten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Inseltürken können das nicht. Gemeinschaftsrecht ist hier ausgesetzt. "Ihr Land zieht deshalb zunehmend Menschen an, die das Besondere suchen: "einen Schleuser, eine Briefkastenadresse, billige Baugrundstücke mit Meerblick", 30.000 Villen und Apartments sind in den letzten Jahren aus dem Boden gesprossen, Mädchen aus Osteuropa landen in Kiss-me-quick-Clubs. Das alles unter den Augen der türkischen Armee. Angela Merkel hat bei ihrem letzten Ankara-Besuch die EU-Haltung zum leidigen Zypern-Konflikt noch einmal klargemacht: für Konzessionen sei vor allem die Türkei zuständig. Die EU sei wichtig für sein Land, hatte der türkische Europaminister zuvor gesagt, aber "nicht wichtig genug, um Zypern zu opfern".
