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            <channel><title>Presseurop | <![CDATA[Blog]]></title>
                <link>http://www.presseurop.eu/de</link>
                <description>The best of the European press translated into 10 languages</description>
                <language>de</language><item><title>Auslese: "Die Hölle 'made in Germany'"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1478071-auslese-die-hoelle-made-germany</link><description><![CDATA[<p><strong>Der deutsche Vorschlag eines Sparkommissars f&uuml;r Europa richtete in den Kommentarspalten diese Woche einige Verw&uuml;stung an. &ldquo;Nein! Nein! Nein!&rdquo;, titelte die griechische <em>Ta Nea</em> auf Deutsch. Und der <em>Irish Independent</em> warnte vor &ldquo;&Uuml;berflutung durch Deutschland&rdquo;.</strong></p>
<p>Die 130 Milliarden des zweiten Rettungspakets f&uuml;r Griechenland gegen die Vormundschaft eines europ&auml;ischen Haushalts-Kommissars in Athen: Der Vorschlag aus Deutschland ging vielen Zeitungen auf dem Kontinent zu weit. Berlin r&uuml;ckte pl&ouml;tzlich wieder in die N&auml;he expansionistischer Herrschaftsideen; und lie&szlig; die Kommentatoren reihenweise den k&uuml;hlen Kopf verlieren. Kleine Auswahl der aufgeregtesten Zeilen:</p>
<p>Beispiel Athen, wo <em>Ta Nea</em> schlicht mit einem deutschen &ldquo;Nein! Nein! Nein&rdquo; aufmachte. <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/press-review/1460461-alles-klar-herr-spar-kommissar" target="_self">Oder die Kollegen von <em>To Ethnos</em></a>, die auch zwei Jahre nach Ausbruch der Euro-Krise des Nazi-Vergleichs nicht m&uuml;de sind.</p>
<blockquote>
<p>[Das deutsche Arbeitspapier zum Fiskalpakt] kann nicht als Handlung eines befreundeten Landes betrachtet werden. Das Dokument empfiehlt Konditionen, wie sie ein Eroberer einer unterworfenen Bev&ouml;lkerung vorschreibt, und muss somit vom griechischen Volk als feindlicher Angriff behandelt werden, von Seiten eines Staats, der Griechenlands Souver&auml;nit&auml;t zerst&ouml;ren will, wie einst der Angriff von Hitlers NS-Deutschland im April 1941. [...] </p>
<p>Ein deutscher Gauleiter wird beschlie&szlig;en, Schulen und Krankenh&auml;user zu schlie&szlig;en und die Zahlung der &ouml;ffentlichen Geh&auml;lter und Renten einen oder mehrere Monate lang einzustellen. Die verachtenswerten Deutschen bereiten den Rahmen vor, um Griechenland im wahrsten Sinn des Wortes in den Hunger zu treiben. [...] dieses Dokument enth&uuml;llt die h&auml;ssliche Seite der Eurozone und der EU im 21. Jahrhundert.</p></blockquote>
<p> Das nennt sich auch die H&ouml;lle &ldquo;made in Germany&rdquo;, <a href="http:// http://www.dn.pt/inicio/opiniao/interior.aspx?content_id=2278812" target="_self">wusste Andr&eacute; Macedo im portugiesischen <em>Di&aacute;rio de Not&iacute;cias</em></a>.</p>
<blockquote>
<p>Die Griechen treten gerade in ihr f&uuml;nftes Rezessionsjahr ein. Aber jetzt wird ihnen klar, dass sie vor einer endlosen Phase tiefer Verarmung und politischer und kultureller Schande stehen &ndash; made in Germany &ndash; und einem schmerzhaften gesellschaftlichen Drama, das Europa auf viele Jahre besch&auml;men wird. [...] Verst&auml;ndlich, dass Passos Coehlo, Mariano Rajoy und so viele andere vor dem Vergleich mit Griechenland fliehen, um dem deutschen Diktat treu zu bleiben und einen schwachen Funken Hoffnung bewahren wollen. [...] Der endlose griechische Armutskreis&nbsp; hat sich wegen des schlimmen internen Versagens in der Politik und beim Steuersystem versch&auml;rft, keine Frage; aber auch wegen des deutschen Finanzobskurantismus, der sich wegen der Duckm&auml;userei anderer L&auml;nder verewigt.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.independent.ie/opinion/columnists/kevin-myers/kevin-myers-dutch-built-barriers-to-avoid-becoming-part-of-north-sea-we-must-erect-barriers-or-we-become-part-of-grossdeutschland-3005825.html" target="_self">Im <em>Irish Independent</em> lie&szlig;</a> der umstrittene Kommentator Kevin Myers offen, wie ernst sein Kommentar genommen sein will und streckt die Waffen. Nach dem Motto &quot;es hat keinen Zweck die Deutschen sind zu gut f&uuml;r uns&rdquo; schl&auml;gt er neue Grenzen vor. Oder besser: neue Schutzw&auml;lle.</p>
<blockquote>
<p>BMW, Mercedes Benz, Audi, VW, Krupp, Siemens, Miele, Muller Joghurt, Cambozola K&auml;se, ganz zu schweigen von deutschen Erfindungen: Waschmaschinen, Jet-Motoren, Raketen, Radare, Fernseher, Zahnpasta und Aspirin. Die neue Welt, in der wir leben, wurde mehr von Deutschland gemacht als von jeder anderen europ&auml;ischen Nation: zusammen mit dem deutsch-amerikanischen Beitrag leben wir technologisch gesehen sowieso schon in Gro&szlig;deutschland. Sicher k&ouml;nnen wir in keiner Hinsicht mit den Deutschen konkurrieren. Niemand in Europa kann das. Sie sind die besten.</p>
<p>Ohne Grenzen irgendeiner Form werden wir als ihre Leibeigene enden: als wir unser Pfund und unsere Zinss&auml;tze hatten, da hatten wir eine nat&uuml;rliche Verteidigung, eine Staumauer gegen die &Uuml;berflutung aus Gro&szlig;deutschland. Aber der Euro &ndash; die Gro&szlig;deutschmark &ndash; hat diese Verteidigung zerst&ouml;rt. Das Ergebnis ist, dass wenigstens zwei zuk&uuml;nftige Generationen von Iren vor unbezahlbaren Schulden an die Gro&szlig;deutschland Imperial Bank stehen, die unter dem arglistigen Namen &ldquo;Europ&auml;ische Zentralbank&rdquo; ihre Gesch&auml;fte betreibt.</p></blockquote>
<p>Warum nur, so fragte der Journalist, wirft sich Frankreich dem L&ouml;wen in den Rachen?&nbsp; &ndash; Die Antwort fand sich in Paris: Wahlkampfzeit. Nicolas Sarkozy, <a href="http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2012/article/2012/01/30/angela-merkel-l-encombrant-modele-pour-nicolas-sarkozy_1636346_1471069.html" target="_self">so stellte <em>Le Monde</em> etwas frustriert fest</a>, sei sich des positiven Deutschenbildes der Franzosen bewusst. Und er glaube mit dem Verweis auf deutsche Geschichte den franz&ouml;sischen Sozialisten am besten den Prozess machen zu k&ouml;nnen.</p>
<blockquote>
<p>Er steht schlecht in den Umfragen, er ist unbeliebt bei den Franzosen. Also macht er Wahlkampf zu zweit. Angela und er; Frankreich und Deutschland. Gemeinsam ist man so viel st&auml;rker. Seit der Finanzkrise im Sommer, bei der die Eurozone fast kollabierte, ist Nicolas Sarkozys einziges Wahlkampfargument: Deutschland. Er macht die soziale Mehrwertsteuer, weil Deutschland sie gemacht hat. Er will den Pakt zur Wettbewerbsf&auml;higkeit, genau so einen wie am &ouml;stlichen Rheinufer. Das einzige Leitbild ist: Deutschland.</p></blockquote>
<p>Das hat auch <a href="http://uwazamrze.pl/2012/01/22699/liberalny-hegemon-niemcy/" target="_self"><em>Uważam Rze</em> in Warschau beobachtet</a>. Die Zeitung ging noch mal den ganzen Weg des deutsch-franz&ouml;sischen Paars: vom Motor zum Direktorium, und vom Direktorium zum Diktat.</p>
<p>Die letzte Phase der Krise hat nicht nur den Polen, sondern allen Europ&auml;ern deutlich gemacht, wie dominant Deutschland auf dem Kontinent geworden ist. Wird Deutschland der europ&auml;ische Hegemon? Wird es ein liberaler Hegemon sein? Wird Europa mit diesem dominanten deutschen Kern Gestalt annehmen? [...] </p>
<p>Eine g&auml;nzliche und langfristige Dominierung Europas durch Deutschland scheint schwierig und sollte nicht als gew&auml;hrleistet angenommen werden. Aber Mitteleuropas und Polens Lage ist anders. Die Wirtschaft h&auml;ngt hier stark von Deutschland ab. Kulturelle und politische Unterordnung ist offensichtlich.</p>
<p>Fazit, <a href="http://derstandard.at/1326504144420/Kommentar-von-Thomas-Mayer-Merkels-gefaehrliches-Manoever" target="_self">so der <em>Standard</em> aus Wien</a>: Bitte nicht noch mehr solche gef&auml;hrlichen Man&ouml;ver, Angela Merkel.</p>
<blockquote>
<p>Mit der Idee, Griechenland einen eigenen Haushaltskommissar mit allen Vollmachten vorzusetzen, hat Angela Merkel sich einen schweren Schnitzer geleistet; den ersten wirklich gro&szlig;en politischen Fehler seit Ausbruch der Probleme in der Eurozone. [Die Kritik an der Kanzlerin] war nicht immer gerecht. Denn Merkel ist es immerhin zu verdanken, dass in der Union trotz schwerer Konjunktur- und Schuldenkrisen vor allem in den s&uuml;dlichen Eurostaaten ein neues Bewusstsein in Bezug auf strengere Fiskalregeln im Euroraum eingetreten ist. [...] Dennoch: Wer die Stimmung beim j&uuml;ngsten EU-Gipfel beobachtet hat, konnte feststellen, dass diese zwischen den Staatenvertretern so gereizt ist wie lange nicht.</p></blockquote>
<p>in Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/hoelle474.jpg" length="58853" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 03 Feb 2012 18:55:24 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Erwartungen an Deutschland immer irrationaler"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1449931-auslese-erwartungen-deutschland-immer-irrationaler</link><description><![CDATA[<p><strong>Auch die Belastbarkeit der Deutschen hat ihre Grenzen.&nbsp;Die Mahnung der Bundeskanzlerin beim Weltwirtschaftsforum trifft bei Europas Presse auf Verst&auml;ndnis: Deutschland sei keine &ldquo;bodenlose Geldschatulle&rdquo; sagt <em>Polityka</em>, und <em>De Morgen</em> wundert sich &uuml;ber das penetrante Merkel-Bashing.</strong></p>
<p>Merkel also wieder allein. Einsam <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1441301-euro-schlepper" target="_self">stellte der Cartoonist der Schweizer <em>24 Heures</em></a> die Kanzlerin auf den Beobachtungsposten der Euro-Krise ( ). Allein arbeite sich auch den Fiskalpakt der Euro-L&auml;nder aus, <a href="http://abonnes.lemonde.fr/crise-financiere/article/2012/01/23/l-apres-merkozy-s-ecrit-desormais-a-berlin_1633272_1581613.html" target="_self">bedauerte Anfang der Woche der Pariser <em>Le Monde</em></a>. Das Tandem mit Nicolas Sarkozy sei pass&eacute;, schrieb die Zeitung und bekam bei der Lekt&uuml;re von Angela Merkels Terminkalender feuchte Finger:</p>
<blockquote>
<p>Am Donnerstag ,19. Januar a&szlig; Angela Merkel mit Portugals Pedro Passos Coelho, dem Schweden Fredrik Reinfeldt und &Ouml;sterreichs Kanzler Werner Faymann zu Abend. Samstag: Telefongespr&auml;ch mit David Cameron, dem britischen Premier. Sonntag, Treffen mit IWF-Chefin Christine Lagarde. Montag, nach dem Empfang des Belgiers Elio Di Rupo dinierte Merkel mit Jos&eacute; Manuel Barroso und Herman Van Rompuy, den Pr&auml;sidenten der EU-Kommission und des Rats. Schlie&szlig;lich, nach ihrer Er&ouml;ffnungsrede beim Weltwirtschaftsforum in Davos, empf&auml;ngt sie den neuen spanischen Regierungschef Mariano Rajoy. Nur ein Termin wurde abgesagt: der Dreiergipfel, zum dem Mario Monti sie und den franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten geladen hatte. Offiziell, weil letzterer ihn nicht f&uuml;r unerl&auml;sslich hielt. Also wird der zuk&uuml;nftige Fiskal-Pakt in Berlin ausgearbeitet. Wen wundert es, dass die Stimme Deutschlands deutlich aus ihm spricht.</p></blockquote>
<p>Aber eben diese Stimme <a href="http://derstandard.at/1326503838969/Blog-Krisenfrey-Merkels-enttaeuschender-Auftritt" target="_self">findet der Wiener <em>Standard</em> entt&auml;uschend</a>. Die Kanzlerin habe bei der Er&ouml;ffnung des World Economic Forum in Davos die Gelegenheit zu einem Bekenntnis zur Rettung des Euro gehabt. Gelegenheit, &ldquo;den zentralen Entscheidungstr&auml;gern der Weltwirtschaft darzulegen, wie Deutschland sich diese vorstellt und was es dazu beizutragen gedenkt.&rdquo;</p>
<blockquote>
<p>Leider hat Merkel diese Chance ungen&uuml;tzt verstreichen lassen. Die wichtigste Botschaft ihrer Rede war: Erwartet nicht zu viel von Deutschland. Gleichzeitig wiederholte sie ihre Forderungen an die anderen Euro-Staaten, mit der Budgetkonsolidierung und dem Fiskalpakt z&uuml;gig voranzuschreiten. F&uuml;r den gr&ouml;&szlig;ten Spieler im Euroraum und die vielleicht erfolgreichste Volkswirtschaft der Welt ist dies zu wenig.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.elpais.com/articulo/internacional/Interiores/elpepiopi/20120126elpepiint_5/Tes" target="_self"><em>El Pa&iacute;s</em> aus Madrid zieht prompt</a> die Parallele zwischen den Wortf&uuml;hren dies- und jenseits des Atlantiks. Dass deutsche Europapolitik pl&ouml;tzlich sehr nach deutscher Innenpolitik aussehen kann, hat der Kommentator schon mal irgendwo beobachtet:</p>
<blockquote>
<p>Das, was in den USA nach dem 11. September passierte, passiert jetzt in Berlin mit der Schuldenkrise. Sie macht aus der Haushaltspolitik jedes Partnerlandes ein Kapitel der deutschen Wirtschaftspolitik. [...] F&uuml;r Obama ist der Schl&uuml;ssel Gleichheit, f&uuml;r Merkel die Sparpolitik.</p></blockquote>
<p>Und w&auml;hrend der <em>Standard</em> predigt, die Deutschen m&uuml;ssten f&uuml;r die Vers&auml;umnisse ihrer Partnerstaaten bezahlen, ob sie wollen oder nicht, <a href="http://www.polityka.pl/swiat/komentarze/1523739,1,davos-oczekiwania-wobec-niemiec.read#ixzz1kXUNOWQq" target="_self">sieht die linksliberale <em>Polityka</em> aus Warschau die Sache ganz anders</a>:</p>
<blockquote>
<p>Genug, ist das h&auml;ufigste Wort auf deutschen Lippen, auch wenn sie ihre Unzufriedenheit diplomatischer ausdr&uuml;cken, so wie die Kanzlerin in der Schweiz. Forderungen an Berlin kommen aus allen Richtungen. [...] Krisengesch&uuml;ttelte Volkswirtschaften sehen neidisch auf die superben Zahlen der deutschen Wirtschaft. Blicke, die hei&szlig;en: der Starke soll den Schwachen helfen, jetzt noch mehr als vorher. [...] Die Deutschen selbst glauben, dass sie bereits alle Grenzen des gesunden Menschenverstands &uuml;berschritten haben. Die Kanzlerin wirft ein, dass das gro&szlig;e, reiche und bl&uuml;hende Land keine bodenlose Geldschatulle ist. [...]</p>
<p>Die Hoffnungen, die in Deutschland gelegt werden, werden immer irrationaler. Sicher hat das Land gro&szlig;en Nutzen aus Europa gezogen und sollte jetzt sein Bestes tun, sich in die Rettung der W&auml;hrungsunion einzubringen. Aber man kann nicht von ihm erwarten, jedes erdenkliche Gewicht zu tragen, das auf seinen Schultern lastet.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.demorgen.be/dm/nl/2461/De-Gedachte/article/detail/1383722/2012/01/23/Angela-I-koningin-van-de-Europese-Unie.dhtml" target="_self"><em>De Morgen</em> aus Br&uuml;ssel geht noch einen Schritt weiter</a> und unterstellt den Merkel-Kritikern einen Mangel an Realismus.</p>
<blockquote>
<p>Die Bundeskanzlerin ist heute f&uuml;r viele in Europa der Pr&uuml;gelknabe. Politiker und Medien hauen mit einem Enthusiasmus seltener Art auf sie ein und bezeichnen sie gar als den Totengr&auml;ber der Union. Das Merkel-Bashing ist in der EU so eine Art Zeitvertreib geworden. [...]</p>
<p>Sicher spielt Merkel oft die harte Tante, aber ohne Deutschland geht in der EU gar nichts. In vielen Hauptst&auml;dten ist man sich sehr wohl bewusst, dass das ehemalige M&auml;dchen Helmut Kohls die K&ouml;nigin der Europ&auml;ischen Union geworden ist. Ihre unerbittliche Haltung, ihr Pl&auml;doyer f&uuml;r Haushaltsdisziplin und Sanktionen sind zum Teil purer Bluff. Sie erkl&auml;ren sich durch die Tatsache, dass sie sich zuhause noch mehr an den Mann bringen muss. [...] Und die jungen Generationen und auch die nicht-extremistischen Deutschen meinen, dass Deutschland nicht bedingungslos zahlen sollte, und lassen das ihre Kanzlerin auch ganz klar wissen.</p></blockquote>
<p>Gar nicht so ung&uuml;nstig <a href="http://www.economist.com/node/21543540" target="_self">erscheint die Sache im <em>Economist</em></a>. Die Endlosgipfel h&auml;tten den Euro zwar noch nicht gerettet, daf&uuml;r aber der Machtpolitikern und Wahlk&auml;mpferin neuen Schwung gegeben. Merkel, aus Sicht des <em>Economist</em>, ist allein, aber &ldquo;at the top&rdquo;.</p>
<blockquote>
<p>Gipfel sind gut f&uuml;r Angela Merkel. Die Deutschen sehen sie gerne auf Du und Du mit den m&auml;chtigsten M&auml;nnern der Welt. Sie ragt heraus, wegen Schlauheit und des Farbtupfers inmitten des dunkelgekleideten Get&uuml;mmels. Aber ohne Zweifel ist sie in ihrem Element. Dank der Eurokrise hat Merkel zahlreiche Gelegenheiten, f&uuml;r Deutschlands Sache einzutreten, in ihrer ruhigen, hartn&auml;ckigen Art. [...] Das schlimmste, was ihr passieren kann, ist das der Euro wieder im Gewand einer politischen Bedrohung auftaucht. [...]</p>
<p>Der Druck w&auml;chst, den Rettungsfonds aufzustocken, um die Kreditkonditionen f&uuml;r Italien und Spanien zu verbessern. B&ouml;en dieser Art m&ouml;gen Merkels Aussichten vor der n&auml;chsten Wahl d&auml;mpfen. Aber von dem Punkt aus, wo sie gerade jetzt steht, ist der Blick noch ganz gut.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>
<p>Foto: <a href="http://fragerei.wordpress.com/tag/traume/" target="_self"><em>Fragerei</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Schloss490.jpg" length="28909" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 27 Jan 2012 13:43:17 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Berlin steht in vorderster Front"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1419901-auslese-berlin-steht-vorderster-front</link><description><![CDATA[<p><strong>Der letzte sichere Hafen in turbulenter Euro-See: So sieht die Presse Deutschlands Rolle nach der kollektiven Herabstufung der Euro-L&auml;nder durch Standard &amp; Poor's. F&uuml;r die <em>Gazeta Wyborcza</em> ist nun die &ldquo;Scheinheiligkeit des Gr&uuml;ndungsmythos&rdquo; vom Tisch &ndash; in der&nbsp;Union seien nicht alle gleich.</strong></p>
<p>Wer als einziger stehen bleibt sieht pl&ouml;tzlich stark aus. Standard &amp; Poor's Rundum-Abstufung europ&auml;ischer Kredit-Ratings besch&auml;ftigte Europas Journalisten die ganze Woche. Der britische Karikaturist <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1398871-herabgesetzt">Matt meinte</a>, die Bonit&auml;ts-W&auml;chter verhielten sich zum Euro wie manch amerikanischer Soldat zu toten Taliban. Und dass Deutschland seine Bestnote vorerst behielt, blieb dabei selbstverst&auml;ndlich nicht unerw&auml;hnt. In Portugal, das zur Abstiegsgruppe geh&ouml;rte, <a target="_self" href="http://www.jornaldenegocios.pt/home.php?template=SHOWNEWS_SC_V2&amp;id=531791">sinnierte das <em>Jornal de Neg&oacute;cios</em></a> &uuml;ber die neue Welt, wo Angela Merkel sich mit Schulden ein Trinkgeld verdienen k&ouml;nne. Niedrigem Zinssatz sein dank.</p>
<blockquote>
<p>Ein Anleger, der Millionen von Euro hat, f&uuml;hlt sich nicht sicher, sein Kapital in eine Bank zu packen. Deshalb sieht er in L&auml;ndern wie Deutschland einen der wenigen sicheren H&auml;fen in der turbulenten Euro-See. Er nimmt gerne deutsche Staatsschulden, auch wenn er wei&szlig;, dass er am Ende der Laufzeit ein bisschen weniger zur&uuml;ck bekommt. [...] Wir leben in einer neuen Welt. In ihr muss ein Staat wie Deutschland sich refinanzieren, aber bekommt noch ein Trinkgeld daf&uuml;r. Und, noch seltsamer: Ich kann keinem der gro&szlig;en Investoren den Vorwurf machen, so komische Geldanlagen zu t&auml;tigen. Das ist der Preis der Sicherheit.</p></blockquote>
<p>Auch Frankreich verlor sein Top-Ranking. <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1399721-frankreich-rauscht-die-zweite-liga">F&uuml;r die ehrw&uuml;rdige <em>Le Monde</em></a> kam das einem Abstieg zum Zweitligisten gleich und verhei&szlig;t nichts Gutes f&uuml;r Nicoals Sarkozys Verhandlungsposition gegen&uuml;ber Angela Merkel.</p>
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<p>Deutschland, das seine Bestnote behalten hat, ist das Zentrum. Dem gegen&uuml;ber steht S&uuml;deuropa, dessen L&auml;nder mit gro&szlig;en finanziellen Schwierigkeiten k&auml;mpfen und die nur wenig Aussicht auf Wachstum haben. Frankreich, was gleichzeitig mit Spanien und Italien herabgestuft wurde, geh&ouml;rt nun zu diesem zweiten Europa. Paris wird bei zuk&uuml;nftigen Verhandlungen mit Berlin an Einfluss verlieren.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/press-review/1400491-der-nackte-kaiser-von-standard-poor-s"><em>La Stampa</em></a>, Tageszeitung in Besitz der Fiat-Gruppe, lie&szlig;t sich denn auch etwas frustriert. Egoismus zahle sich bei Rating-Agenturen offenbar aus, m&auml;kelt das Turiner Blatt. Und gibt Deutschland noch einen warmen Rat mit auf den Weg.</p>
<blockquote>
<p>Ginge es nur darum, f&uuml;r die Schulden der anderen aufzukommen, h&auml;tten die Deutschen guten Grund dazu, abzulehnen. Allerdings ist ihnen Folgendes klar geworden: Die M&auml;rkte, die den verschwenderischen L&auml;ndern vor der Krise Billigkredite gew&auml;hrten, belohnen nun ma&szlig;los den Egoismus der geizigsten L&auml;nder. Je l&auml;nger die Krise dauert, desto mehr Milliarden spart Deutschland, weil es extrem niedrige Zinsen zahlt. Verantwortung hei&szlig;t auch, &uuml;bertriebene Geschenke abzulehnen.</p></blockquote>
<p>&ldquo;Berlin kann nicht alles&rdquo;, <a target="_self" href="http://www.latribune.fr/actualites/economie/union-europeenne/20120115trib000678174/la-degradation-de-sp-met-l-allemagne-dans-la-position-inconfortable-du-sauveur.html">h&auml;lt <em>La Tribune</em> aus Paris dem entgegen</a>. Das Pariser Wirtschaftsblatt ist sich nicht so sicher, ob Deutschlands best&auml;tigte Macht auch an der Spree als gute Neuigkeit eingestuft werde:</p>
<blockquote>
<p>Da steht es nun wieder in vorderster Front, wenn die Krise schlimmer wird. Es allein kann noch neue Fonds losschlagen, um einen neuen Fieberschub zu vermeiden. Aber die Schuldenbremse in der Verfassung und die immer langsamer wachsende Wirtschaft bereiten den Deutschen gro&szlig;e Sorgen.</p></blockquote>
<p>Als Konsequenz des Ganzen, <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1404691-der-mythos-der-gleichheit-ist-zu-ende">so sieht es die <em>Gazeta Wyborcza</em> in Warschau</a>, sei die EU aus den Fugen. Der Vorteil: &quot;Die Scheinheiligkeit des Gr&uuml;ndungsmythos&quot; sei wenigstens vom Tisch: In der Union seien nicht alle gleich.</p>
<blockquote>
<p>Es wird noch schwieriger sein, in Europa irgendetwas ohne Deutschland zu unternehmen. Und die anderen 26 Mitgliedsstaaten werden nichts gegen die Deutschen tun k&ouml;nnen (h&ouml;chstens, vielleicht, die Union sprengen). [...]</p>
<p>Der Entscheidungsprozess und die Aufteilung der Stimmen innerhalb des Parlaments, der Kommission und des Rats, die im Vertrag von Lissabon so m&uuml;hselig ausgehandelt wurden, gehen in Scherben. Eine gewisse Zeit lang wird die Union so sein wie der Fu&szlig;ball damals, als alle spielten, aber nur Deutschland gewann.</p></blockquote>
<p>Ein Gedanke, der auf der britischen Insel sofort ein Echo findet. <a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/anatolekaletsky/article3289837.ece">In der <em>Times</em> f&uuml;hlt sich Anatole Kaletsky</a> durch die j&uuml;ngsten Ereignisse best&auml;tigt. Er r&auml;t wieder einmal Frankreich, Italien und Spanien eine Konkurrenz-EU zu gr&uuml;nden, beziehungsweise Deutschland aus der bestehenden rauszuwerfen.</p>
<blockquote>
<p>Deutschland hat nicht nur alle Vorst&ouml;&szlig;e, die die Euro-Krise unter Kontrolle bringen k&ouml;nnten, abgeschmettert. Es zeichnet auch f&uuml;r fast alle unsinnigen Politik-Ans&auml;tze zur Krisenbek&auml;mpfung in der Eurozone verantwortlich. Das reicht von den wahnsinnigen Zinserh&ouml;hungen der EZB letztes Jahr bis zur Forderung nach Sparpolitik und Gl&auml;ubigerbeteiligung, die jetzt Griechenland in eine chaotische Pleite st&uuml;rzen k&ouml;nnte. [...]</p>
<p>Das Grundproblem der Euro-Zone ist, dass Deutschland sich exklusiv aufs sparen konzentriert. Es zwingt andere Regierungen zu noch drakonischeren und unrealistischeren Sparzielen und weigert sich dabei kategorisch &uuml;ber die Gegenleistung in Form von kollektiver Schuldenhaftung und Zentralbank-Interventionen auch nur zu reden. Deshalb sieht der neue Euro-Vertrag auch aus wie ein Dreibein, der nur von einem Bein gest&uuml;tzt wird. [...]</p>
<p>Frankreich, Italien, Spanien und seine Euro-Partner haben die Mittel, den Euro zu retten. Zugleich k&ouml;nnten sie so der deutschen Hegemonie entkommen. Bleibt nur die Frage, ob sie genug Selbstbewusstsein und wirtschaftlichen Sachverstand haben, um sich gegen Deutschland zu vereinen.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/bundestag254.jpg" length="47132" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 20 Jan 2012 13:06:58 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Wie die Außerirdischen"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1390871-auslese-wie-die-ausserirdischen</link><description><![CDATA[<p><strong>Der Kern der Krise will vermieden werden. So sieht laut Europas Presse die Bilanz einer Woche Vorgipfel zwischen Deutschland, Frankreich und Italien in der Euro-Krise aus. &ldquo;Wie Au&szlig;erirdische&rdquo;, staunt <em>Respekt</em> in Prag. Traumt&auml;nzer, moniert <em>Rom&acirc;nia liberă</em> in Bukarest.</strong></p>
<p>Hallo Krise! Die Saison 2012 der Euro-Saga startete diese Woche mit zwei Vorbereitungstreffen f&uuml;r den EU-Gipfel Ende Januar. Frankreichs Pr&auml;sident Nicolas Sarkozy war Gast im Kanzleramt, dann Italiens Regierungschef Mario Monti, und Europas Euro ist zur&uuml;ck in den Zeitungen.</p>
<p>Verd&auml;chtig nach 2011 klingt aber die Pressebilanz der Woche: Der Euro ist nicht mehr gerettet als im Dezember, und die Politik (&quot;sie str&auml;uben sich, sie z&ouml;gern, stellen Bedingungen, spielen auf Zeit&quot;) tanzt um den Kern des Problems herum: An Griechenlands Fast-Pleite und dem noch nicht funktionst&uuml;chtigen Rettungsmechanismus vorbei geht es...</p>
<p>&ldquo;Sanft in den Abgrund&rdquo;, <a href="http://www.lesechos.fr/opinions/edito/0201832353127-doucement-vers-l-abime-272970.php" target="_self">findet das Pariser Wirtschaftsblatt <em>Les Echos</em></a>.</p>
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<p>Keiner der Notf&auml;lle, die Thema mehrerer 'historischer Gipfel' waren, wurden gel&ouml;st. [...] Nicolas Sarkozy und Angela Merkel verstr&ouml;mten in Berlin ein Gef&uuml;hl der Machtlosigkeit, w&auml;hrend wir vier Vorzeichen der Katastrophe z&auml;hlen. Das erste ist das unmittelbare Bevorstehen einer Pleite Griechenlands. Das zweite ist das Misstrauen gegen&uuml;ber allen L&auml;ndern der Euro-Zone, mit Ausnahme Deutschlands. Das dritte ist der Interbankenverkehr, der gr&ouml;&szlig;tenteils auf Eis liegt, da die Geldh&auml;user sich gegenseitig nicht mehr vertrauen. Das vierte ist der R&uuml;ckzug auf Kurzfristiges: f&uuml;r Staaten und Unternehmen verk&uuml;rzt sich die Darlehensdauer.</p></blockquote>
<p>Und da schreckten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy davor zur&uuml;ck, &ldquo;den Kern des Problems&rdquo; anzugehen, <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/news-brief/1379071-was-kann-merkozy-ausser-sparen" target="_self">bedauert in Warschau <em>Rzeczpospolita</em></a>.</p>
<blockquote>
<p>Die beiden Politiker wissen noch nicht, woher das Geld &ndash; falls notwendig &ndash; f&uuml;r eine Rettung Spaniens oder Italiens herkommen sollte. Genauso wenig haben sie einen Notfallplan f&uuml;r Griechenland (falls die Verhandlungen mit den Gl&auml;ubigern scheitern sollten). Sie z&ouml;gern, die Banken zu rekapitalisieren und gleichzeitig weichen sie allen Fragen aus, wie eigentlich die durch den Euro ruinierten L&auml;nder gerettet werden sollen. Ihre Strategie ist eine Strategie der Niederlage.</p></blockquote>
<p>Die Finanztransaktionssteuer ist so ein Vorschlag: Mit ihr haben Merkozy alias Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Berlin viel Zeit verbracht, aber voll daneben gehauen, <a href="http://respekt.ihned.cz/audit-jana-machacka/c1-54389110-v-berline-pristalo-ufo" target="_self">schreibt in Prag <em>Respekt</em></a>: Zu schnell, wirklichkeitsfern und obendrauf eine Themaverfehlung. Die Wirklichkeit in Euroland erfordere ein Konzept f&uuml;r mehr Wachstum. Ideen wie eine schnell durchgedr&uuml;ckte Tobin-Steuer lassen Wirtschaftsjournalist Jan Mach&aacute;ček Unglaubliches bef&uuml;rchten: &ldquo;Die Au&szlig;erirdischen landen in Berlin&rdquo;.</p>
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<p>Je &ouml;fter sich das europ&auml;ische Spitzenduo trifft, desto mehr erw&auml;chst der Eindruck, dass sie mit Ideen aufwarten, die &uuml;berhaupt nichts mit der Schuldenkrise zu tun haben. Daf&uuml;r gibt es nur zwei Erkl&auml;rungen: Entweder sie reden in Wirklichkeit &uuml;ber ganz andere Dinge (von denen die &Ouml;ffentlichkeit nichts wissen soll), oder das F&uuml;hrungsduo ist in die H&auml;nde von Au&szlig;erirdischen gefallen. Das Auto hat platte Reifen, der Motor ist hin, und die Chefs sind dabei, die Scheibenwischer zu reparieren.</p></blockquote>
<p>Auch in Bukarest meint man, Merkozy gipfele an den wahren Problemen vorbei und bringe die Londoner City mit dem Traumgebilde Tobin-Steuer unn&ouml;tig in Bredouille, <a href="http://www.romanialibera.ro/opinii/editorial/taxa-tobin-risca-sa-sfasie-europa-249802.html" target="_self">so <em>Rom&acirc;nia liberă</em></a>.</p>
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<p>Die Tobin-Steuer ist ein Umverteilungsinstrument geworden. Darum sehen so viele, von Viktor Orban und Merkozy bis zur Occupy-Bewegung darin ein Mittel f&uuml;r soziale Gerechtigkeit. Sie beschuldigen jetzt die Weltfinanz aller &Uuml;bel und tun als seien sie ganz verzaubert von dieser Steuer. Das deutsch-franz&ouml;sische Paar arbeitet unter der gef&auml;hrlichen Annahme, dass Zwangsma&szlig;nahmen bei den M&auml;rkten etwas bringen. Die Unterschiede zwischen europ&auml;ischen Volkswirtschaften &auml;ndern sie damit nicht. Keine Finanztransaktionssteuer der Welt k&ouml;nnte das. Gegen die Realit&auml;t l&auml;sst sich nicht k&auml;mpfen.</p></blockquote>
<p>Kurz &ndash; so sieht es Cartoonist <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1387151-der-kampf-geht-weiter" target="_self">Bertrams im <em>Groene Amsterdammer</em></a>: Die Uhr tickt, Merkozys Kampf geht weiter. Entschlossen. Im Kreis.</p>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.<a href="http://view.stern.de/de/picture/Auto-Griechenland-Mercedes-schrott-Autowracks-Autowrack-Mercedes_Ruine_Griechenla-1033474.html" target="_self"><em></em></a></p>
<p></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/-merkel-sarkozy-monti490.jpg" length="41868" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 13 Jan 2012 13:45:33 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Wulff sollte man möglichst schnell vergessen"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1365581-auslese-wulff-sollte-man-moeglichst-schnell-vergessen</link><description><![CDATA[<p><strong>Gefallener Streber, Naivling oder Opfer des strengen Lutherlandes Deutschland? &ndash; Das Urteil der europ&auml;ischen Presse &uuml;ber den deutschen Pr&auml;sidenten ist gespalten. Ein &ldquo;Rumpelstilzchen&rdquo; nennt die Schweizer <em>NZZ</em> Christian Wulff, <em>Il Sole</em> dagegen sieht vor allem die Deutschen auf dem Kriegspfad.</strong></p>
<p>Erst Privatkredit, dann Druck auf die Medien, und jetzt auch noch Festklammern am Amt: Europas Presse zerreist Christian Wulffs Salamitaktik der Weihnachtstage. <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/fassungslosigkeit_ueber_wulff_1.14068299.html" target="_self">Die <em>Neue Z&uuml;rcher Zeitung</em> mag nicht glauben</a>, wie sich der deutsche Pr&auml;sident mit seinem Anruf beim <em>Bild</em>-Chefredakteur ins Knie geschossen hat.</p>
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<p>Ein Pr&auml;sident, der die unfassbare Dummheit begeht, angesichts einer drohenden Blamage wie Rumpelstilzchen zu toben und seine Suada auch noch auf einer Mailbox zu hinterlassen, verstr&ouml;mt nicht die W&uuml;rde, die das Amt erfordert. Und wenn er sich dar&uuml;ber beklagt, dass seine Auslassungen publik werden, klingt das schal.</p></blockquote>
<p>In Paris, das in den letzten Monaten die &Uuml;berwachung seiner Journalisten durch den franz&ouml;sischen Geheimdienst entdecken musste, <a href="http://abonnes.lemonde.fr/europe/article/2012/01/03/christian-wulff-trahi-par-une-boite-vocale_1625097_3214.html" target="_self">bemerkt <em>Le Monde</em> schlicht</a>:</p>
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<p>Dass ein Pr&auml;sident auf Dienstreise in der arabischen Welt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter eines Chefredakteurs hinterl&auml;sst und ihm gebietet, nichts &uuml;ber einen alten Kredit von einem superreichen Freund zu ver&ouml;ffentlichen, sagt eine Menge aus &uuml;ber seine Verunsicherung, seine Naivit&auml;t und seine N&auml;he zu besagtem Chefredakteur.</p></blockquote>
<p>Die Aff&auml;re k&ouml;nnte ihn teuer zu stehen kommen, <a href="http://www.ilsole24ore.com/art/notizie/2012-01-03/scoppia-wulffgate-germania-presidente-112419.shtml?uuid=AajsEMaE&amp;fromSearch" target="_self">schreibt auch <em>Il Sole 24 Ore</em> </a>aus Mailand. Was allerdings wieder typisch deutsch sei. Denn was die Italiener kalt lasse, bringe den Deutschen in Wallung. Mit Grund.</p>
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<p>Selbst Streber machen mal Fehler. Verzeihliche politische Fehler, die andere L&auml;nder in anderen Breitengraden mit Ruhe und distanziertem Gleichmut sehen w&uuml;rden, aber im Land Martin Luthers, das den Ablasshandel und Erl&auml;sse exkommuniziert hat, k&ouml;nnen sie zu einem schweren Fehler werden in den Augen einer strengen &Ouml;ffentlichkeit, die ihren Vertretern nichts vergibt. [...]</p>
<p>Ist das hier nun blo&szlig; eine mediale Seifenblase von einem Boulevardblatt auf der permanenten Suche nach hei&szlig;en Nachrichten und l&auml;rmenden Scoops? Nicht wirklich. Deutschlands &Ouml;ffentlichkeit ist auf dem Kriegspfad: immer weniger akzeptiert sie Merkels Politik der augestreckten Hand. Widerwillig hat sie zehn Jahre harte Opfer nach der Reform des gro&szlig;z&uuml;gigen Wohlfahrtsstaates und des Arbeitsmarktes unter Gerhard Schr&ouml;der akzeptiert, mit dem ber&uuml;hmten Hartz IV-Gesetz. Heute aber will sie Politiker, die &uuml;ber jeden Zweifel erhaben sind. Wenn eine politische Klasse Opfer verlangt, muss sie selbst als gutes Beispiel vorangehen.</p></blockquote>
<p>V&ouml;llig einverstanden <a href="http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/720936/Wulff-hat-eh-zurueckgezahlt" target="_self">ist damit &Ouml;sterreichs <em>Die Presse</em></a>, die es den heimischen Politikern auch ganz gerne mal nicht so einfach machen w&uuml;rde: &quot;Hierzulande w&auml;re die Causa wohl schnell mit einer Gegenfrage beendet: Was wollt ihr? Der Pr&auml;sident hat das Geld eh zur&uuml;ckgezahlt&quot;, mosert die Zeitung. Und:</p>
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<p>Die Rolle des deutschen Bundespr&auml;sidenten ist klar umrissen: Sie d&uuml;rfen langweilig, m&uuml;ssen aber unter allen Umst&auml;nden untadelig sein. Sonst taugen sie nicht zur moralischen Instanz, zum Hohepriester der Republik. Christian Wulff ist zwar langweilig, aber trotzdem keine gute Wahl.</p></blockquote>
<p>In Holland ist das Echo &auml;hnlich. <a href="http://www.ed.nl/mening/10200058/Wulff-hoort-heel-snel-vergeten-te-worden.ece" target="_self">Das <em>Eindhovens Dagblad</em> h&auml;lt </a>Christian Wulff f&uuml;r eine Fehlbesetzung und r&auml;t, ihn m&ouml;glichst schnell zu vergessen:</p>
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<p>Wir wissen von Multatuli, dass ein Mann Karriere machen kann, indem er wegen fehlenden Gewichts nach oben steigt. F&uuml;r den deutschen Bundespr&auml;sidenten ist das sicherlich zutreffend. Niemand sah in der grauen Maus einen Pr&auml;sidenten, der auf nationaler und internationaler Ebene Vertrauen und Autorit&auml;t verstr&ouml;mt. Die Regierung Angela Merkels musste davon ausgehen, dass er keine Gefahr darstellte und keinen Schaden anrichten konnte. Die Aff&auml;ren, in die er verwickelt ist, zeigen nun aber, dass er nicht in der Lage ist, das Amt des Pr&auml;sidenten auszuf&uuml;llen. Und damit hat er sehr wohl dem Ansehen seines Amtes geschadet.</p></blockquote>
<p>Das sei aber haupts&auml;chlich ein Problem f&uuml;r die Bundeskanzlerin, wirft die Londoner <a href="http://www.ft.com/intl/cms/s/0/4c8affe2-3632-11e1-a3fa-00144feabdc0.html#axzz1iV1PuZ9E" target="_self"><em>Financial Times</em></a> ein, den Blick fest auf die Realpolitik geheftet.</p>
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<p>Die Angriffe auf den Pr&auml;sidenten kommen f&uuml;r Frau Merkel zur Unzeit. Sie will all ihre Aufmerksamkeit auf die Finanzkrise in der Euro-Zone konzentrieren. Muss der Pr&auml;sident zur&uuml;cktreten, dann w&uuml;rde das als das zweite Mal gedeutet, dass Merkel den falschen Mann f&uuml;r den Posten unterst&uuml;tzt hat. Mit ziemlicher Sicherheit w&uuml;rde sie gemeinsam mit der Opposition einen Kompromisskandidaten finden m&uuml;ssen, denn ihre Mitte-Rechts-Koalition in der Bundesversammlung, die den Pr&auml;sidenten w&auml;hlt, ist auf vier Stimmen geschrumpft.</p></blockquote>
<p>Und die <em>NZZ</em> glaubt nicht, dass die Interessenlage f&uuml;r einen neuen Pr&auml;sidenten steht.</p>
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<p>Die politische Klasse lechzt nicht gerade nach einer Neuwahl, und die Masse, genau wie im Falle Guttenbergs an Oberfl&auml;chlichem klebend und hingerissen von der milden Sexiness der First Lady, mag das Staatsoberhaupt noch immer. Das alles wird Merkel, deren Stimme gro&szlig;es Gewicht hat, ber&uuml;cksichtigen.</p></blockquote>
<p>Dabei ist vielleicht gerade der Pr&auml;sident von Kanzlers Gnaden Grund f&uuml;r Unzufriedenheit in Deutschland <a href="http://derstandard.at/1325485579785/Kommentar-von-Josef-Kirchengast-Schaden-fuer-Amt-und-Demokratie" target="_self">bemerkt der Wiener <em>Standard</em></a>. Grunds&auml;tzlich k&ouml;nnte sich Berlin einige Gedanken zur Art der Pr&auml;sidentenwahl machen.</p>
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<p>In einer Volkswahl wie etwa in &Ouml;sterreich h&auml;tte Joachim Gauck allen Umfragen zufolge gewonnen. Zwar ist auch die Wahl des Staatsoberhaupts durch den Souver&auml;n keine Garantie f&uuml;r unproblematische Entscheidungen (siehe Waldheim). Und in Deutschland gab es gewichtige historische Gr&uuml;nde dagegen (Wirren der Weimarer Republik). Dennoch gilt, dass ein vom Volk gew&auml;hlter Pr&auml;sident in demokratischen Grundsatzfragen wie in Krisensituationen mehr Gewicht hat. Und im Zweifelsfall wird man sagen k&ouml;nnen, das Volk habe eben das Staatsoberhaupt, das es verdient.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.bundespraesident.de/DE/Die-Amtssitze/die-amtssitze-node.html" target="_self">Bundespr&auml;sident.de </a></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/bellevue-490.jpg" length="40844" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 06 Jan 2012 17:01:46 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Ein politischer Leichnam"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1298251-auslese-ein-politischer-leichnam</link><description><![CDATA[<p><strong>Der Zustand der FDP nach dem R&uuml;cktritt Christian Lindners wird in der europ&auml;ischen Presse mit Sorge kommentiert. &ldquo;Ein Opfer der Euro-Krise&rdquo;, schreibt <em>Le Monde</em>. Und der Wiener <em>Standard</em> m&auml;kelt: &quot;Jetzt geht auch noch der falsche&rdquo;.</strong></p>
<p>Der Name Christian Lindner mag dem europ&auml;ischen Politikredakteur bisher vielleicht nicht gel&auml;ufig gewesen sein. Sein Verschwinden &auml;ndert das schlagartig. Der &uuml;berraschende R&uuml;cktritt des FDP-Generalsekret&auml;rs gilt in der Presse als alarmierendes Signal f&uuml;r Chaos in der Berliner Regierungskoalition. Jetzt zieht Angela Merkel mehr denn je mit der FDP einen Klotz am durch ganz Europa.</p>
<p>&ldquo;Auf seinem Level ist Christian Lindner ein politisches Opfer der Euro-Krise&rdquo;, wei&szlig; die Pariser Abendzeitung <em>Le Monde</em>.</p>
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<p>Die Euroskeptiker in der Partei schrien Sabotage, Ger&uuml;chte eines Putschs kamen ins Rollen. In dieser sch&auml;dlichen Atmosph&auml;re trat Lindner lieber von einer Partei zur&uuml;ck, die nur noch 3 Prozent der W&auml;hler anzieht und ihren Lebenssinn verloren zu haben scheint &ndash; die Verk&ouml;rperung der liberalen und europ&auml;ischen Gedanken &ndash; an die Gr&uuml;nen, aber auch an die Piraten. Dies alles w&auml;re nicht mehr als eine Anekdote, w&auml;re die FDP nicht die Alliierte der CDU. Ihre Schw&auml;chung ist f&uuml;r Angela Merkel ein Dauerproblem. Sie sieht zu, wie ihre Koalition gef&auml;hrlich anf&auml;llig wird; sie muss feststellen wir ihr Partner &ndash; um zu &uuml;berleben &ndash; sich bei jedem Thema unerwartet in Hysterie hineinsteigern kann.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/716818/Der-langsame-Zerfall-der-FDP">Auch <em>Die Presse</em> aus Wien ist versucht</a>, jede Hoffnung an die FDP aufzugeben. Der Kommentar doziert &uuml;ber den &ldquo;langsamen Zerfall der Partei&rdquo;.</p>
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<p>Schlimmer geht's immer. Als Guido Westerwelle nach drei vernichtenden Wahlniederlagen und Umfragewerten zwischen drei und f&uuml;nf Prozent im April diesen Jahres seinen R&uuml;cktritt vom FDP-Vorsitz verk&uuml;ndete, war die Partei nicht zuletzt wegen interner Querelen schon unhaltbar besch&auml;digt. [...] Nun ist klar: Die Wende ist missgl&uuml;ckt. Exakt zwei Jahre nach seinem Antritt als Parteistratege gibt Lindner auf. Aus Loyalit&auml;t zur Partei nannte er keine Gr&uuml;nde f&uuml;r seinen Abgang. Sie waren wohl auch pers&ouml;nlicher Natur: Schon l&auml;nger ist Lindners Verh&auml;ltnis zu R&ouml;sler getr&uuml;bt. Auch der gr&ouml;&szlig;te Optimist muss nun Dramatisches f&uuml;r die FDP bef&uuml;rchten.</p></blockquote>
<p><em>Trouw</em> aus Amsterdam packt das Dramatische in Worte und diagnostiziert: &ldquo;Partei in Lebensgefahr&rdquo;, wegen mangelnder Ideen.</p>
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<p>Gerade Lindner hatte eine neue Dynamik in die Partei gebracht. Er hatte Westerwelles Kurs zur Diskussion gestellt, der sich einseitig auf Steuersenkungen konzentrierte. Er pl&auml;dierte f&uuml;r eine St&auml;rkung der klassischen liberalen Werte, zusammengefasst unter dem Begriff &lsquo;mitf&uuml;hlender Liberalismus&rsquo;.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://derstandard.at/1323223058822/FDP-Krise-in-Deutschland-Das-Scheitern-der-Boygroup">Die Kollegen vom Wiener <em>Standard</em> bescheinigen</a> der einst bejubelten &ldquo;Boygroup&rdquo; ein solch grandioses Scheitern, dass sie sich nach April 2010 zur&uuml;ckw&uuml;nschen. Heute gebe es nicht mal mehr einen Personalreserve zum Nachr&uuml;cken.</p>
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<p>Philipp R&ouml;sler, Christian Lindner und Daniel Bahr agierten irgendwie nebeneinanderher, der eine mehr, die anderen weniger. Eine Linie, eine echte Strategie haben sie nicht zustande gebracht. [...] Jetzt geht auch noch der Falsche. Lindner, der Stratege, h&auml;tte bleiben sollen, auf R&ouml;sler h&auml;tte die Partei viel leichter verzichten k&ouml;nnen. &Uuml;ber kurz oder lang wird es ohnehin auch dazu kommen. R&ouml;sler wird sich nicht halten k&ouml;nnen. Doch egal, wie es nun weitergeht &ndash; wenn sich die FDP noch ein weiteres derart verheerendes und verlorenes Jahr leistet, dann braucht sie zur Bundestagswahl 2013 gleich gar nicht mehr anzutreten.</p></blockquote>
<p>Aber bis dahin, <a target="_self" href="http:// http://www.ft.com/intl/cms/s/0/78189af8-2646-11e1-85fb-00144feabdc0.html#axzz1gaodZdtz">so bemerkt die britische <em>Financial Times</em></a>, gibt es noch einige, nicht ganz unbedeutende Entscheidungen zu treffen, die in Europa alle angehen. Die Berliner Regierung wird zwecks Euro-Rettung handlungsf&auml;hig gew&uuml;nscht.</p>
<blockquote>
<p>Der R&uuml;cktritt best&auml;tigt die Wahrnehmung der FDP als Partei ohne klare F&uuml;hrung und Kurs, was die Koh&auml;renz der Merkel-Regierung untergr&auml;bt und jede weitere Entscheidungsfindung in der Koalition komplizierter macht. [...] W&uuml;rde die FDP sich dem ESM per Votum widersetzen, w&uuml;rde das wahrscheinlich Merkels Koalition zerst&ouml;ren, denn der Fonds ist eine Schl&uuml;sselelement der Euro-Rettung, die die deutsche Regierung mit ihren Partner ausgehandelt hat. So ein Ergebnis ist jetzt wohl unwahrscheinlich. Aber die FDP wird f&uuml;r die Bundeskanzlerin ein schwieriger Koalitionspartner bleiben, da sie verzweifelt versucht, sich mit gegenl&auml;ufigen Positionen ein politisches Profil zuzulegen.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.economist.com/blogs/newsbook/2011/12/germanys-free-democrats/print">Bildhaft wird der ordnungsliebende <em>Economist</em></a> und spricht von einem &ldquo;Saustall von Partei&rdquo;.</p>
<blockquote>
<p>Niemand glaubte, dass Deutschlands Freie Demokratische Partei bei guter Gesundheit war. Aber der &Uuml;berraschungsr&uuml;cktritt ihres jungen Generalsekret&auml;rs zeigt, dass es sogar noch schlechter um sie steht, als viele angenommen hatten. Das sind schlechte Nachrichten f&uuml;r Angela Merkels Koalitionsregierung, vielleicht sogar f&uuml;r den Euro. In einigen Tagen werden wir wissen, wie schlecht genau. [...] Die unschuldig anmutende &Uuml;bung in innerparteilicher Demokratie l&auml;sst die Koalition scheppern, vielleicht sogar st&uuml;rzen. [...] Die FDP ist gef&auml;hrlich nah an einem Multisystemversagen. Frau Merkel k&ouml;nnte sich in der Situation wiederfinden, mit einem politischen Leichnam zu regieren.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>Spiegel Online</em></a></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/FDP490.jpg" length="43439" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 16 Dec 2011 13:52:44 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: Deutsche Ordnungshüter im Club der Europäer</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1263701-auslese-deutsche-ordnungshueter-im-club-der-europaeer</link><description><![CDATA[<p><strong>Wieviel Vertrauen verdient die deutsche Politik vor dem Euro-Gipfel? Diese Frage spaltet Europas Presse. Die tschechische <em>Lidov&eacute; noviny</em> tauft die Europ&auml;ische Union&nbsp;zur &ldquo;Repressions-Union&rdquo; um, der britische <em>Statesman</em> beschw&ouml;rt die Politiker: &ldquo;Lasst die Geister der Vergangenheit ruhen.&rdquo;</strong></p>
<p>W&uuml;rde Henry Kissinger in der diesw&ouml;chigen &ldquo;Schicksalswoche f&uuml;r den Euro&rdquo; immer noch nach Europas Telefonnummer suchen, so w&auml;hle er bitte das Berliner Kanzleramt an. &Uuml;ber die Ernennung des EZB-Chefs, die Unterst&uuml;tzung des griechischen Ministerpr&auml;sidenten oder die Schaffung von Euro-Bonds k&ouml;nne nur noch Angela Merkel Auskunft geben, schrieb <em>Le Monde</em>.</p>
<p>Dass proportional zur gef&uuml;hlten Bedeutung des Kanzleramts auch die anfeindenden Kommentare &uuml;ber den deutschen &ldquo;Hegemon&rdquo; zunahmen, sah die Presse mit gemischten Gef&uuml;hlen.</p>
<p>In einem lesenswerten Artikel &ldquo;Griechen versus Deutsche&rdquo; r&auml;umt der <a target="_self" href="http://www.newstatesman.com/europe/2011/12/greece-germany-war-essay-greek">Columbia Historiker Mark Mazower im<em> Statesman</em></a> mit hinf&auml;lligen Geschichtsvergleichen auf. Nach einem Streifzug durch die deutsch-griechische Vergangenheit von K&ouml;nig Otto bis Otto Rehagel legt er nahe: &ldquo;Blickt nicht zur&uuml;ck&rdquo;.</p>
<blockquote>
<p>&Uuml;ber Generationen hinweg wurden die Deutschen zu der Ansicht erzogen, sie br&auml;chten sowohl ihr eigenes Land als auch den ganzen europ&auml;ischen Kontinent an den Rand des Ruins, falls sie die F&uuml;hrung in Europa &uuml;bernehmen wollten. Heute sind die Deutschen nur h&ouml;chst widerwillig dazu bereit, die Verantwortung einer Vormachtstellung zu &uuml;bernehmen. Stattdessen stimmen sie das Mantra der Einhaltung der Regeln an. Wenn sich die S&uuml;deurop&auml;er nicht an die Abkommen halten k&ouml;nnen, die sie selbst unterzeichnet haben, dann werden sie es entweder lernen oder die Eurozone verlassen m&uuml;ssen.</p>
<p>Die F&uuml;hrungsrolle in Europa wird somit kaum grandioser als die Funktion eines Ordnungsh&uuml;ters im Klub. Sie ist, auf ihre eigene Art, wie eine kriegsfeindliche Auffassung der kontinentalen F&uuml;hrung: eine, die sich bei Gespr&auml;chen &uuml;ber Steuernormen und legale Verpflichtungen deutlich wohler f&uuml;hlt als bei so derben Themen wie herrschaftlicher Macht. Stellt man es Berlin anheim, es gebe da doch noch eine andere Anschauung der Hegemonie, die es wohl aus den Augen verloren habe &ndash; nicht etwa die Aussendung von Panzern, sondern vielmehr die Rolle eines Kreditgebers der letzten Instanz, der &uuml;bersch&uuml;ssiges Kapital wieder in Umlauf bringt und f&uuml;r die Gemeinschaft Sozialg&uuml;ter bereitstellt, die sonst niemand aufbringen kann &ndash;, so st&ouml;&szlig;t man auf Verwirrung.</p></blockquote>
<p>Fazit des Historikers: Wenn das Ringen mit den Geistern der Vergangenheit auch eine Art falschen Trost biete, so helfe es sicher nicht, unser jetziges Chaos zu verstehen.</p>
<p>Aber sie war wieder da, die Klage von der &ldquo;Germanisierung Europas&rdquo;, <a target="_self" href="http://jornal.publico.pt/noticia/06-12-2011/a-europa-do-diktat-da-alemanha-23561931.htm">zum Beispiel im <em>Publico</em> aus Lissabon</a>:</p>
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<p>Die Forderungen des Merkozy-Paars erinnern an Kriegsreparationen. Forderungen &uuml;ber Forderungen an die Verlierer und Geschlagenen, doch nichts, was Geld und Solidarit&auml;t erfordert.</p></blockquote>
<p>Angela Merkel erschien als <a target="_self" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cartoon/2011/dec/05/angela-merkel-nicolas-sarkozy-cartoon">peitschende Domina im <em>Guardian</em></a>, und <em>El Peri&oacute;dico</em> aus Barcelona spekulierte, ob Merkel nicht als neuer Herbert Hoover anzusehen sei, der ungl&uuml;ckliche US-Wirtschaftskrisen-Pr&auml;sident.</p>
<p>Im Nicht-Euro-Land Tschechien konnte Lidov&eacute; noviny noch an den Unterhaltungswert der Krise galuben: &ldquo;Warum braucht der irische Finanzminister zwei Tage, um seinen Haushalt im Parlament vorzustellen? &ndash; Weil die deutsche &Uuml;bersetzung so lang gedauert hat.&rdquo; Ansonsten reagierte das Blatt aber allergisch auf den deutschen Plan einer Haushaltskontrolle aus Br&uuml;ssel.</p>
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<p>Der Schritt, den man in Br&uuml;ssel gehen will, wird gemeinhin als &lsquo;Fiskalunion&rsquo; bezeichnet. In Wahrheit handelt es sich eher um eine Kontroll- und Repressionsunion oder um eine fiskalische Zwangsjacke. Das ist wirtschaftliche Quacksalberei, die dem Einsatz von Blutegeln in der Medizin gleichkommt.</p></blockquote>
<p>In Griechenland sieht der <a target="_self" href="http://www.tanea.gr/digital/login">Cartoonist der griechischen <em>Ta Nea</em></a> als einzige Reaktion aus Deutschland ein Kanzlerin, die sich fest beide Ohren zuh&auml;lt. Ein Mangel an Kommunikation, <a target="_self" href="http://www.lemonde.fr/cgi-bin/ACHATS/acheter.cgi?offre=ARCHIVES&amp;type_item=ART_ARCH_30J&amp;objet_id=1175696">den <em>Le Monde</em> in Paris als Kern des Problems erkennt</a>.</p>
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<p>Deutschland wei&szlig;, dass die Konjunktur nur schwerlich besser werden kann und zieht jetzt alle Register um bei seinen Partnern eine wahre Kulturrevolution zu erwirken. Nicht, um ein &lsquo;deutsches Europa&rsquo; zu schaffen, sondern ein solides Europa. Ganz von seinen eigenen institutionellen Zw&auml;ngen beherrscht, untersch&auml;tzt Berlin dabei die laufenden Debatten in den anderen L&auml;ndern. Mit seiner Weigerung, die Gr&ouml;&szlig;e der von ihm geforderten Zugest&auml;ndnisse anzuerkennen, erstickt es im Keim jede Debatte &uuml;ber so grunds&auml;tzliche Fragen wie die Schuldenbremse oder die Kontrolle der nationalen Haushalte durch einen EU-Kommissar. Der Bumerangeffekt sollte umso heftiger werden, als Deutschland immer noch nicht klar gesagt hat, was es im Gegenzug zu geben bereit ist.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.dn.pt/inicio/opiniao/editorial.aspx?content_id=2168701">Dem h&auml;lt <em>Di&aacute;rio de Not&iacute;cias</em> aus Lissabon entgegen</a>, die V&ouml;lker h&auml;tten ein schlechtes Ged&auml;chtnis der Entstehungsgeschichte des Euro. Die Deutschen predigten n&auml;mlich seit Jahrzehnten das gleiche.</p>
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<p>Nach der Wiedervereinigung schlug Deutschland einen anderen als den gew&auml;hlten Weg vor: wir sollten erst unsere Steuern harmonisieren, dann eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik verfolgen, und erst dann uns in eine vorsichtige W&auml;hrungsunion vorwagen. [&hellip;] Niemand wollte diesem Weg folgen. Das Ergebnis sehen wir heute. Beim ersten Windsto&szlig; f&auml;llt das Euro-Gebilde in sich zusammen. Was Berlin und Paris heute den 15 anderen vorschlagen ist die Umsetzung der Ma&szlig;nahmen, die die Deutschen schon in den Neunzigerjahren f&uuml;r unerl&auml;sslich hielten.</p></blockquote>
<p>Und auch <a target="_self" href="http://www.polityka.pl/swiat/ludzie/1520274,1,kim-jest-angela-merkel.read"><em>Polityka</em> in Warschau ist die Hysterie fremd</a>: Hinter ihrem Titelbild (<a href="http://www.polityka.pl/spistresci" title="http://www.polityka.pl/spistresci">http://www.polityka.pl/spistresci</a> ) mit Angela Merkel im Geschmeide des Heiligen R&ouml;mischen Reiches deutscher Nation glaubt die Wochenzeitung an anderes, n&auml;mlich eine europ&auml;ische Res publica.</p>
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<p>Diejenigen, die f&uuml;rchten, dass ein f&ouml;deralistisches Europa &ldquo;deutsch&rdquo; wird, sollten sich die positive Handelsbilanz zwischen Polen und Deutschland ansehen, und auch den Boom der polnischen Zivilisation seit das EU-Geld flie&szlig;t, zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus Deutschland.&nbsp; [...] Europa wird nicht &lsquo;deutsch&rsquo; werden, selbst wenn es &lsquo;deutsche&rsquo; Haushaltsdisziplin einh&auml;lt. Eine tiefere EU-Integration hei&szlig;t n&auml;mlich nicht weniger Souver&auml;nit&auml;t f&uuml;r Polen, Frankreich oder Italien zugunsten Deutschlands; sondern f&uuml;r alle diese L&auml;nder &ndash; und Deutschland vielleicht am meisten &ndash; zugunsten Br&uuml;ssels und eines vielleicht demokratischeren EU-Parlaments.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <em>Spiegel Online</em>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/SCHOT_490.jpg" length="45422" type="image/jpeg" /><pubDate>Thu, 08 Dec 2011 18:27:37 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: Angela, spring!</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1242021-auslese-angela-spring</link><description><![CDATA[<p><strong>Wann sagt sie endlich Ja zu den Euro-Bonds? Europas Presse arbeitet sich am Widerstand Angela Merkels ab &ndash; und zitiert gen&uuml;sslich eine Anekdote aus ihrer Kindheit. Und sonst wird wieder gegen die &ldquo;Germanisierung Europas&rdquo; gepoltert. <em>El Mundo</em> schreibt: &ldquo;Wir haben genug von Merkels Art.&rdquo;</strong></p>
<p>Das Sprungbrett-Erlebnis der jungen Angela Merkel schaffte es diese Woche endlich den metaphorischen Hintergrund der Euro-Krise aufzusteigen. Zeitungen von London bis Rom zitierten die Szene, als Angela Merkel in ihrer Jugend hadernd &uuml;ber dem Schwimmbecken verweilte und sich erst zu Ende der Stunde zum Eintauchen ins Wasser durchringen konnte. Sollte ihr Krisenmanagement &auml;hnlich verlaufen, so empfiehlt die Presse, ist jetzt die Zeit f&uuml;r den Sprung gekommen. Hei&szlig;t:</p>
<p>&quot;Warum Angela Merkel Ja zu Eurobonds sagen muss&rdquo;, <a target="_self" href="http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/8920590/Why-Angela-Merkel-needs-to-say-yes-to-a-eurobond.html">titelte in London der <em>Telegraph</em></a>.</p>
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<p>Mit ihrer Weigerung, sich voll hinter die anderen Mitglieder der Euro-Zone zu stellen, ermutigt sie die M&auml;rkte zu noch gr&ouml;&szlig;eren Sorgen um ein taumelndes europ&auml;isches 'Projekt'. Wenn nicht einmal Deutschland mehr seine Staatsanleihen loswird, dann wissen wir, dass der Rest der Welt der Euro-Zone gerade jedes Vertrauen versagt. Wenn der Euro f&auml;llt, wird Deutschland schwer unter einer rasenden Aufwertung seiner neuen W&auml;hrung und hohen Verlusten seiner Banken zu leiden haben. Ich denke, der Rest der Euro-Zone hat die Nachricht verstanden. In Italien, Spanien, Griechenland und Portugal sitzen Regierungen voller Spar- und Reformeifer. Jetzt ist es an Deutschland auf den Plan zu treten und die Zinsen f&uuml;r die gesamte Euro-Zone nach unten zu dr&uuml;cken.</p></blockquote>
<p>V&ouml;llig einverstanden ist damit der Kolumnist der Lissabonner Wirtschaftszeitung <em>Jornal de Neg&oacute;cios</em>. Er titelt: &ldquo;Deutsche sollen alles zahlen!&rdquo;</p>
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<p>Ich bin ein Bewunderer, ja fast Neider der deutschen Organisation, Disziplin, Kultur und Technik. Aber jetzt wird deutlich, dass Frau Merkels &uuml;bertriebene Orthodoxie in Wirtschafts- und Finanzfragen zum Ende des Euros und der Europ&auml;ischen Union f&uuml;hren wird, wie auch zu dem Gef&uuml;hl, dass Deutschland schuld daran ist. [...] Es sei denn Frau Merkel g&auml;be ihre Orthodoxie auf und erkl&auml;rte den Deutschen, dass das Geldausgeben im Rest Europas reichlich durch Kredite f&uuml;r deutsche Produkte gef&uuml;ttert wurde.</p></blockquote>
<p>Die Kondition, ob Eurobonds oder ein Eingreifen der EZB aber lautet: strengere Kontrolle der Haushalte durch Br&uuml;ssel, wovon die Presse in der revolutionsgepr&uuml;ften Republik Frankreich Sch&uuml;ttelfrost bekommt. <a target="_self" href="http://www.mediapart.fr/journal/economie/291111/euro-la-constitution-se-rappelle-paris-et-berlin">F&uuml;r <em>Mediapart</em> wackelt</a> das Fundament der modernen Demokratie.</p>
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<p>Das hei&szlig;t nicht weniger, als eine der Schl&uuml;sselkompetenzen einer demokratischen Regierung beschr&auml;nken. Und das kann man nicht mal eben per bilateralem Abkommen auf der Tischkante aushandeln. [...] 'No taxation without representation' lautete der erste Leitsatz der amerikanischen Unabh&auml;ngigkeitsk&auml;mpfer 1775. Die Steuerhoheit war auch eine der ersten Regeln der [franz&ouml;sischen] Revolution 1789. [...] Berlin und Paris wollen jetzt eine noch strengere Regelung als die schon in einigen Verfassungen verankerte 'Goldene Regel': Abgesehen davon, dass die L&auml;nder dieser neuen Mini-Euro-Zone sich zu einer Null-Verschuldung verpflichten, will Merkel eine drakonische Kontrolle des gesamten Haushaltsprozesses. Das ist laut Berlin gerechtfertigt, weil es b&uuml;rgt.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.rp.pl/artykul/13,761610-Niemcy-aroganckie-wobec-UE---Magierowski.html"><em>Rzeczpospolita</em> mahnte deshalb Deutschland</a> zu verbaler Vorsicht und er&ouml;ffnete ihren Artikel mit einem Auszug aus Guido Westerwelles Schreiben an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Zukunft Europas &ndash; auf Deutsch. Dazu:</p>
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<p>Vereinzelt h&ouml;ren wir jetzt Prophezeiungen, dass bald ganz Europa dazu gezwungen sein wird, sich in Goethes Sprache zu verst&auml;ndigen, was eine arge &Uuml;bertreibung ist, selbst wenn Deutsch sich perfekt zur Amtssprache eignet. Aber Westerwelle spricht nicht umsonst von einer &lsquo;Kultur des Haushaltens&rsquo;. F&uuml;r die deutschen Eliten kommen die aktuellen Probleme der EU in gro&szlig;em Ausma&szlig; von den kulturellen Unterschieden zwischen dem Norden und dem S&uuml;den des Kontinents. Deutsche sind verantwortungsbewusst, akkurat, und vorhersehbar. Wenn Deutsche aber anfangen, &uuml;ber ihre Wirtschaftskultur zu reden, verfallen sie in eine unertr&auml;gliche Arroganz. Je schlechter die Nachrichten aus Griechenland, desto barscher der Ton Merkels und ihrer Minister. Sieht Deutschland denn vor lauter Bilanzgewinnen nicht den Zynismus dieses Verhaltens?</p></blockquote>
<p>Der Karikaturist der <em>S<a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1229001-angela-die-herrin">unday Businness Post</a></em><a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1229001-angela-die-herrin"> in Dublin packte diesen Eindruck jedenfalls ins Bilder</a>. Und auch <a target="_self" href="http://quiosco.elmundo.orbyt.es/epaper/xml_epaper/El%20Mundo/29_11_2011/pla_562_Madrid/xml_arts/art_7591958.xml"><em>El Mundo</em> in Spanien sah ihn sehr wohl</a>, polterte diese Woche mit Vergleichen aus dem Dritten Reich und pl&auml;dierte gegen &ldquo;die Germanisierung Europas&rdquo;.</p>
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<p>Wir haben langsam genug von [Merkels] Art, die V&ouml;lker am Mittelmeer zu bewerten. Sie vergisst allzu oft unsere griechisch-r&ouml;mische Kultur, und dass vor langer Zeit die Barbaren aus dem Norden eine Gefahr f&uuml;r sie darstellten. Das heutige deutsche Modell ist nicht in allen seinen Elementen nachahmenswert. Deutschland ist ein Land, in dem Armut, Prekarit&auml;t und soziale Ungerechtigkeit in den letzten Jahren geradezu explodiert sind. Laut Eurostat sind die Ungleichheiten im letzten Jahrzehnt nur in Rum&auml;nien und Bulgarien st&auml;rker angestiegen. Fazit: Germanisierung ist nicht die L&ouml;sung.</p></blockquote>
<p>Und doch ist es gut, dass Merkel die Ruhe beh&auml;lt und auf die Bremse tritt, <a target="_self" href="http:// http://www.trouw.nl/tr/nl/4328/Opinie/article/detail/3049608/2011/11/25/Lastig-dat-tegenstribbelen-van-Merkel-maar-nodig-om-het-hoofd-koel-te-houden.dhtml">hielt in Amsterdam <em>Trouw</em> dagegen</a>.</p>
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<p>In der Panik der sich zuspitzenden Euro-Krise ist es verlockend sich an jede Rettungsboje zu klammern. Aber es braucht mehr als die blinde Einf&uuml;hrung von Eurobonds. F&uuml;r Merkel macht es keinen Sinn, Eurobonds f&uuml;r ein Konstrukt auszugeben, das von Grund auf klappert. Genauso will sie nicht, dass die EZB die Druckmaschine anwirft, denn der Druck auf die Schuldenstaaten w&auml;re damit fort. L&auml;stig ist es sicher, dass sie Widerstand leistet. Aber n&ouml;tig, um &uuml;berhastete Aktionen zu vermeiden. [...] Die Rettung der Euro-Zone beginnt mit einer soliden Vereinbarung &uuml;ber die Haushaltsdisziplin und Zwangsmechanismen.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.repubblica.it/politica/2011/12/01/news/berlino_europa-25878903/?ref=HREA-1">Dem sah <em>La Repubblica</em> aus Rom</a> diese Woche ungewohnt unaufgeregt entgegen:</p>
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<p>Es wird oft &uuml;bersehen, dass die deutsche Stabilit&auml;tskultur kein Monster ist. Sie ist in Wirklichkeit eine sehr viel weniger grausame Alternative zum chinesischen oder amerikanischen Modell. Sie gr&uuml;ndet auf dem Respekt f&uuml;r Gewerkschaften, an vereinbarten Ma&szlig;nahmen gegen Standortverlagerungen und hohen Geh&auml;ltern.</p></blockquote>
<p>Und auch <a target="_self" href="http://www.slate.fr/story/46773/france-allemagne-sortie-crise"><em>Slate</em> in Paris sah</a> &quot;Deutschlands Hand klar zur Euro-Rettung ausgestreckt&quot;. Die Pl&auml;ne einer Fiskalunion und die damit verbundene Abgabe der Haushaltssouver&auml;nit&auml;t an Br&uuml;ssel seien kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil:</p>
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<p>Angela Merkels Ideen w&auml;ren ein Meilenstein in der europ&auml;ischen Einigung. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass alle 27 mitmachen wollen, aber die Deutschen warten vor allem auf eine Antwort aus Paris. Zweimal schon, 1994 und 2000, haben sie radikale Fortschritte in der Integration vorgeschlagen. Zweimal hat Paris nicht geantwortet. <em>(cl)</em></p></blockquote>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/109323282_490.jpg" length="43831" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 02 Dec 2011 16:13:19 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Euro-Zone im Ramschladen"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1216601-auslese-euro-zone-im-ramschladen</link><description><![CDATA[<p><strong>Angela Merkel mag in Sachen EZB und Eurobonds hart bleiben &ndash; ihre Haltung wird quer durch die europ&auml;ische Presse angefeindet. &ldquo;Unsolidarisch&rdquo;, schimpft <em>La Repubblica</em>, &ldquo;Europas 5. Selbstmord gleich&rdquo;, so <em>Slate</em> in Frankreich, und der Euro, &ldquo;eure goldene Ganz stirbt auf euch&rdquo;, prophezeit der portugiesische <em>P&uacute;blico</em>.</strong></p>
<p>Wie weit die W&ouml;rter &ldquo;Krieg&rdquo; und &ldquo;Euro-Krise&rdquo; auseinander liegen mag der Leser kaum vermuten, f&uuml;hrt er sich die diesw&ouml;chigen Kommentare zu Europas Dauerkrise zu Gem&uuml;te. Schon i<a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/anatolekaletsky/article3235103.ece">n der ehrw&uuml;rdigen Londoner <em>Times</em> greift ein frustrierter europhiler Anatole Kaletsky</a> zur rhetorischen Waffe und er&ouml;ffnet seinen Kommentar mit:</p>
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<p>Wenn Clausewitz Recht hat und Krieg die Weiterf&uuml;hrung von Politik mit anderen Mitteln ist, so ist Deutschland wieder im Krieg mit Europa &ndash; wenigstens in dem Sinne, als deutsche Politik in Europa charakteristische Kriegsziele zu erreichen versucht &ndash; die Verschiebung internationaler Grenzen und die Unterwerfung fremder V&ouml;lker.</p></blockquote>
<p>Solch schweres Gesch&uuml;tz kommt aber nicht nur von der Insel. In Paris zieht Frankreichs Schwergewicht-Denker, der &Ouml;konom, Mitterrand- und Sarkozy-Berater <a target="_self" href="http://%E2%80%A8http://www.slate.fr/story/46507/allemagne-cinquieme-suicide-europeen-attali">Jacques Attali, ebenfalls die ganz gro&szlig;e Bilanz</a> &ndash; und l&auml;uft daf&uuml;r in Verdun los: nach 1914, 1919, 1933 und 1936 drohe 2011: &ldquo;Europas 5. Selbstmord&rdquo;.</p>
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<p>Deutschland und Frankreich waren, einer nach dem anderen, im letzten Jahrhundert vier Mal in der Situation, wo sie durch absurde oder besch&auml;mende Entscheidungen Europa in ein Ruinenfeld verwandeln konnten. Und sie taten es. [&hellip;] Heute ist es wieder an Deutschland, in seiner Hand die Waffe zum kollektiven Selbstmord des fortschrittlichsten Kontinents der Welt zu halten. Wenn es sich weigert, den engen Weg zu beschreiten, der zwischen den St&uuml;tzungsk&auml;ufen der EZB, der Ausgabe von Eurobonds und einer Vertrags&auml;nderung im Sinne einer leichteren Sanktionierung der Laxheit der einen und dem Egoismus der anderen verl&auml;uft, dann kommt die Katastrophe.</p></blockquote>
<p>Besagten Weg w&uuml;nscht man sich auch in Italien Le Repubblica. Berlin sei unsolidarisch, <a target="_self" href="http://%E2%80%A8http://www.repubblica.it/economia/2011/11/24/news/la_deriva_tedesca-25499544/?ref=HREA-1">schreibt die Tochter von EU-Gr&uuml;ndungsvater Altiero Spinelli, die Kommentatorin Barbara Spinelli </a>in all dem vom Vater geerbten Europafieber:</p>
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<p>Die Art und Weise wie Deutschland die EU lenkt wird immer absonderlicher. [...] Das Verwirrende an der Strategie der Merkel-Regierung ist eine Idee, die sich in der Krise eingenistet hat. Es handelt sich eher um eine Ideologie, die ihre Wurzeln tief in der nationalen Wirtschaftskultur hat und auf die Zeit zwischen den Weltkriegen zur&uuml;ckgeht. Es ist die sogenannte &quot;Haus in Ordnung&quot;-Doktrin, laut der ein Staat erst vor seiner eigenen T&uuml;r kehren muss, bevor er auf internationale Kooperation und Solidarit&auml;t z&auml;hlen kann. In den Augen der dogmatischsten Verfechter dieser Doktrin dienen internationale Instanzen wir die supranationale EU nicht dazu, gemeinsame Politik zu beschlie&szlig;en: Eher kontrolliert man sich dort gegenseitig, dass jeder auch seine Hausaufgaben gemacht hat.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.irishtimes.com/newspaper/opinion/2011/1124/1224308051374.html">Dem h&auml;lt in Dublin die <em>Irish Times</em> entgegen</a>, der deutsche Widerstand in der EZB-Frage habe nichts mit blo&szlig;em Moralisieren zu tun, sondern mit dem Bed&uuml;rfnis, die Grundlage der Einheitsw&auml;hrung zu verteidigen.</p>
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<p>Berliner Hinterstra&szlig;en sind voll von Tr&ouml;dell&auml;den, die unter dem Gewicht schwerer Eichenm&ouml;bel knarzen. Zwischen Kleiderschr&auml;nken und Tischen findet sich oft ein D&ouml;schen mit Familienfotos und vergilbten Banknoten der Deutschen Reichsbank mit Nennwerten von 50 oder 100 Millionen Mark. F&uuml;r einen Au&szlig;enstehenden sind diese Geldscheine Retro-Monopoly-Geld; f&uuml;r Deutsche sind sie der papierene Beweis daf&uuml;r, wie die Hyperinflation zwei Mal im letzten Jahrhundert durch ihre Wirtschaft w&uuml;tete, Wohlstand ausl&ouml;schte und Leben zerst&ouml;rte. [...] Deutscher Widerstand dagegen, dass die EZB in ihrem Keller Stapelweise wertlose Staatsanleihen hortet, kommt von der realen Angst, dass die Euro-Zone in einem Berliner Ramschladen enden wird, als ein D&ouml;schen, vollgestopft mit 50-Millionen-Euro-Scheinen.</p></blockquote>
<p>In London <a target="_self" href="http://www.guardian.co.uk/business/nils-pratley-on-finance/2011/nov/23/eurozone-crisis-two-charts-frighten-angela-merkel">&uuml;berlegt der <em>Guardian</em></a>, ob Deutschlands entt&auml;uschende Anlagenausgabe diese Woche wohl Angela Merkels Widerstand in der EZB-Frage brechen wird.</p>
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<p>Es ist denkbar, dass Merkel ihre Skrupel runterschluckt und der EZB erlaubt als Gl&auml;ubiger der letzten Chance freigelassen zu werden. Aber es k&ouml;nnte auch sein, dass die deutsche Politik eher zu dem R&uuml;ckschluss tendiert, dass die Krise jetzt so ernst ist, dass die Kosten f&uuml;r die Euro-Rettung zu happig sind. Erwarten Sie keine schnelle Antwort, dass ist nicht Merkels Stil. Kein Wunder, dass der Euro auf den Finanzm&auml;rkten ordentlich einen &uuml;bergezogen kriegt.</p></blockquote>
<p>Angesichts von Merkels m&auml;&szlig;igen Tempo <a target="_self" href="http:// http://www.elpais.com/articulo/internacional/Momento/Mister/Bean/elpepiint/20111122elpepiint_6/Tes">f&uuml;hlt sich <em>El Pa&iacute;s</em></a> an die eben abgew&auml;hlte Zapatero-Regierung erinnert, als diese die Existenz einer Krise in Spanien schlicht geleugnet habe.</p>
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<p>Berlins argloser Tonfall ist dem der sozialistischen Regierung 2008/2009 gef&auml;hrlich nahe. Die zu Verzweiflung bringende deutsche Langsamkeit, mit der es bei der Suche nach einer angemessenen Krisenl&ouml;sung vorangeht, hat viel, viel zu viel, mit einer doppelten Leugnung zu tun: [Die Deutschen] leugnen das Ausma&szlig; der Probleme ihres eigenen Bankensektors und sie leugnen die gemeinen Folgen ihrer tugendhaften Konsum-, und Au&szlig;enhandels&uuml;berschusspolitik innerhalb der europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion.</p></blockquote>
<p>Im Euro-freien Polen steht die Zusammenarbeit mit Deutschland dagegen in einem anderen Licht. <a target="_self" href="http://uwazamrze.pl/2011/11/18771/marsz-na-wschod/">Die Wochenzeitung <em>Uważam Rze</em> analysiert</a> ganz ohne G&auml;nsehaut die Ausbreitung deutscher &quot;Softpower&quot; Richtung Osten.</p>
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<p>Die weiten Gebiete &ouml;stlich von Oder und Nei&szlig;e sind f&uuml;r wirtschaftliche und politische Expansion ge&ouml;ffnet worden, von ganz friedlichen Deutschen in Designer-Anz&uuml;gen. Sie holen hochqualifizierte Experten, die in Universit&auml;ten und gro&szlig;en Labors an der Macht und dem Ruhm deutscher Technologie arbeiten. [...] Alle haben was davon.</p>
<p>In der Politikwissenschaft wird das 20. Jahrhundert manchmal als die Zeit der 'Pax Americana' bezeichnete, was hei&szlig;t, dass die Beziehungen und die Normen der Friedenspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern arrangiert wurden. Wird das 21. Jahrhundert das der 'Pax Germanica' f&uuml;r Mittel- und Osteuropa sein? Wenn dem so ist, dann haben wir einen klassischen Fall von Ironie der Geschichte.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/img_0637490.jpg" length="63445" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 25 Nov 2011 17:39:03 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Berlin muss mehr Flexibilität zeigen"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1186271-auslese-berlin-muss-mehr-flexibilitaet-zeigen</link><description><![CDATA[<p><strong>Nicht nur Volker Kauders deutschsprechendes Europa, auch die Furcht vor einem Zweiklassen-Euro sorgen f&uuml;r Protest in der Presse. Schluss mit Stammtisch in Europa, fordert der Guardian. &ldquo;Nicht die PIIGS verrotten lassen&rdquo;, ruft Il Sole.</strong></p>
<p>Ohne &Uuml;berraschung kam Volker Kauders &ldquo;Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen&rdquo; als schallendes Echo von der britischen Insel zur&uuml;ck. Die<em> Daiy Mail</em> hob den Satz auf ihren Titel, h&auml;ngte den obligatorischen Goebbels-Verweis im Innenteil an, und setzte am Donnerstag mit einem &ldquo;Wir haben allen Grund uns vor herrschs&uuml;chtigen deutschen Stiefeln zu f&uuml;rchten&rdquo; noch einen drauf. </p>
<p><a target="_self" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/nov/13/nick-cohen-germany-role-eurozone )">Der <em>Observer</em> schlug die Gegenrichtung</a> ein und rief Deutschland dazu auf, endlich seine Vergangenheit und &uuml;berholten Schuldgef&uuml;hle abzustreifen, um die Verantwortung zu &uuml;bernehmen, die ihm zustehe.</p>
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<p>Das Problem mit Deutschland ist weniger, dass es eine energische Macht ist, sondern, dass es nicht energisch genug ist. Es glaubt, harte Entscheidungen vermeiden zu k&ouml;nnen und mit einem fehlgeschlagenen Wirtschaftssystem weitermachen zu k&ouml;nnen, dass seinen Interessen dient, auch wenn dieses System die Eurozone in ein Gef&auml;ngnis f&uuml;r die V&ouml;lker Europas verwandelt und diese zu ewiger Sparpolitik verurteilt.</p></blockquote>
<p>Immer noch auf der Insel <a target="_self" href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/nov/16/cameron-vision-europe-merkel">findet Timothy Garton Ash die Presse zwar peinlich</a> und die Europavisionen seines Premiers kl&auml;glich. Aber auch er meldete, von &ldquo;Kauderwelsch&rdquo; zu &ldquo;kaudern&rdquo; sei es nur ein kleiner Schritt, was wiederum die Sprache bezeichne, die zu sp&auml;terer Stunde an Stammtischen anzutreffen sei, und die auf Europas politischer B&uuml;hne nichts zu suchen habe.</p>
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<p>Dieser Ton w&auml;re schon unangenehm genug, w&auml;ren die deutschen Politikrezepte zu 100 Prozent richtig. Sie sind es aber nicht. Sie sind es zu 70 Prozent &ndash; was in einer Welt panischer M&auml;rkte ganz schnell 100 Prozent falsch werden kann. [...] Praktisch jeder Wirtschaftsexperte au&szlig;erhalb Deutschlands sagt, dass Berlin, wenn es die Eurozone retten will, mehr Flexibilit&auml;t in der Frage der EZB und ihrer potentiellen Unterst&uuml;tzung strauchelnder Regierungen zeigen muss.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.guardian.co.uk/business/2011/nov/15/eurozone-crisis-germany-larry-elliott">Auch der Kollege im <em>Guardian</em> wartet darauf</a>, &ldquo;dass der Pfennig in Berlin f&auml;llt&rdquo;, und hat bereits eine Ahnung, wohin der Hase l&auml;uft.</p>
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<p>In den Kulissen munkelt man, Merkel sei daf&uuml;r, der EZB das Anwerfen der Gelddruckmaschine zu erlauben, aber sie ist noch nicht bereit, das laut zu sagen.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/news-brief/1176881-ex-empire-nervt-den-kontinent"><em>Le Monde</em> sorgte sich</a> um die Spannungen, die das Paar &ldquo;Merkozy&rdquo; mit seinen &ldquo;Lektionen&rdquo; bei den Nachbarn hervorruft. Merkel/Sarkozy sei aber immer noch vertrauenerweckender als Merkel/Cameron. Wenn es um L&ouml;sungen f&uuml;r die Krise gehe, k&ouml;nne das deutsch-franz&ouml;sische Paar trotz seiner Unvollkommenheit nicht umgangen werden.</p>
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<p>Das sagen &uuml;brigens auch die Deutschen, die nicht allein auf dem Pilotensessel sitzen wollen. M&uuml;sste sich Deutschland n&auml;mlich auf seine britischen Kollegen verlassen, k&ouml;nnte es auch gleich aufgeben. London hat sich gegen einen Beitritt zur Eurozone entschieden, will aber mitreden.</p></blockquote>
<p>Rum&auml;niens TV-Mann f&uuml;r Europafragen f&uuml;hrte die Personaldebatte zu ihrem konsequenten Ende und <a target="_self" href="http://www.dilemaveche.ro/sectiune/ce-lume-traim/articol/oscaruri-ar-fi-sa-dau">verteilt in <em>Dilema Veche</em> Oscars</a>:</p>
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<p>F&uuml;r den besten Hauptdarsteller kommen wir an dem Paar Merkel/Sarkozy nicht vorbei, f&uuml;r ihre beachtliche Leistung in dem Horrorstreifen &lsquo;2011, die Haushaltsodyssee&rsquo;. Beide zeigen eine Freiheit von jeglicher Vision, und zwar mit unglaublicher Energie. [...] Irgendwo, zur&uuml;ckgezogen, w&uuml;rde Cameron eine Ehrung als Statist verdienen. Er ist so abwesend, dass man nicht glauben m&ouml;chte, er spiele wirklich mit.</p></blockquote>
<p>Auch ABC in Madrid kam auf den Leipziger CDU-Parteitag zu sprechen und fand zum Festhalten Angela Merkels Europa-Bekenntnis.</p>
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<p>Aber gerade jetzt hat sie ungef&auml;hr dieselbe Vorstellung von der Lage der EU in sechs Monaten wie ein spanischer Arbeitsloser, ein griechischer Bauer, eine d&auml;nische Hausfrau oder ein Dreher von Daimler Benz. [...] Sollte es einen Weg aus der Krise ohne Katastrophe geben, dann wird Merkel gest&auml;rkt aus ihr hervorgehen und &lsquo;dem neuen Zeitalter&rsquo; ihren Stempel aufdr&uuml;cken k&ouml;nnen. Sollte es traumatisch werden, wird es einen langen Neuorganisierungsprozess in einem zerbrochenen Europa geben. Darum setzt Merkel alles auf eine Karte. Die Euro-Rettung. Auch wenn ein Land dabei hinten runter f&auml;llt.</p></blockquote>
<p>Das Aufspalten der Eurozone in eine &ldquo;schwache&rdquo; und eine &ldquo;starke&rdquo; W&auml;hrungsunion sei allerdings nicht dir L&ouml;sung, <a target="_self" href="http://www.ilsole24ore.com/art/commenti-e-idee/2011-11-17/moneta-forti-colpirebbe-germania-081411.shtml?uuid=Aaa1aFME">riet in Mailand das Wirtschaftsblatt <em>Il Sole</em> und rechnete den Schaden vor</a>.</p>
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<p>Deutschlands gr&ouml;&szlig;ter Fehler w&auml;re es, sich in seinem Elfentbeinturm einzusperren und das Projekt von Euroland scheitern zu lassen, und sei es nur, indem es die &lsquo;faulen &Auml;pfel&rsquo; PIIGS verrotten lie&szlig;e. [...] Eine &lsquo;neue Mark&rsquo; oder ein &lsquo;Euro der Starken&rsquo; w&auml;re ein sicherer Hafen wie der Schweizer Franken und w&uuml;rde in schwindelnde H&ouml;hen schie&szlig;en, Exporte abw&uuml;rgen und Preise senken. Die neue Zentralbank w&auml;re gezwungen, in einem Wettlauf mit den M&auml;rkten die Wechselkurse zu blockieren, w&auml;hrend die Handelspartner kurzfristig von einer besseren Wettbewerbsf&auml;higkeit profitieren w&uuml;rden.</p></blockquote>
<p>Laut Simulationen der Bank HSBC&nbsp; w&auml;re der &rdquo;Starke Euro&rdquo; unter Teilnahme Frankreichs 1,65 Dollar wert, weit &uuml;ber der deutschen Schmerzgrenze von 1,40, und der &ldquo;Resteuro&rdquo; 1,05 Dollar. &ndash; Am Ende h&auml;tte niemand damit gewonnen, so <em>Il Sole</em>. <em>(cl)</em></p>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.welt.de/politik/article751589/Merkel_ist_stinksauer_auf_Kauder.html" target="_self"><em>Die Welt</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/merkel-kauder_490.jpg" length="32114" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 18 Nov 2011 18:47:01 +0100</pubDate></item>
<item><title>"Europa zerbricht im Kopf"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1137151-europa-zerbricht-im-kopf</link><description><![CDATA[<p><strong>Folge des angek&uuml;ndigten griechischen Referendums? Demokratie und der W&auml;hler r&uuml;cken ins Interesse der europ&auml;ischen Presse. &ldquo;Die Deutschen haben auch ein Recht auf ein Referendum&rdquo;, schreibt die <em>Times</em>. Schluss mit St&auml;nkerei zwischen Nationen, fordert <em>Le Figaro</em>.</strong></p>
<p>&ldquo;Platz oder raus!&rdquo;, so sieht in Paris <em>Mediapart</em> die Alternative, vor die Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Cannes den griechischen Regierungschef gestellt haben. In Europas Presse wurde das geplante Referendum in Griechenland als Niederlage der Krisenpolitik der letzten Monate eingestuft &ndash; und von den D&auml;chern gerufen.</p>
<p>Der <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1123011-europaeer-disko">Cartoonist im <em>International Herald Tribune</em> sieht in Europas Politik-Elite</a> nur noch ein eine hysterische Party-Meute. Die fl&auml;mische Tageszeitung <a target="_self" href="http://  http://www.demorgen.be/dm/nl/2462/Standpunt/article/detail/1342893/2011/11/03/Zenuwachtig.dhtml"><em>De Morgen</em> vergleicht </a>Angela Merkel und Nicolas Sarkozy dagegen...</p>
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<p>mit kleinen Hunden, die vor den &ldquo;Nerv&ouml;sen M&auml;rkten&rdquo; Schwanz wedeln und den b&ouml;sen Griechenmann von seinem Vorhaben abbringen wollen. Damit die M&auml;rkte sich beruhigen. Der griechische Volksentscheid ist vielleicht nicht die beste Idee. Aber die Demokratie auf den Willen von Politikern zu beschr&auml;nken, deren Handlungsmacht nicht &uuml;ber die Umsetzung von Diktaten &ldquo;Nerv&ouml;ser M&auml;rkte&rdquo; hinausgeht, ist ein noch schlimmeres System.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.mediapart.fr/journal/international/031111/europe-trois-acteurs-trois-echecs"><em>Mediapart</em> will auch ein paar Namen klingen lassen</a> und identifiziert drei Verantwortliche im Euro-Dilemma: Giorgos Papandreou, Nicolas Sarkozy, Angela Merkel, &ldquo;drei Akteure, drei Niederlagen&rdquo;, titelt die Zeitung. Folgt die lange Fehlerliste, beginnend mit Papandreou &ldquo;fader Erbe einer der zwei griechischen Dynastien, die sich seit 35 Jahren die Macht teilen&rdquo;, und dessen Legitimit&auml;t fast mit Amtsantritt schwand. Nicolas Sarkozy, der seine starke Position in Europa bei Mandatsbeginn vor allem dazu einsetzte, um Europa zu schw&auml;chen, mit Hermann Van Rompuy, Jos&eacute; Manuel Barroso und Catherine Ashton drei blasse Gestalten an die Spitze der Union stellte, und alles auf die deutsch-franz&ouml;sische Karte setzte &ndash; nur um hier jedes Mitspracherecht zu verlieren. Und schlie&szlig;lich Angela Merkel, die zu ihrer ersten Priorit&auml;t die hochheilige Stabilit&auml;t des Euro erkl&auml;rte, und dann erst an Solidarit&auml;t mit den Griechen dachte.</p>
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<p>Was f&uuml;r eine Vision hat Deutschland heute von der EU? Die eines starken Binnenmarktes, nat&uuml;rlicher Absatzmarkt seiner Exporte, und mit einer starken W&auml;hrung: die des Europa von vor drei&szlig;ig Jahren, vor der Euro-Schaffung, vor der Erweiterung auf 27. Denn &uuml;ber das 'historische' Mitglied Griechenland wird allen Anw&auml;rterl&auml;ndern eine Nachricht geschickt: Ihr Beitritt wird zu deutschen Bedingungen stattfinden, oder gar nicht.</p></blockquote>
<p>&ldquo;Allerdings greift die intergouvernementale Chef-Zentrierung mit deutscher Grundierung die Grundfesten der europ&auml;ischen Integration an&rdquo;, <a target="_self" href="http://derstandard.at/1319181853317/Neue-Governance-fuer-Europa-Europas-neue-Bosse">h&auml;lt der Wiener <em>Standard</em> dagegen</a>.</p>
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<p>Diese Krisenfolge k&ouml;nnte l&auml;ngerfristig f&uuml;r die EU zerst&ouml;rerischer wirken als die Krise selbst &ndash; was auch im deutschen Interesse nicht ist.</p></blockquote>
<p>Verst&auml;ndlicherweise sind deutsche W&auml;hler ver&auml;rgert, wenn sie in griechischen Zeitungen als Nazis dargestellt werden, <a target="_self" href="http://blogs.telegraph.co.uk/news/danielknowles/100114906/germany-must-learn-from-its-history-and-forgive-greece/">merkt der <em>Daily Telegraph</em> an</a>. Schlie&szlig;lich arbeiteten sie mehr Jahre, in h&auml;rteren Jobs und bek&auml;men kaum denselben Lohn wie vor 10 Jahren. Verst&auml;ndlich, dass sie ihre Ersparnisse nicht den Griechen opfern wollten. Blo&szlig; hilft das nichts.</p>
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<p>Eines ist nicht zu vergessen. Gl&auml;ubiger brauchen Schuldner. Oder, um jemand anderen zu zitieren: Wenn du der Bank 100 Dollar schuldest, dann hast du ein Problem. Wenn du der Bank 100 Millionen Dollar schuldest, dann hat die Bank ein Problem. Die Deutschen k&ouml;nnen nicht in Griechenland einfallen und kostenlos Urlaub auf den Inseln machen. Sie k&ouml;nnen nicht Kreta &uuml;bernehmen und es zu einem Bundesland erkl&auml;ren. Sie m&uuml;ssen akzeptieren, dass Griechenland nicht zahlen kann, und dass die einzige Alternative zu Deutschlands finanziellem Einspringen die Katastrophe ist.</p></blockquote>
<p>&ldquo;Deutschlands &Auml;ngste sind genauso gef&auml;hrlich wie Griechenlands Fehler&rdquo;, <a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/camillacavendish/article3214536.ece">gibt in London die <em>Times</em> dazu</a>, die Europa von Pyrrhussieg zu Pyrrhussieg eilen sieht. Wie seit Monaten fordert das Blatt aus London, den Rettungsfonds mit mehr Schubkraft und die EZB endlich als echten Kreditgeber auszustatten. Auch gegen Deutschlands Willen. Denn:</p>
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<p>Erinnerungen an Weimar haben die Antwort von Angela Merkels Regierung auf die Krise tief gepr&auml;gt. Aber in seiner Angst vor Inflation und Schubkarren voll wertlosen Papiers, die durch die Stra&szlig;en rollen, hat Berlin die verheerenden Folgen von zu harter Sparpolitik ignoriert. [&hellip;] Deutschlands derzeitiges Verhalten erlegt Griechenland, Italien und Spanien Deflation auf. Und die Geschichte lehrt uns, dass Demokratien nur selten eine Deflation &uuml;berleben.</p>
<p>Deutsche W&auml;hler k&ouml;nnten mit Recht ein eigenes Referendum dar&uuml;ber fordern, ob mit ihrem Steuergeld die Mittelmeerl&auml;nder gerettet werden d&uuml;rfen. Aber sie m&uuml;ssen sich auch bewusst sein, dass sie vom Euro enorm profitiert haben. Wenn Giorgos Papandreou die Deutschen dazu bringt, ihre Politik neu zu &uuml;berdenken, dann k&ouml;nnten sich Europas Aussichten verbessern. Die Demokratie sollte nicht Opfer dieser Krise werden.</p></blockquote>
<p>Im <em>Figaro</em> schlie&szlig;lich greift einer von Frankreichs Nationalphilosophen in die Debatte ein. Seine Analyse: Die Kurzfristigkeit politischer Prozesse mit ihren Ger&uuml;chten und erh&ouml;hter Unsicherheit stehe am Anfang des ganz gro&szlig;en &Uuml;bels, schreibt Andr&eacute; Glucksmann und schwingt sich hinauf zu einem Pl&auml;doyer auf die ideologische Selbstverteidigung des modernen Europa:</p>
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<p>Mal macht man sich &uuml;ber den Hedonismus &agrave; la 'Club Med' der s&uuml;deurop&auml;ischen Zikaden lustig, mal &uuml;ber die sture Gef&uuml;hlsk&auml;lte der lutherischen Ameisen. Seht her! Man will sogar glauben, dass die &Uuml;berlegenheit des deutschen Modells von der unnachahmbaren Disziplin einer germanischen Seele kommt. Zu einfach! Die Effizienz des deutschen Wirtschaftsmodells speist sich aus sozialen Entscheidungen, sp&auml;testens seit Bad Godesberg ist der Klassenkampf nicht mehr von der Partie. [...] Zwischen Nord- und S&uuml;deuropa streiten nicht zwei politische Strategien, oder spirituelle Optionen, sondern zwei Gesellschaftsmodelle. [...]</p>
<p>Erinnern wir uns, dass die EU, die sich langsam aus dem Eisernen Vorhang heraussch&auml;lte, drei Willensbekundungen respektierte: Antifaschismus, Antikommunismus, Antikolonialismus. Das Ursprungsprogramm droht jetzt ins Vergessen zu geraten, wenn [ein Gerhard Schr&ouml;der] sich mit Putin einl&auml;sst, oder wenn man mobil macht gegen seinen Nachbarn, den T&uuml;rken, den Maghrebiner, den Roma. Das Gef&auml;lle ist gef&auml;hrlich und bringt einen Italiener dazu, einen Deutschen anzuklagen, einen Deutschen, einen Griechen zu versto&szlig;en, einen Griechen, sich gegen ganz Europa zu erheben und einen Franzosen, die ganze Welt zu entglobalisieren und die Maginot-Linie neu zu erfinden. Unser vergessliches Europa bricht nicht so sehr in seiner Wirtschaft zusammen, sondern in seinem Kopf.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>
<p>Foto: <a target="_self" href="http://elysee.blog.lemonde.fr/2011/11/02/les-conditions-de-sarkozy-a-papandreou/"><em>Le Monde</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/papandreou_sarkozy_merkel490.jpg" length="42297" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 04 Nov 2011 16:20:58 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Merkel macht, was sie will"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1111281-auslese-merkel-macht-was-sie-will</link><description><![CDATA[<p><strong>Der Schicksalsgipfel ist geschafft. Aber in Europas Presse kehrt keine Ruhe ein. &ldquo;Rettungspaket voller deutscher Panzer&rdquo;, packt <em>Eleftherotypia</em> furchtlos auf die Titelseite. &ldquo;Die deutsche Vorherrschaft solle Europa zu ehrgeizigen Projekten anhalten&rdquo;, h&auml;lt <em>Le Figaro</em> dagegen.</strong></p>
<p>Angela Merkel stand diese Woche im Mittelpunkt als Frau &quot;die den Euro retten soll&quot;, aber bitte nicht mit der Brechstange. Mal blickte sie, mal stierte sie, mal l&auml;chelte von den Titelseiten. <a target="_self" href="http://www.lemonde.fr/m/article/2011/10/21/super-merkel-fragile-angela_1591430_1575563.html"><em>Le Monde Mag</em> titelte</a>: &quot;So stark, so schwach: Ein Paradox namens Merkel&quot;, und erkl&auml;rte in seinem &quot;Portr&auml;t einer Deutschen mit dem R&uuml;cken zur Wand&quot;, warum Merkel, deren Bilanz jeden anderen Regierungschef vor Neid erblassen lie&szlig;e, deren internationaler Ruf eher schmeichlerisch sei, in der Heimat kritisiert w&uuml;rde wie nie zuvor.</p>
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<p>Sie denkt erst wirtschaftlich und dann politisch, denn sie kommt aus dem Osten und ist nicht in der Kultur der europ&auml;ischen Einigung aufgewachsen, die Deutschland immer bef&auml;higte, sich politisch allen seinen europ&auml;ischen Nachbarn anzun&auml;hern. Ich glaube nicht, dass sie &uuml;ber ihren Platz in den Geschichtsb&uuml;chern nachdenkt. Der Vorteil ist, dass sie weniger anma&szlig;end, weniger arrogant ist. Der Nachteil: Wenn gewichtige Entscheidungen anstehen, z&ouml;gert sie.</p></blockquote>
<p>In Gro&szlig;britannien entpuppt sich Star-Historiker Timothy Garton Ash als begeisterter Beobachter von Parlamentsdebatten, und <a target="_self" href="http:// http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/oct/26/europe-national-debates">berichtet im <em>Guardian</em></a> &uuml;ber seine Zuschauererlebnis in London und Berlin.</p>
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<p>Auf den ersten Blick war der Kontrast wunderbar: lackiertes Holz und gr&uuml;nes Leder auf den B&auml;nken in Westminster gegen den k&uuml;hlen, modern grau-blau segmentierten Plenarsaal des Bundestags; die altmodischen Nadelstreifenanz&uuml;ge, die W&auml;nste und sub-Churchillhaften, pflaumenartigen T&ouml;ne der Euroskeptiker von den Tories gegen die fast farblich gekennzeichneten hellgrau-blauen deutschen Parlamentarier, die ihre charakteristischen langen Lego-S&auml;tze von sich gaben. Beiden aber ging es um Demokratie. [...]</p>
<p>Aber sehen Sie sich zum Beispiel Merkels Satz an. Nachdem sie versp&auml;tet verk&uuml;ndete, dass die Opfer der Menschen in Griechenland den Respekt der Deutschen zollten (sagen Sie das der deutschen Boulevard-Presse) fuhr sie fort, dass die L&ouml;sung der Probleme in Griechenland nicht nur strenge Auflagen erfordere, sondern auch eine permanente &quot;&Uuml;berwachung&quot; in Griechenland. Stellen Sie sich einen Moment vor, wie sich diese deutschen Worte in griechischen Ohren anh&ouml;ren, mit der griechischen Geschichte im Hinterkopf.</p></blockquote>
<p>Bis Athen musste Garton Ash nicht sehen, zu Hause brachte die Boulevardpresse das Blut der Engl&auml;nder ordentlich in Wallung. Der <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/news-brief-cover/1107741-das-horrorszenario-des-daily-express"><em>Daily Express </em>titelte</a> mit seiner Interpretation von Angela Merkels Worten im Bundestag &quot;Scheitert der Euro, scheitert Europa&quot;, das da wird zu: &quot;Deutschland warnt vor Krieg in Europa...</p>
<p>Ansonsten pflichtet der Leser der griechischen Presse Garton Ash bei. In Athen <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/press-review/1102831-das-ist-der-day-fuer-europa">stellte <em>To Ethnos</em> am Vortag des Gipfels fest</a>, Merkels Veto halte ganz Europa auf.</p>
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<p>In Br&uuml;ssel herrscht eine explosive Stimmung. Alles h&auml;ngt von der Position Deutschlands ab. Angela Merkel errichtet eine Mauer zwischen ihrem Land und dem Rest Europas.</p></blockquote>
<p>Und die <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1108221-abhaengig-von-deutschlands-gnade">Kollegen von der <em>Eleftherotypia</em></a> setzten am Folgetag noch einen drauf und titelten: Mit dem &quot;Rettungspaket voller deutscher Panzer&quot; gerieten Griechenland und alle anderen Europ&auml;er unter Berlins Fuchtel.</p>
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<p>Selbst der franz&ouml;sische Pr&auml;sident wird von seiner eigenen Presse daf&uuml;r kritisiert, die deutschen Ansichten zu teilen. Andere EU-Politiker wie der Luxemburger Jean-Claude Juncker sorgen sich um die deutsche Vormachtstellung. Aber all das n&uuml;tzt nichts. Kanzlerin Merkel macht, was sie will. F&uuml;r Griechenland hat sie den Schuldenschnitt von 50 Prozent, sowie tiefgreifende Strukturreformen und die damit unweigerlich verbundenen Sparma&szlig;nahmen durchgesetzt. Das ist die wirkliche Gegenleistung f&uuml;r das Schuldenschnitt-&quot;Geschenk&quot;: Der Sparkurs. [...]</p>
<p>Folglich sind Griechenland und die ganze Eurozone Deutschland ausgeliefert. Wenn wichtige Entscheidungen diskutiert und letztendlich von einem einzigen Land entschieden werden, das niemals nachgibt, legen die anderen zwangsl&auml;ufig den R&uuml;ckw&auml;rtsgang ein. Wenn das so weitergeht und kein anderes Land auch einmal seine Meinung durchsetzen kann, dann kann Europa und ganz speziell den kleinen L&auml;ndern als den schwachen Gliedern der Kette nichts Gutes passieren.</p></blockquote>
<p>Sind die kleinen L&auml;nder also abgemeldet? Auch in Lissabon ist <em>P&uacute;blico</em> nicht mit dem Gipfel zufrieden.</p>
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<p>Der EU-Gipfel, von dem viele meinten, er sei der Schicksalsgipfel in der Eurokrise, hat stattgefunden, aber ohne dass etwas Grundlegendes entschieden worden w&auml;re. Er war ausgeh&ouml;hlt von fehlendem Ehrgeiz und einem konflikttr&auml;chtigen Klima zwischen den Duos Merkel/Sarkozy und Cameron/Berlusconi. Der Gipfel zeigte erneut die Diskrepanz zwischen Europa und seinem Schicksal. 'Jetzt oder nie' hatte die deutsche Kanzlerin am Morgen noch versprochen. Aber hinter den Worten ist die Chefin von Europas politischen und wirtschaftlichen Motor nicht gewillt, einen Penny f&uuml;r die Probleml&ouml;sung zu riskieren.</p></blockquote>
<p>Und w&auml;hrend Cartoonist Steve Bell im <em>Guardian</em> ins <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1108291-die-eu-familie">europ&auml;ische Schlafzimmer</a> schaute, <a target="_self" href="http://www.standaard.be/artikel/detail.aspx?artikelid=J93HD62Q">schrieb die fl&auml;mische Tageszeitung<em> De Standaard</em></a>: Der deutsche Einfluss k&ouml;nne auch als Zeichen daf&uuml;r gesehen werden, dass in ganz Europa derzeit as Mittelma&szlig; herrsche:</p>
<blockquote>
<p>Deutschlands Gewicht in der Europapolitik ist schwerer denn je, sein Einfluss w&auml;chst von Tag zu Tag. [Aber] seit dem Urteil aus Karlsruhe am 7. September ist die Bewegungsfreiheit eines deutschen Kanzlers deutlich eingeschr&auml;nkt. Im Vergleich zu Helmut Kohl ist Merkel ein Mini-Kanzler. Die Tatsache, dass sie trotz all dem die m&auml;chtigste Regierungschefin Europas bleibt, spricht B&auml;nde &uuml;ber Europas derzeitige Schlagfertigkeit.</p></blockquote>
<p>Unabh&auml;ngig davon aber, was in der Folge des Gipfels passieren m&ouml;ge, <a target="_self" href="http:// http://www.presseurop.eu/de/content/press-review/1091341-merkel-hat-die-hosen">schlug sich in Paris <em>Le Figaro</em></a> in den deutschen Windschatten.</p>
<blockquote>
<p>Zwischen Merkels Deutschland und Berlusconis Italien brauchen wir wohl nicht zu z&ouml;gern. Diejenigen, die kritisieren, dass Paris sich angeblich Berlin unterordnet, haben nicht verstanden, wie tief wir in der Krise stecken. [&hellip;] Die deutsche Vorherrschaft ist eines der Elemente der sich abzeichnenden neuen Architektur. Diese soll uns zu ehrgeizigen Projekten motivieren, um Europa neu aufzubauen, Hand in Hand mit Deutschland. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>
<p>Foto: <a href="http://abonnes.lemonde.fr/europe/article/2010/06/07/annulation-de-la-rencontre-sarkozy-merkel-a-berlin_1369163_3214.html" target="_self"><em>Le Monde</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/angela-merkel-et-nicolas-sarkozy490.jpg" length="26834" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 28 Oct 2011 13:17:30 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: Das Merkozy-Duumvirat</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1081021-auslese-das-merkozy-duumvirat</link><description><![CDATA[<p><strong>Angela Merkel und Nicolas Sarkozy sollen am Wochenende den Euro retten. Doch die Kommentatoren in der europ&auml;ischen Presse sind skeptisch: &ldquo;Das glauben wir erst, wenn wir es sehen&rdquo;,&nbsp;unkt&nbsp;der&nbsp;britische <em>Guardian</em>. Mehr als ein Schmunzeln k&ouml;nne &ldquo;Merkozy&rdquo; nicht bringen,&nbsp;bef&uuml;rchtet&nbsp;Genfs <em>Le Temps</em>.</strong></p>
<p>Europa steht wieder vor einem entscheidenden Gipfel. Auf der Tagesordnung steht die Rekapitalisierung der Banken, ein Schuldenschnitt f&uuml;r Griechenland, die Gl&auml;ubigerbeteiligung, die europ&auml;ische Wirtschaftspolitik. Im Zentrum sieht der <em>Guardian</em> dabei eine neue Hauptperson: &ldquo;Merkozy&rdquo;, also die Symbiose aus der deutschen Kanzlerin und dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten. Und dieser Hauptdarsteller m&ouml;ge zwar eine tapfere Miene zur Schau tragen, aber diese Krise sei noch nicht zu Ende, <a href="http://www.guardian.co.uk/business/economics-blog/2011/oct/11/merkozy-germany-france-euro-crisis-strategy" target="_self">schreibt das britische Blatt</a>:</p>
<blockquote>
<p>Die M&auml;rkte fingen sich in der Hoffnung, dass &ldquo;Merkozy&rdquo;, wie einige Witzbolde das kampfbereite F&uuml;hrungsduo aus Deutschland und Frankreich nennen, eine &ldquo;umfassende Strategie&rdquo; zur L&ouml;sung der Schuldenkrise ausarbeiten. Das glauben wir erst, wenn wir es sehen. Seit &uuml;ber einem Jahr wurden Investoren mit dem Auftauchen jedes neuen &ldquo;Plans&rdquo; aufrecht gehalten; aber ihr &Uuml;berschwang w&auml;hrte nicht mehr lange, als die Details ans Tageslicht kamen.</p></blockquote>
<p>Die Merkozy-Formel reiche h&ouml;chstens f&uuml;r ein Schmunzeln, <a href="http://www.letemps.ch/Page/Uuid/46b9ca02-fa92-11e0-a760-6683ab8c34dc/Lalchimie_Merkozy" target="_self">meint auch <em>Le Temps</em> aus Genf</a>. Zu viele Streitpunkte trennten das unfreiwillige Paar. Das Misstrauen in der EU bleibe gro&szlig;.</p>
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<p>Die Liste der Klagen ist bekannt: &Uuml;bertriebene Vorsicht und der fast religi&ouml;se Wille, die schuldbeladenen L&auml;nder und Banken f&uuml;r ihre Fehler b&uuml;&szlig;en zu lassen, bei Merkel; zwanghafte &Uuml;berst&uuml;rzung und eine fragw&uuml;rdige politische Zuverl&auml;ssigkeit bei Sarkozy. Dazu kommt das Gewicht der Zahlen. Sie zeugen von deutschen Opfern und franz&ouml;sischer Unverfrorenheit. [...] Es besteht die Gefahr, dass Berlin und Paris auf dem Weg zu ihrer m&uuml;hseligen Einigung nur ihre internen Interessen ber&uuml;cksichtigen. Oder dass sie zur &Uuml;berwindung ihrer Differenzen einen auf ihre W&auml;hler zugeschnittenen Kompromiss basteln.</p></blockquote>
<p>Und w&auml;hrend der Hauskarikaturist des <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1069631-die-retter" target="_self"><em>Groene Amsterdammer</em> &uuml;ber das ungleiche Paar</a> auf dem Sprungbrett spottet, <a href="http://www.economist.com/node/21532283?fsrc=rss" target="_self">f&uuml;hlt sich der <em>Economist</em></a> schlie&szlig;lich an Gro&szlig;britannien und die USA erinnert. Das schw&auml;chelnde Frankreich umklammere das st&auml;rkere Deutschland, in der Hoffnung, seine Politik mitzugestalten.</p>
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<p>Das Merkozy-Duumvirat nervt so manchen: die Italiener sagen, 'eine globale Krise kann nicht von einer bilateralen Achse gel&ouml;st werden.' Dennoch bleibt der deutsch-franz&ouml;sische Motor &auml;u&szlig;erst wichtig. Heute w&uuml;rde man ihn besser das deutsch-franz&ouml;sische Triebwerk nennen; Oder, besser noch, stellen Sie sich ein BMW-Motorrad mit einem Peugeot-Beiwagen vor; Merkel in Lederkombi, und Sarkozy trottet hinterher. Ein erfahrener Eurokrat dr&uuml;ckte es so aus: die Partnerschaft dient heute vor allem einem: 'Deutschlands St&auml;rke und Frankreichs Schw&auml;che zu verbergen'. [...] Der wahre Test f&uuml;r die Partnerschaft liegt im Inhalt der Reformen [die auf die EU zukommen]. Deutschland wird eine Neuauflage seines f&ouml;deralen Systems mit harter Steuerpolitik und einem m&auml;chtigen Europ&auml;ischen Parlament wollen; die Franzosen einen Spiegel ihrer V. Republik, mit gemeinsamen Eurobonds und viel Macht (und zahlreichen Hinterzimmern) f&uuml;r die Eliten.</p></blockquote>
<p>Ganz realistisch habe das Kanzleramt auch schon die Erwartungen heruntergeschraubt, <a href="http://www.naftemporiki.gr/news/cstory.asp?id=2075555" target="_self">meint die Athener Wirtschaftszeitung <em>Naftemporiki</em></a>.</p>
<blockquote>
<p>Von dem Treffen seien keine Wunder zu erwarten. Die Nachricht aus der deutschen Regierung ist wahrscheinlich der realistischste Ansatz, um die Situation in der Euro-Zone anzugehen. Gleichzeitig wollte sie ein wenig Zeit gewinnen bei den Verhandlungen, die &uuml;ber die Art und H&ouml;he des bevorstehenden Schuldenschnitts. [...] Die deutsche Warnung ist auch Ausdruck der harten Realit&auml;t, dass es wohl kaum einen schmerzlosen Ausweg aus der Krise gibt.</p></blockquote>
<p>Die Kollegen von <em>Kathimerini</em> regen sich dagegen &uuml;ber die &quot;unverbesserlich irrationalen&quot; Griechen auf.</p>
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<p>Genauso besorgniserregend [wie der soziale Aufruhr] sind die eskalierenden Probleme mit Deutschland. Es wird hier wie eine Besatzungsmacht wahrgenommen, der die Griechen Widerstand leisten m&uuml;ssen, wie fr&uuml;her. Vielleicht ist das gr&ouml;&szlig;te Problem aber, dass der 'Rettungsplan', der den aktuellen Stand der Dinge kippen k&ouml;nnte, so kindisch aufgenommen wird.</p></blockquote>
<p>Ohne Angst vor Anachronismus wagt auch der <em>Guardian</em> den Blick in die Geschichte. Simon Jenkins hatte vor einem Monat noch einen <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/sep/22/britain-nazi-obsession-insecurity-history" target="_self">reich kommentierten Artikel &uuml;ber Englands Obsessionen mit Nazi-Deutschland</a> geschrieben, und die Briten dazu aufgerufen, dieses Kapitel nun doch mal abzuschlie&szlig;en. Diese Woche erreicht er den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Godwin%E2%80%99s_law" target="_self">Godwin Point</a> schon in der &Uuml;berschrift: &ldquo;<a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/oct/18/europe-defunct-idealism-munich" target="_self">Europas erloschener Idealismus ist wie die Wiederkehr von M&uuml;nchen</a>&rdquo;, titelt er. Mit Griechenland in der Hauptrolle.</p>
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<p>Nein, es ist nicht Nazi-Deutschland. Aber es sind dieselben endlosen Treffen und angeblichen Abmachungen, die gleiche Hin- und Herfliegerei ins Nirgendwo, die selbe Weigerung, eine Katastrophe anzuk&uuml;ndigen, in der Hoffnung, dass jemand anders die harten Entscheidungen trifft. [...] Diejenigen, die sich unkritisch f&uuml;r den Euro engagierten, machen sich jetzt aus dem Staub. Einige behaupten, nie eine in einer W&auml;hrungsunion aufgehende EU gewollt zu haben. Andere behaupten, dass alles gut w&auml;re, w&auml;re man nur disziplinierter gewesen. Wieder andere pl&auml;dieren, dass so eine Kleinigkeit wie eine Rezession nicht etwas in frage stellen d&uuml;rfe, dem sie ihre Karriere und Idealismus gewidmet haben. Das sind genau die Verhaltensweisen, die zwischen den Kriegen den V&ouml;lkerbund, Locarno und die Peace Pledge Union schufen, diese kollektive europ&auml;ische Idee, dass man den Krieg nur tot reden m&uuml;sse, um ihn wirklich zu verhindern. Dann bewaffnete sich Deutschland neu, und keiner traute sich zu reagieren. Jetzt ist Griechenland bankrott, weitere Staaten wohl auch, und keiner traut sich zu reagieren. Europas Politiker st&uuml;rzen lieber den Kontinent in die Arbeitslosigkeit und verzetteln sich in der Unterst&uuml;tzung eines erloschenen Idealismus. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>SPIEGEL ONLINE</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/merkozy-debriefing-L-fzXu56.jpeg.jpg" length="25597" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 21 Oct 2011 12:48:23 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: Merkels vergifteter Kelch</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1056341-auslese-merkels-vergifteter-kelch</link><description><![CDATA[<p><strong>Deutschland und Frankreich sto&szlig;en in der Euro-Krise auf wenig Sympathie. Der britische <em>Economist</em> spottet &uuml;ber die Protagonisten Merkel und Sarkozy, <em>La Vanguardia</em> z&auml;hlt eine lange Liste der Fehler auf. <em>Revista 22</em> aus Bukarest sieht Berlin in einer Rolle, in der es nie sein wollte.</strong></p>
<p>Die europ&auml;ischen Banken werden wohl eine Finanzspritze bekommen. Das haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy letzte Woche angek&uuml;ndigt. Mehr aber nicht. In London <a href="http://www.economist.com/blogs/freeexchange/2011/10/euro-zone-crisis-1?fsrc=rss" target="_self">spottet der <em>Economist</em></a> &uuml;ber die magere Ausbeute an Konkretem auf dem letzten deutsch-franz&ouml;sischen Zweiergipfel.</p>
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<p>Wenn Angela Merkel und Nicolas Sarkozy auf der Titanic das Ruder in der Hand gehabt h&auml;tten, als der Eisberg auftauchte, dann h&auml;tten sie vermutlich eine Erkl&auml;rung aufgesetzt, die dessen Umschiffung empfahl. Der Fairness halber sollte aber gesagt sein, dass schon allein das Versprechen einer Rekapitalisierung der Banken ein Fortschritt ist; und dass die Einzelheiten festzulegen, nicht so einfach ist.</p></blockquote>
<p>In den USA <a href="http://www.washingtonpost.com/opinions/europes-day-of-reckoning-on-its-financial-crisis-is-at-hand/2011/10/10/gIQAGHnldL_story.html" target="_self">gibt die <em>Washington Post</em> dazu</a>:</p>
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<p>Der Rest der Welt, und dazu geh&ouml;ren auch die Vereinigten Staaten, kann nur hoffen, dass Frau Merkel und Herr Sarkozy wirklich einen Plan haben. Ihr sp&auml;tes Eingest&auml;ndnis, dass Europas Banken elend unterfinanziert sein k&ouml;nnten, ist nicht sehr ermutigend.</p></blockquote>
<p>&ldquo;Schneckentempo!&rdquo; <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1040971-temp" target="_self">h&ouml;hnt auch der Hauskarikaturist des Rotterdamer <em>NRC Handelsblad</em></a>. Aber &ldquo;h&auml;tten Kohl und Mitterrand ihre Sache wirklich besser gemacht?&rdquo;, <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1041411-koennten-kohl-und-mitterrand-das-besser" target="_self">gibt <em>De Volkskrant </em>zu bedenken</a>; Und in Portugal bemerkt das <em>Jornal de Negocios</em>, wenigstens sei jemand da, der handele:</p>
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<p>Solange die 15 L&auml;nder sich weiter verhalten, als steckten sie noch in den Kinderschuhen, und nur das Wort ergreifen, um Merkel und Sarkozy den Missbrauch der Institutionen vorzuwerfen, wird Europa anders nicht vorankommen.</p></blockquote>
<p>Anderswo in Europa druckt die Presse zum Thema Eurokrise wieder seitenweise Analysen und gute Ratschl&auml;ge. In Barcelona <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1045251-europa-vertraegt-keine-fehler-mehr" target="_self">zieht <em>La Vanguardia</em></a> kritisch die Bilanz der W&auml;hrungsunion:</p>
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<p>Der erste Fehler der EU war es, Griechenland der Eurozone beitreten zu lassen. Der zweite Fehler, diesmal aufgrund der Deutschen, war es, die finanziellen Probleme Griechenlands nicht sofort zu beheben, was extrem leicht h&auml;tte sein k&ouml;nnen bei einem Land, welches nur 2 Prozent des BIP der Europ&auml;ischen Union darstellt. Der dritte Fehler &ndash; erneut auf Dr&auml;ngen Deutschlands &ndash; war es darauf zu beharren, Griechenland &uuml;ber einen knallharten Sparkurs sanieren zu wollen, ohne irgendein begleitendes, europ&auml;isches Investitionsprogramm, um das Wachstum anzukurbeln. [...]</p>
<p>Ein neuer gro&szlig;er Fehler, den Deutschland begehen k&ouml;nnte, w&auml;re es, sich heute damit zu begn&uuml;gen, einfach Kapital in &ndash; vor allem franz&ouml;sische und deutsche &ndash; Bankh&auml;user zu pumpen. Die Rekapitalisierung ist notwendig, um eine Katastrophe abzuwenden, aber sie regelt nicht das Hauptproblem der Eurozone, n&auml;mlich das schwache Konjunkturwachstum, welches den Staaten nicht gen&uuml;gend Steuereinnahmen beschert, um Schulden abbauen zu k&ouml;nnen.</p></blockquote>
<p><a href="http:// http://www.elpais.com/articulo/opinion/Alemania/nos/da/gato/liebre/elpepuopi/20111011elpepiopi_12/Tes " target="_self">In <em>El Pais</em></a> wird der Ton sch&auml;rfer. Wirtschaftsprofessor Manuel Sanch&iacute;s i Marco f&uuml;hlt sich &ldquo;von Deutschland betrogen&rdquo;, und regt sich &uuml;ber die Doppelmoral in Europa auf.</p>
<blockquote>
<p>Heute haben wir das Einheitsproblem, dass wir alle L&auml;nder in eine Euro-Zone pressen. Das zwingt die EZB, den Bed&uuml;rfnissen zentraler L&auml;nder (allen voran Deutschland und Frankreich) mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den Peripheriel&auml;ndern. Die Defizitgrenze wurde von den heute tugendhaften Deutschland, Frankreich, Niederlande und &Ouml;sterreich systematisch durchbrochen. [...] Was ist das Problem? Ganz einfach, dass Deutschland und andere zentrale L&auml;nder, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, heute von anderen verlangen, die ihren abzugeben. Die Peripheriel&auml;nder sollen sich anpassen. Letzten Endes sind wir alle Sklaven des Willens, um jeden Preis die Gewinnmargen deutscher Exporteure aufrechtzuerhalten.</p></blockquote>
<p>Denselben Gedanken im Hinterkopf <a href="http://www.ilsole24ore.com/art/commenti-e-idee/2011-10-10/troppo-credito-germania-063852.shtml?uuid=AaXsvdBE" target="_self">pl&auml;diert<em> Il Sole</em></a> in Mailand f&uuml;r einen Richtungswechsel in der EZB-Doktrin. Das Wirtschaftsblatt erinnert unter dem Titel &ldquo;Zuviel Kredit f&uuml;r Deutschland&rdquo; an die deutschen Exportflut in die Peripheriel&auml;nder der Euro-Zone. Wenn das alle t&auml;ten, wie gerne geraten werde, dann g&auml;be es keine Absatzm&auml;rkte mehr. Fazit:</p>
<blockquote>
<p>Im r&ouml;mischen Recht definierte sich das <em>favor debitoris</em> &uuml;ber die Menge der Normen, die n&ouml;tig waren, um ein geeignetes Gleichgewicht zu finden zwischen den Forderungen des Gl&auml;ubigers und der Barmherzigkeit dem Schuldner gegen&uuml;ber. Die heutige Notwendigkeit dieses Gleichgewicht neu zu definieren ist allerdings nicht nur eine Frage der Barmherzigkeit, sondern der Vernunft. Beim aktuellen Stand der Dinge w&uuml;rde ein Festhalten an der Gl&auml;ubigerperspektive nur einer neuen Krise zuarbeiten.</p></blockquote>
<p>Goldrichtig <a href="http://blog.rp.pl/blog/2011/10/10/artur-osiecki-dlaczego-niemcom-zalezy-na-unii/" target="_self">findet</a> den deutschen Weg dagegen <em>Rzeczpospolita</em> in Warschau. Die Zeitung erkl&auml;rt, Deutschland verdiene mit dem gemeinsamen Markt viel Geld. Polen sollte es ihm gleich tun.</p>
<blockquote>
<p>Der &Uuml;berlebenskampf der EU ist f&uuml;r Berlins wirtschaftliche &Uuml;berlegenheit in Europa auch eine Frage von Leben und Tod. Deutschland ist der gr&ouml;&szlig;te Nettozahler des EU-Budgets, Polen einer der gr&ouml;&szlig;ten Empf&auml;nger. Aber nur wenige Menschen wissen, dass von jedem Euro, der aus Br&uuml;ssel nach Warschau kommt, 85 Cent nach Berlin flie&szlig;en. Das ist Gewinnbringend. Wir sollten lernen, wie man Geld z&auml;hlt.</p></blockquote>
<p>Deutschland ist kein tyrannischer Macbeth, es ist eher ein gr&uuml;blerischer Hamlet im Land von Oz, sprich Europa, <a href="http:// http://www.revista22.ro/articol-11582.html" target="_self">ist in der Bukarester Wochenzeitung <em>Revista 22</em> zu lesen</a>.</p>
<blockquote>
<p>Deutschland, das passiv unter amerikanischer Vormundschaft den Kalten Krieg durchlebte, wird jetzt dazu aufgefordert, etwas zu tun und etwas zu sein, was es nie war: der politische (und nicht nur wirtschaftliche) Motor der europ&auml;ischen Integration, der alle Opfer schultert, die eine Transferunion von ihm verlangt; der das europ&auml;ische Projekt in einen wahren Bundesstaat verwandelt, in dem deutsches Gold transferiert wird, und im Gegenzug die Schuldenl&auml;nder Deutschlands Steuerpolitik folgen. Das ist eine revolution&auml;re Alternative, die von einem unrevolution&auml;ren Staate verlangt wird. Und wahrscheinlich ist sie die einzige Alternative. Entweder diese Opfer werden gebracht, oder mit dem Euro geht es zu Ende, und mit ihm Europa, wie wir es kennen. Wen kann es da &uuml;berraschen, dass Angela Merkel diesen vergifteten Kelch weit von sich h&auml;lt. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>
<p>&nbsp;</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Kelch.jpg" length="5813" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 14 Oct 2011 13:21:11 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Eine neue Angela Merkel"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1033891-auslese-eine-neue-angela-merkel</link><description><![CDATA[<p><strong>Angela Merkel hat in Europa vers&ouml;hnliche T&ouml;ne angeschlagen, die in der Presse sofort ein positives Echo finden. Jetzt pl&auml;diere sie geradezu &ldquo;fanatisch&ldquo; f&uuml;r den Rettungsfonds, findet <em>De Standaard</em>, weshahlb man auch nicht mehr &ldquo;gemein&rdquo; zu Deutschland sein m&uuml;sse, empfiehlt der <em>Guardian</em>.</strong></p>
<p></p>
<p>Die Kanzlerin hat ihre europ&auml;ische Ader wiedergefunden, freut sich die Presse. Die Banken wolle sie retten, und Griechenland auch. <a href="http:// http://www.standaard.be/artikel/detail.aspx?artikelid=BO3GB1LF " target="_self"><em>De Standaard </em>aus Br&uuml;ssel staunt</a>:</p>
<blockquote>
<p>Merkel scheint sich von jeglichem Vorbehalt gegen die EU verabschiedet zu haben. Oft hat man ihr ihre z&ouml;gerliche Politik vorgeworfen [...], aber in den letzten Wochen scheint eine neue Angela Merkel aufgestanden zu sein. Sie pl&auml;diert derart fanatisch f&uuml;r den Rettungsfonds, dass einige schon dessen baldige Erweiterung f&uuml;rchten.</p></blockquote>
<p>Die Kollegen von der Regionalzeitung <a href="http://  http://www.frieschdagblad.nl/index.asp?artID=56598" target="_self"><em>Friesch Dagbladet</em> meinen</a>:</p>
<blockquote>
<p>Es erstaunt nicht, dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit einer teilweisen Umschuldung Griechenlands einverstanden w&auml;re, wo sie vor kurzem noch eine hundertprozentige R&uuml;ckerstattung forderte. Schon in der Vergangenheit hat sie bewiesen, das sie f&auml;hig ist, ihre Meinung komplett zu &auml;ndern, wenn die &Ouml;ffentlichkeit es will.</p></blockquote>
<p>Die spanische Regionalzeitung <em>Diario Sur</em> aus M&aacute;laga lobt Merkels Bereitschaft, &uuml;ber eine Rekapitalisierung der europ&auml;ischen Banken nachzudenken.</p>
<blockquote>
<p>Sie bereitet das Finanzsystem auf einen m&ouml;glichen griechischen Zahlungsausfall vor. Damit hat sie Realit&auml;tssinn bewiesen, und die B&ouml;rsen haben positiv darauf reagiert.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.ilsole24ore.com/art/commenti-e-idee/2011-10-06/germania-parla-europeo-082156.shtml?uuid=AaiY4PAE" target="_self">Ebenso <em>Il Sole</em> aus Mailand</a>. Die j&uuml;ngsten Entwicklungen zeigten, dass Deutschlands politische Elite weit europ&auml;ischer sei als ihre Griechenland-Strategie vermuten lasse.</p>
<blockquote>
<p>Die politische Union wird salonf&auml;hig. Merkel legt sie als Richtung aus der Krise vor. Finanzminister Sch&auml;uble schreibt ein enthusiastisches Manifest. Ein F&uuml;nftel der Deutschen hat Migrationshintergrund. Kinderg&auml;rten in Frankfurt und Berlin haben eine Ausl&auml;nderquote von 60 Prozent. Im Herzen Europas und in diesem sozialen Kontext ist es undenkbar, dass identit&auml;re Rhetorik &uuml;ber integrative siegen kann. Gegenseitige Abh&auml;ngigkeit ist eine Tatsache im Leben der B&uuml;rger, deren Jobs zu 50 Prozent vom Au&szlig;enhandel abh&auml;ngen. Wenn die n&auml;chste Regierung ihr Mandat beendet haben wird, dann wird die H&auml;lfte der W&auml;hler niemals eine D-Mark in den H&auml;nden gehalten haben. Welchen historischen Sinn h&auml;tte da die Hypothese, die gemeinsame W&auml;hrung aufzugeben?</p></blockquote>
<p><a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/1017631-alles-ist-moeglich-sogar-ein-energiestoss" target="_self"><em>La Tribune</em> aus Paris dagegen unkte</a>, Deutschland und Frankreich verpassten gerade eine historische Chance, Europa neu zu erfinden.</p>
<blockquote>
<p>Der Intergouvernementalismus ist wieder da. Die Staats- und Regierungschefs stehen direkt am Ruder des neuen europ&auml;ischen Schiffs, allen voran das deutsch-franz&ouml;sische Gr&uuml;ndungstandem. Leider weist letzteres ein paar Funktionsschw&auml;chen auf, wie in den letzten Monaten zu sehen war. Seine Sichtweise ist bald kommunikativ, bald buchhalterisch, selten historisch. Dabei besteht die Chance, Europa neu zu erfinden, tats&auml;chlich.</p></blockquote>
<p>Das k&ouml;nnte an einem Zankapfel liegen, <a href="http://www.letemps.ch/Page/Uuid/0635befe-ef71-11e0-94e8-0c03b7c7bb80/LAllemagne_une_obsession_fran%C3%83%C2%A7aise" target="_self">den <em>Le Temps</em> aus Genf ausfindig macht</a>. &ldquo;Deutschland, eine franz&ouml;sische Obsession&rdquo;, titelt die Zeitung und stellt fest: Seit nunmehr zwei Jahren f&uuml;hrten Frankreichs Politiker pausenlos das deutsche Exempel an, um f&uuml;r eigene politische Entscheidungen zu werben.</p>
<blockquote>
<p>Die j&uuml;ngste Rede [zur Schuldenlage] von Premier Fran&ccedil;ois Fillon war das beste Beispiel f&uuml;r eine fixe Idee, die immer deutlicher ans Tageslicht tritt. Ob sie nun von der Rente reden, von der goldenen Haushaltsregel, dem Steuersystem, dem Ausbildungssystem oder den Mittelstandsunternehmen, immer springen Frankreichs Politiker wie Zicklein von ihren St&uuml;hlen, wenn sie an ihren m&auml;chtigen Nachbarn denken.</p></blockquote>
<p>Konkret umgesetzt w&uuml;rde von s&auml;mtlichen Vorschl&auml;gen, die vermeintlich der Konvergenz mit dem deutschen Nachbarn dienten, jedoch wenig, schreibt <em>Le Temps</em>. 2012 wird in Paris ein neuer Pr&auml;sident gew&auml;hlt. Man kann berechtigt die Frage stellen, &ldquo;ob Nicolas Sarkozy nicht die deutsch-franz&ouml;sische Beziehung instrumentalisiert.&rdquo;</p>
<p><a href="http://www.presseurop.eu/de/content/cartoon/1018181-angela-im-wind" target="_self">Im <em>Guardian</em> gab es diese Woche eine neue Karikatur</a> von Steve Bell mit Angela Merkel in der Hauptrolle. In den <a href="http://www.guardian.co.uk/politics/wintour-and-watt/2011/oct/03/georgeosborne-euro" target="_self">Blogs ist zu lesen</a>, der britische Schatzkanzler George Osborne habe gerade gezeigt, dass &ldquo;jetzt Zeit ist, mit unserer Biestigkeit gegen&uuml;ber Deutschland aufzuh&ouml;ren&rdquo;. Osborne hatte k&uuml;rzlich vor Parteifreunden gespottet, die europ&auml;ischen Nachbarn h&auml;tten sich kopf&uuml;ber in den Euro gest&uuml;rzt, ohne die Folgen zu bedenken.</p>
<blockquote>
<p>Gro&szlig;britannien meint vor den Eurol&auml;ndern schulmeistern zu k&ouml;nnen, weil John Major f&uuml;r sein Land eine Ausnahmeregelung vom Maastricht-Vertrag aushandelte. Aber England war nicht das einzige Land mit Vorbehalten. Der Gro&szlig;teil des deutschen Establishments war sehr skeptisch, als Helmut Kohl mit Fran&ccedil;ois Mitterrand &uuml;ber die groben Umrisse der W&auml;hrungsunion &uuml;berein kam. [...] Deutschland unterschrieb schweren Herzens das, was sp&auml;ter der Euro wurde. [...] Der Euro wurde nicht in &uuml;berst&uuml;rzter Eile aus Liebe geschaffen, sondern in &uuml;berst&uuml;rzter Eile aus Angst.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/article3180880.ece" target="_self">Und in der <em>Times</em> verteidigt</a> die in Deutschland geborene Labour-Abgeordnete Gisela Stuart: Trotz aller &lsquo;Geschenke&rsquo; bekomme Deutschland keinen Dank.</p>
<blockquote>
<p>Diese Krise ist zu gro&szlig;, auch f&uuml;r Deutschlands tiefe Taschen. Eine zunehmende Zahl deutscher Steuerzahler zweifelt an der Weisheit ihrer Politiker. Aber ihre Meinung wird von ihren Volksvertretern kaum widergespiegelt. [...] Die W&auml;hrungsunion zusammenzuhalten, erfordert Transfers. Das hei&szlig;t, Transfers von Deutschland bis in alle Ewigkeit. Letzten Endes wird das die Wirtschaft ruinieren. [...] Wann werden die politische Eliten auf das reagieren, was ihre W&auml;hler schon lange wissen: dass sie im Namen Europas in eine Sackgasse gef&uuml;hrt werden?</p></blockquote>
<p><em>(cl)</em></p>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>
<p>Cartoon: Faber</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/FABER_1.jpg" length="50996" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 07 Oct 2011 16:13:05 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Die Deutschen kämpfen mit Nationalneid"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/1008801-auslese-die-deutschen-kaempfen-mit-nationalneid</link><description><![CDATA[<p><strong>Europas Parlamente winken dieser Tage den erweiterten Rettungsfonds f&uuml;r den Euro durch. In der Presse &ndash; zunehmend auch in der amerikanischen &ndash; ist die Rolle Deutschlands mal wieder das gro&szlig;e Thema. Schluss mit &ldquo;populistischer Sensationsmoral&rdquo;, fordert der <em>Irish Independent</em>, Deutschland sei zu sehr Apollo und zu wenig Dionysos, meint die <em>New York Times</em>. </strong></p>
<p>Das Bundestagsvotum zum erweiterten Rettungsfonds erh&auml;lt heute morgen viel positives Echo: &ldquo;Merkels Salami-Strategie zahlt sich aus&rdquo;, titelt der <em>Figaro</em> in Paris. &ldquo;Merkel verteidigt ihr politisches Prestige&rsquo;, meint <em>Hospod&aacute;řsk&eacute; noviny</em> aus Prag. &ldquo;Deutschland ist zuverl&auml;ssig, stellt aber Anspr&uuml;che&rdquo;, titelt <em>Le Temps</em> aus der Schweiz.</p>
<p>Vor der entscheidenden Abstimmung war Griechenlands Premier Papandreou auf Deutschlandtour, und in Irland, dem anderen Schuldenland, wurde das mit gewohnt deutlichen Worten kommentiert.</p>
<p>&ldquo;Zu h&ouml;flich f&uuml;r klare Ansagen&rdquo; sei er gewesen, <a target="_self" href="http://www.independent.ie/opinion/editorial/germany-must-rise-to-challenge-2889218.html">meint der <em>Irish Independent</em></a>. &ldquo;Wir haben unseren Teil erf&uuml;llt, jetzt seid ihr dran&rdquo;, habe Papandreou seinen deutschen Gastgebern &uuml;bermitteln wollen. Und auch die Kanzlerin sollte endlich Klartext reden, um ihren W&auml;hlern die Logik dieses Satzes zu erkl&auml;ren. Die da ist:</p>
<blockquote>
<p>Die enormen Defizite der Peripheriestaaten der Eurozone waren das Spiegelbild der enormen Handels&uuml;bersch&uuml;sse Deutschlands. Merkels gr&ouml;&szlig;tes Vers&auml;umnis war, das sie diese einfache Tatsache ihren Leuten nicht erkl&auml;ren konnte oder nicht erkl&auml;ren wollte. Sie zog es vor der populistischen Sensationsmoral von Bild-Lesern nachzugeben. Jetzt k&ouml;nnte es zu sp&auml;t sein.</p></blockquote>
<p>Der Euro sei zwar ein deutsches Kind. Aber eben ein Kind deutscher Eliten, <a target="_self" href="http://edicionimpresa.lavanguardia.com/premium/epaper/20110927/54221545324.html">bemerkt in Spanien <em>La Vanguardia</em></a> und verortet hier ein Grundproblem.</p>
<blockquote>
<p>F&uuml;r die deutsche Bev&ouml;lkerung sieht es so aus, als w&uuml;rden vor allem ihre verantwortungslosen Banken und verschwenderische Staaten gerettet. Das n&auml;hrt eine recht zusammenhangslose Koalition aus der Bundesbank, ebenso wichtiger wie konservativer Wirtschaftsinstitute, dem Mittelstand, der sich zur&uuml;ck ins Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit sehnt, und Mittelstandsunternehmen. &ndash; Sollte es aus Misstrauen gegen diese heiligen Allianz sein, dass die Deutschen so st&ouml;rrisch sind gegen&uuml;ber Rettungsma&szlig;nahmen f&uuml;r die Einheitsw&auml;hrung?</p></blockquote>
<p>&ldquo;In der deutschen Rhetorik liegt eine Art w&uuml;tender Selbstgerechtigkeit&rdquo;, <a target="_self" href="http://www.economist.com/node/21531032">f&auml;llt der <em>Economist</em> ein</a>. &ldquo;&lsquo;Schulden&rsquo;, das deutsche Wort f&uuml;r &lsquo;debt&rsquo;, kommt von &lsquo;Schuld&rsquo;, also &lsquo;guilt&rsquo;&rdquo;, erkl&auml;rt das Londoner Magazin und zitiert die j&uuml;ngste Rede Wolfgang Sch&auml;ubles in Washington.</p>
<blockquote>
<p>Man konnte fast das Echo von Martin Luther h&ouml;ren, der den Ablasshandel verurteilte. Warum sollten Schuldner so einfach davonkommen?</p></blockquote>
<p>Der Bundestag hat zugestimmt, aber an dem Dilemma&nbsp;der Kanzlerin &auml;ndere das nichts, <a target="_self" href="http://www.elperiodico.com/es/noticias/opinion/apuros-merkel-1164573">merkt der linksliberale <em>El Periodico de Catalunya</em> an</a>:</p>
<blockquote>
<p>Angela Merkel hat im Bundestag die Wahl zwischen zwei verschiedenen Interpretationen von Europa. In ihrer eigenen Fraktion gehen die Meinungen auseinander. Wohl kann sie das Votum dank der Opposition f&uuml;r sich entscheiden. Aber das &auml;ndert nichts an ihrer heiklen Lage, sowohl um ihr Mandat zu Ende zu bringen, als auch, um die F&uuml;hrungsrolle in Europa zu behalten.</p></blockquote>
<p>&ldquo;In Europa&rdquo; ist in den Augen von <em>Time</em> noch zu niedrig gegriffen: &ldquo;Warum Deutschland nicht die Welt retten kann.* Nicht nur, weil es das nicht will&rdquo;, steht auf dem Titel der europ&auml;ischen Ausgabe. Das New Yorker Magazin legt Merkel die ganz gro&szlig;e Verantwortung auf den Tisch.</p>
<blockquote>
<p>In einer ber&uuml;hmten Geste stellte Harry Truman eine Tafel auf seinen Schreibtisch im Wei&szlig;en Haus, auf der stand: &sbquo;Der Dollar h&auml;lt hier&lsquo;. Die Devise versprach die Bekenntnis des Pr&auml;sidenten zu den Vereinigten Staaten, sie erkannte an, dass die Verantwortung f&uuml;r das Land genau hier blieb, in diesem B&uuml;ro, auf seinen Schultern. Heute k&ouml;nnte Kanzlerin Merkel in Berlin gut ein solches T&auml;felchen auf ihrem Schreibtisch haben, auf dem st&uuml;nde: &sbquo;Der Euro h&auml;lt hier&lsquo;. Das hat sie nicht. Und f&uuml;r Europa und die ganze Welt ist das ein Problem.</p></blockquote>
<p>In der Folge erkl&auml;rt das Blatt, warum Angela Merkel die ganze Eurokrise hindurch als &ldquo;zaudernder wei&szlig;er Ritter&rdquo; auftrat; dass sie, w&auml;hrend Europas Spitzenpolitiker poetisch &uuml;ber die friedvolle Mission der W&auml;hrungsunion sinnierten, zwischen den St&uuml;hlen sa&szlig;: ihrer W&auml;hler, ihrer Wirtschaft, und 17 verschiedenen Staaten mit eigenen Interessen und Zielen.</p>
<p><a target="_self" href="http://derstandard.at/1317018636717/Kommentar-von-Birgit-Baumann-Deutschland-am-Scheideweg">Auch der <em>Der Standard</em> aus Wien stellt fest</a>, dass Merkel jene F&uuml;hrungsrolle in Europa, die viele von ihr erwarten, nicht &uuml;bernehmen k&ouml;nne oder wolle.</p>
<blockquote>
<p>Dar&uuml;ber herrscht Frust von ganz oben bis nach ganz unten. Und wen meint US-Pr&auml;sident Barack Obama wohl, wenn er kritisiert, die Europ&auml;er h&auml;tten zu z&ouml;gerlich auf die Euroschuldenkrise reagiert, die nun der Welt Angst einjage? &Ouml;sterreichs Bundeskanzler Werner Faymann sicher nicht. (&hellip;) Man kann aber auch nicht alles auf Merkel allein schieben. Die Boygroup um FDP-Chef Philipp R&ouml;sler ist weniger Partner, sondern mehr Peiniger, dem das Wohl der FDP-Klientel (Steuersenkung!) allemal n&auml;her ist als eine europ&auml;ische Idee. Auch die Zusammenarbeit mit dem Franzosen Nicolas Sarkozy ist nicht immer einfach.</p></blockquote>
<p><a target="_self" href="http://www.nytimes.com/2011/09/26/opinion/germanys-love-for-greece.html?_r=1&amp;ref=">Die <em>New York Times</em> war sich dagegen schon am Sonntag sicher</a>, dass der Bundestag den erweiterten Rettungsfonds abnicken w&uuml;rde. Nicht aber unbedingt, um die so oft zitierte deutsche Wirtschaft zu retten.</p>
<blockquote>
<p>Nein, nicht Cash ist Deutschlands wahre Motivation, um Griechenland zu retten; die Kultur ist es. Die Deutschen k&auml;mpfen mit Nationalneid. Seit &uuml;ber 200 Jahren sind sie nun schon auf der Suche nach einem verlorenen Teil ihrer Seele: der Leidenschaft. Sie finden sie im S&uuml;den. Sie begehren die lockeren, sonnengetr&auml;nkten Tage ihrer unbek&uuml;mmerten Nachbarn am Mittelmeer.</p></blockquote>
<p>Goethe, Heine, Thomas Mann, Sigmund Freud, sie alle schw&auml;rmten von der &ldquo;verlockenden Sanftheit&rdquo; Italiens und anderer s&uuml;dlicher L&auml;nder, die die teutonische Psyche retten k&ouml;nnten, wei&szlig; die Zeitung.</p>
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<p>Nietzsche war fasziniert vom antiken Griechenland und der ber&uuml;hmten Nebeneinanderstellung des n&uuml;chternen Apollo und des leichtfertigen, weinfr&ouml;nenden Dionysos. (&hellip;) Heute sieht Deutschland immer noch zu apollonisch aus. Unternehmen wie BMW und Siemens erobern die M&auml;rkte der Industrie, denn sie stellen tadellose, perfekt getimte Motoren her. Wann aber haben die Deutschen den Spa&szlig; des Dionysos? Nur in den Ferien in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. (&hellip;) Aber diese Macht, die an Korrektheit schier un&uuml;bertrefflich ist, macht die Seele krank. Die Deutschen wollen das emotionale Band mit ihren sicher gem&uuml;tlichen, aber leidenschaftlichen Nachbarn nicht l&ouml;sen. (&hellip;) Trotz ihrer in der Geschichte immer wieder kundgetanen &Uuml;berlegenheit sind sich die Deutschen heute, ganz tief drinnen, nicht sicher, ob sie die Sache letzten Endes gut gemacht haben.</p></blockquote>
<p>&ldquo;Deutschland, immer wieder Deutschland&rdquo;, <a target="_self" href="http://www.slate.fr/story/8021/lallemagne-encore-lallemagne-toujours-lallemagne">ruft <em>Slate.fr</em> und</a> versucht sich in einem Grundsatzartikel zur deutsch-franz&ouml;sischen Freundschaft und ihren Chancen in der Krise. Folgendes zum Vorwurf, die Deutschen h&auml;tten sich von Europa entfremdet:</p>
<blockquote>
<p>Die Deutschen zu schlechten Europ&auml;ern zu erkl&auml;ren w&auml;re ungerecht und diente nur einer ungesunden Haltung ihnen gegen&uuml;ber. Die Deutschen werden immer beschuldigt, auf der falschen Seite zu stehen: entweder sind sie Revanchisten, vor denen man sich in Acht nehmen muss, oder gef&auml;hrliche Pazifisten, oder sie sind zu pro Nato oder zu nationalistisch. Sie wollen von einer europ&auml;ischen Wirtschaftsregierung nichts h&ouml;ren, auch wenn wir sie uns innig w&uuml;nschen. Sie verteidigen hartn&auml;ckig ihre Budgetorthodoxie, w&auml;hrend wir von Wiederbelebung reden. Sie sind gegen Atomkraft. Kurz, sie machen wirklich alles falsch. &ndash; Das soll nicht hei&szlig;en, dass man den Deutschen nichts vorwerfen k&ouml;nnte. Ihre Interessen decken sich nicht mit unseren. (&hellip;) Aber was w&auml;re die Alternative? (&hellip;) Die Alternative w&auml;re eine R&uuml;ckkehr zu nationalen Egoismen, das Ende des europ&auml;ischen Projekts und ohne Zweifel, die Schw&auml;chung jedes unserer beiden L&auml;nder. Da ist es vielleicht wert, ein bisschen Kompromissbereitschaft zu zeigen. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>
<p>Foto: Bundestag</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/plenum_475-1.jpg" length="90385" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 30 Sep 2011 13:54:29 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Piraten - die Halbtagsabgeordneten"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/982681-auslese-piraten-die-halbtagsabgeordneten</link><description><![CDATA[<p><strong>Der Wahlerfolg der Piraten erstaunt ganz Europa:&nbsp;Der <em>Guardian</em> erkl&auml;rt Deutschland zum &ldquo;Open-Source-Eldorado&rdquo;, <em>El Mundo</em> h&auml;lt die Neulinge f&uuml;r &ldquo;eine Eintagsfliege&rdquo;, <em>La Repubblica </em>findet Berlin &ldquo;postmodern bis zum geht nicht mehr&rdquo;.</strong></p>
<p>In Gro&szlig;britannien, wo die gro&szlig;en Parteien nach dem Mehrheitswahlrecht und dem &bdquo;the winner takes it all&ldquo; Prinzip alle Stimmen einfahren, <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/sep/20/pirate-party-german-berlin-elections" target="_self">stellt der <em>Guardian</em> fest</a>: In Deutschland gibt es die Piraten, weil hier die strikte Verh&auml;ltniswahl herrscht: ab 5 Prozent gibt es einen Sitz im Parlament. Das ist aber nicht alles:</p>
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<p>Es kommt nicht oft vor, dass eine Partei einen unaufgeregten Blick auf Datenaustausch hat, sich f&uuml;r eine radikale Reform von Urheberrechten stark macht, staatliche &Uuml;berwachung in jeglicher Form bek&auml;mpft, Open-Source zum Evangelium erhebt und dann in der wahren Welt auch noch Wahlerfolge feiert.</p>
<p>Hierf&uuml;r gibt es aber auch eine kulturelle Erkl&auml;rung. Historisch gesehen war Deutschland in Europa das empf&auml;nglichste und enthusiastischste Land f&uuml;r Open Source Software. Der Bundestag geh&ouml;rt zu den wenigen Gesetzgebern der Welt, wo Sie Abgeordnete treffen, die sich mit Linux auskennen. Die deutsche Regierung beschloss als eine der ersten, dass nationale &Uuml;berwachungssysteme nicht auf geheimer Software gegr&uuml;ndet sein sollen. In so einem Klima ist es vorhersehbar, dass eine Partei mit einer radikalen Online-Agenda Geh&ouml;r findet.</p></blockquote>
<p>Alle deutschen Parteien m&uuml;ssten sich f&uuml;r diese neuen W&auml;hler jetzt was ausdenken, schreibt der <em>Guardian</em>. Anders in England. &bdquo;Bei uns k&ouml;nnen die Abgeordneten sorgenfrei weiter in ihren B&auml;nken schlafen.&ldquo;</p>
<p><em> El Mundo</em> aus Madrid gibt zu bedenken, dass die Newcomer-Partei so professionell doch noch nicht sei, und titelt mit &bdquo;Piraten &ndash; die Halbtagsabgeordneten&ldquo;. Die Zeitung vermutet, dass die Partei, die nun so pl&ouml;tzlich auf die Parlamentsb&auml;nke gesetzt werde, vielleicht nur eine Eintagsfliege sei; oder geographisch begrenzt, und ein reines Ph&auml;nomen der Stadt Berlin.</p>
<p> Den Gedanken geht auch die Warschauer <em>Gazeta Wyborcza</em>, die die deutschen Piraten gleichwohl f&uuml;r eine &quot;Sensation&quot; h&auml;lt:</p>
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<p>Bisher zeigten sich die Deutschen gegen&uuml;ber dem politischen Produkt der IT-Revolution skeptisch. Der Berliner Erfolg der Piraten l&auml;sst sich vor allem dadurch erkl&auml;ren, dass viele W&auml;hler von dem Monatelangen Z&ouml;gern der Politik in der Griechenlandfrage die Nase voll hatten, und einer Protestpartei ihre Stimme gaben. Oder hat sich Berlin als die liberalste Stadt Deutschlands etwa von einer Vision verf&uuml;hren lassen? Einer Welt, in der fast schrankenloses Internet die Hauptrolle hat?</p></blockquote>
<p> Eine Berliner Kiste? &ndash; <a href="http:// http://www.repubblica.it/tecnologia/2011/09/19/news/pirati_germania-21907466/index.html?ref=search" target="_self">auch der Korrespondent von <em>La Repubblica</em> </a>aus Rom verortet den Kern der Linux-Demokraten zun&auml;chst in der deutschen Hauptstadt. Wo sonst als in Kreuzberg, &quot;Berlins Notting Hill, h&auml;tten die Piraten dann auch ihren Sieg feiern k&ouml;nnen&ldquo;, erkl&auml;rt er seinen Lesern.</p>
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<p>Das Experiment gr&uuml;ndet sich auf dem Erfolg der nordeurop&auml;ischen Piraten. Aber in der konkreten Berliner Wirklichkeit zwischen multikultureller Munterkeit und sozio&ouml;konomischen Spannungen fordern Baums und Nerzs Piraten kostenlose Verkehrsmittel f&uuml;r alle, ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Liberalisierung weicher Drogen. Hyper-demokratisch und postmodern bis zum geht nicht mehr. In Berlin hat das funktioniert.</p></blockquote>
<p>In Frankreich ist <em>Lib&eacute;ration</em> die Pflichtlekt&uuml;re der sogenannten Bobo (der alternativ-lastigen jungen Wohlstandsb&uuml;rger). <a href="http://  http://www.liberation.fr/monde/01012360846-plus-bobo-que-les-pirates-tu-meurs" target="_self">Die Zeitung fragt</a>, was die Sozialistin Martine Aubry von den Piraten h&auml;lt. &bdquo;F&uuml;r alternative Wohlstandsb&uuml;rger&ldquo;, antwortet Aubry, und schlingert angesichts ihres eigenen baldigen Wahltags durch folgende Einsch&auml;tzung:</p>
<blockquote>
<p>Ich habe die Piraten in Belgien gesehen. Mehr Boh&egrave;me geht wohl kaum. Die Leute sind auf Facebook und Twitter und halten alle, die nicht von ihrer Welt sind, f&uuml;r altmodische Spie&szlig;er. Aber es ist gut, dass es Leute gibt, die uns in Frage stellen. Das hei&szlig;t, dass die Gesellschaft sich bewegt.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.lefigaro.fr/hightech/2011/09/20/01007-20110920ARTFIG00541-le-parti-pirate-francais-reve-d-un-destin-a-l-allemande.php" target="_self">Die konservativeren Kollegen von <em>Le Figaro</em> wissen dagegen</a>, dass &quot;die franz&ouml;sischen Piraten jetzt von einem deutschen Schicksal tr&auml;umen&quot;, und verraten das Rezept. &bdquo;Volksparteitauglichkeit&ldquo; hei&szlig;t das Zauberwort.</p>
<blockquote>
<p>Sie sind die Sensation des Augenblicks. In Deutschland ist die Kleinstpartei der Piraten pl&ouml;tzlich viertst&auml;rkste Kraft im Berliner Landesparlament. Mit ihrem Freiheitsdiskurs sind sie in Berlin auf ein &auml;u&szlig;erst geneigtes Echo getroffen. In einer Stadt, in der es vor Studenten und K&uuml;nstlern nur so wimmelt. [...] Sie haben ihr zahlenm&auml;&szlig;iges Handicap &uuml;berwunden und Forderungen &uuml;ber ihre Parteigrenzen hinaus gestellt: Wahlrecht f&uuml;r 14-J&auml;hrige und Ausl&auml;nder, kostenlose Verkehrsmittel, u.a. Ergebnis: sie haben den Gr&uuml;nen Stimmen abgejagt, der Linken und sogar neue W&auml;hler an die Urnen geholt. [...] Die franz&ouml;sische Piratenpartei ist noch nicht so weit wie die deutsche oder schwedische, sagt der hiesige Parteichef. Er m&ouml;chte jetzt den gleichen Schritt gehen, aber mit anderen Themen: Energie, Patentrecht und Gesundheitspolitik.</p></blockquote>
<p>In Rum&auml;nien hat sich offiziell noch keine Piratenpartei gegr&uuml;ndet. <a href="http:// http://www.romanialibera.ro/actualitate/europa/berlinul-ii-da-lui-merkel-un-ragaz-sa-salveze-euro-238213.html" target="_self">Das hindert <em>Rom&acirc;nia liberă</em> nicht daran</a>, ihr schon bundesweite Bedeutung zuzutragen und ganz unerwartet Konsequenzen zu sehen:</p>
<blockquote>
<p>Dieses Wahlergebnis wirft erneut die Debatte um eventuelle vorgezogene Neuwahlen auf. Mit der Rettung der Euro-Zone als Wahlkampfthema. Aber ist die Kanzlerin zu diesem Risiko bereit? [...] Auch wenn Angela Merkel keine Freundin riskanter L&ouml;sungen ist, so k&ouml;nnte diese hier von Vorteil f&uuml;r die Kanzlerin sein. Sollte sich aus den Urnen eine gro&szlig;e Koalition ergeben, dann w&auml;re das f&uuml;r Merkel ein Trumpf. Die Sozialdemokraten unterst&uuml;tzen Merkels pro-Euro-Kurs. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>SPIEGEL ONLINE</em></a>.</p>
<p>Foto: <em>humanoid23-at-flickr-ccby</em></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Piratenpartei490.jpg" length="56282" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 23 Sep 2011 17:46:04 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: "Ist Deutschland Europas Tea Party?"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/956051-auslese-ist-deutschland-europas-tea-party</link><description><![CDATA[<p><strong>Der Kollaps bekommt Konturen. Europas Kommentatoren spekulieren &uuml;ber das Zerbrechen der Euro-Zone.&nbsp;Berlins Credo der Stabilit&auml;tspolitik kommt dabei besonders schlecht weg. Die deutschen Finanzmythen seien f&uuml;r Europa gef&auml;hrlicher als griechische Schulden, schimpft die tschechische <em>Lidov&eacute; noviny</em>.</strong></p>
<p>&quot;Stark wie die Mark&quot;: Die franz&ouml;sische Zeitung <em>Le Monde</em> &ouml;ffnete seinen Leitartikel in dieser Woche einmal auf Deutsch und erinnerte damit an ein Zitat des scheidenden EZB-Chefvolkswirts J&uuml;rgen Stark aus seiner Zeit als deutscher Finanzstaatssekret&auml;r in den neunziger Jahren. Sein R&uuml;ckzug f&uuml;hrte zu besorgten Kommentaren in der europ&auml;ischen Presse.</p>
<p>Der Vorgang war <a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/anatolekaletsky/article3163406.ece">Wasser auf den M&uuml;hlen von Anatole Kaletsky in der <em>Times</em></a>. Er pl&auml;diert erneut f&uuml;r einen deutschen Euro-Austritt. Der &Ouml;konom vermerkt unter anderem das &quot;pl&ouml;tzliche Auftauchen einer neuen Macht, die bald das politische und wirtschaftliche Establishment in Deutschland &uuml;berw&auml;ltigen k&ouml;nnte&quot; &ndash; die Deutsche Bundesbank.</p>
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<p>Das gef&auml;hrlichste Ereignis des Sommers war nicht das Fehlschlagen des griechischen Sparplans, das zwiesp&auml;ltige Urteil des Bundesverfassungsgerichts oder Angela Merkels Niederlage bei den letzten Wahlen. Es war der R&uuml;cktritt J&uuml;rgen Starks. Er ging, weil er in der Frage, ob die EZB Spanien und Italien unterst&uuml;tzen solle, &uuml;berstimmt worden war. Genau wie Axel Weber im Februar.</p>
<p>Wenn die EZB bald in noch gr&ouml;&szlig;ere Rettungsaktionen verwickelt wird, was wahrscheinlich ist, wird Webers Nachfolger dagegen stimmen, so hat er bereits verlauten lassen. Wenn auch er &uuml;berstimmt wird und aus Protest seinen Hut nimmt, dann ist nur schwer vorstellbar, wie die Bundesbank in der EZB noch weiter repr&auml;sentiert werden k&ouml;nnte. Schaut man sich den fast religi&ouml;sen Glauben in die Bundesbank an, dann k&ouml;nnte das vermeintlich Unm&ouml;gliche &ndash; ein Euro ohne Deutschland &ndash; pl&ouml;tzlich unvermeidbar werden.</p></blockquote>
<p>Die Rolle der EZB steht zur Debatte, und das deutschen Credo der Stabilit&auml;tspolitik wird von der Presse quer &uuml;ber den Kontinent massiv kritisiert. Selbst in Prag, wo &Ouml;konom Pavel Kohout <a target="_self" href="http://www.euroskop.cz/46/19564/clanek/myty-o-nemeckem-hospodareni/">in der <strong><em>Lidov&eacute; noviny</em></strong></a> den Nachbarn ungewohnt rau angeht.</p>
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<p>Selbst in Boom-Zeiten war das Land nicht in der Lage, seinen Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. [&hellip;] Die deutschen Finanzen sind in einem schlimmeren Zustand als die der USA. Die sprichw&ouml;rtliche deutsche Disziplin? Unsinn. [...] Sollte Deutschland die Wirtschaft Europas regieren, dann schwant uns die Katastrophe. Die deutschen Finanzmythen sind f&uuml;r Europa gef&auml;hrlicher als die griechischen Schulden.</p></blockquote>
<p>Das sah auch Wirtschaftsnobelpreistr&auml;ger <a target="_self" href="http://www.nytimes.com/2011/09/12/opinion/an-impeccable-disaster.html">Paul Krugman in der <em>New York Times</em></a> so. Er r&auml;t der EZB dringend, sich mit Krediten nicht zur&uuml;ckzuhalten und das Zinsniveau zu senken &ndash; und bekommt Beifall aus Italien. &quot;Einen Krugman f&uuml;r Berlin!&quot;, <a target="_self" href="http://www.ilfoglio.it/soloqui/10351">hei&szlig;t es denn auch im <em>Il Foglio</em></a> aus Mailand.</p>
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<p>Deutschland ist jetzt ein Global Player und von daher interessiert an Haushaltsdisziplin und einer starken W&auml;hrung. [...] Laut Krugman ist Frankfurts Urs&uuml;nde aber die Besessenheit mit Geldmengen und Inflationsvermeidung. Macht das deutsche Dogma noch Sinn? Krugman sagt nein.</p></blockquote>
<p>Dabei geht es, <a target="_self" href="http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/jeremy-warner/8762731/Will-German-indecision-on-the-euro-drag-the-whole-world-down.html">so sieht es in London der <em>Daily Telegraph</em></a>, nicht nur um Europas zuk&uuml;nftigen Wohlstand, Deutschland eingeschlossen. Die wachsende Alarmiertheit in Amerika und China beweise, dass das Risiko die Weltwirtschaft erfasst habe.</p>
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<p>Eine selbstzerst&ouml;rerische Spirale ist in Gang gekommen. Kurioserweise scheint so ein logisches Volk wie die Deutschen nicht zu begreifen, dass jede weitere Bestrafung [der Schuldenl&auml;nder] nicht nur sinnlos sondern kontraproduktiv ist. Deutschland ist wie jeder verstimmte Gl&auml;ubiger: wenn es sein Geld nicht zur&uuml;ckbekommt, dann packt es den Schuldner am Kragen. Anstatt kreativ &uuml;ber gangbare L&ouml;sungen nachzudenken, ist es besessen von den Unzul&auml;nglichkeiten einer moralischen Gefahr und von seinem eigenen Scheinbed&uuml;rfnis, Misset&auml;ter zu bestrafen.</p></blockquote>
<p>In Dublin <a target="_self" href="http://www.independent.ie/opinion/columnists/david-mcwilliams/david-mcwilliams-germany-profited-in-boom-so-must-deal-with-the-bust-2875645.html">f&uuml;gt die <em>Irish Times</em> an</a>, dass die Deutschen nicht die geringste Lust versp&uuml;rten f&uuml;r irgendjemanden Geld auf den Tisch zu legen. Aber man k&ouml;nne sich eben nicht erst den Bauch vollschlagen und sich im Augenblick der Rechnung auf eine Insel absetzen. Deutschland habe den gr&ouml;&szlig;ten Profit aus dem Euro in Boom-Zeiten gezogen, jetzt m&uuml;sse Berlin sich auch um die Pleite k&uuml;mmern.</p>
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<p>Will es den Euro retten oder nicht? Wenn ja, dann muss es sich finanziell verpflichten, gegen&uuml;ber den Iren, den Italienern, den Spaniern und dem Rest &ndash; von den Griechen ganz zu schweigen. Wenn es den Euro nicht retten will, dann muss es eine schnell steigende D-Mark in Kauf nehmen, deren Wert im Vergleich zu jeder anderen W&auml;hrung hochfliegen wird &ndash; nicht nur in Europa, sondern weltweit. Die Vorlage f&uuml;r Deutschland w&auml;re die Schweiz. Ein Post-Euro-Deutschland mit der neuen Mark s&auml;he aus wie der Schweizer Franken auf Anabolika. Es s&auml;he aus wie eine wuchtige Schweiz im Herzen Europas mit einer v&ouml;llig &uuml;berwerteten W&auml;hrung. [...] Deine Entscheidung, Angie.</p></blockquote>
<p>Aber die Kanzlerin bleibt unentschlossen, <a target="_self" href="http://wyborcza.biz/biznes/1,118175,10270345,Dlaczego_Niemcy_nie_chca_ratowac_Europy_.html">schreibt die Warschauer <em>Gazeta Wyborcza</em></a>. Denn ihre W&auml;hler h&auml;tten mittlerweile schlicht Angst vor der Zukunft, und das sei nicht gut f&uuml;r das Gesch&auml;ft eines Politikers mit Wiederwahlambitionen.</p>
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<p>Ganz klar hat Angela nicht den Mut ihren W&auml;hlern Paroli zu bieten. Je tiefer sie in den Umfragen steht, desto barscher ihre Erkl&auml;rungen in Sachen Rettung der s&uuml;dlichen Eurostaaten. Bis zum letzten Moment macht sie sich bei den W&auml;hlern lieb Kind, bei den EU-Gipfeln gibt sie dann den Kompromissen ihre Stimme. Diese wechselhafte Haltung tr&auml;gt nicht gerade zu Deutschlands Glaubw&uuml;rdigkeit bei.</p></blockquote>
<p>1077 bezwang Rom die germanische Welt. Heute l&auml;uft es andersrum, <a target="_self" href="http://blogs.lesechos.fr/echosnoclastes/l-allemagne-et-l-euro-canossa-inverse-a6659.html">so sieht es in Paris <em>Les Echos</em></a> und bem&uuml;ht das Bild eines Gangs nach Canossa in umgekehrter Richtung. Nach der Ank&uuml;ndigung, sie w&uuml;rde die Sache nun philosophisch angehen, versetzt sich die Wirtschaftszeitung in die Haut der Deutschen, widerspricht dem &quot;derzeit in S&uuml;deuropa zum guten Ton geh&ouml;renden Verriss Deutschlands&quot;, und findet es nur verst&auml;ndlich, dass da jemand die Bestnoten des Euro sichern wolle.</p>
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<p>Ist Deutschlands Europas egoistische Tea Party geworden? Die Griechenland und andere s&uuml;dliche L&auml;nder in den Zahlungsausfall treibt und den Euro implodieren l&auml;sst? Oder &ndash; so wie ich meine &ndash; verfolgt Deutschland die Strategie des 'umgedrehten Canossa': hei&szlig;t, die Schuldenl&auml;nder in die Knie zwingen, und ihnen einen Umschuldung abn&ouml;tigen, damit Deutschland allein (gemeinsam mit den ernsthaften L&auml;ndern) in der Euro-Zone das monet&auml;re Steuer in die Hand nimmt, das Monopol der bankgesch&auml;ftlichen Glaubw&uuml;rdigkeit und das Bankenmonopol? F&uuml;r mich ist das umgedrehte Canossa der einzige Weg, um die Euro-Zone in ihrer Gesamtheit zu erhalten. <em>(cl)</em></p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>Spiegel Online</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/21072011-Merkel-Sarko.jpeg" length="41489" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 16 Sep 2011 13:06:43 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: „Eine Wirtschaft, die tolle Autos baut, reicht nicht"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/855971-auslese-eine-wirtschaft-die-tolle-autos-baut-reicht-nicht</link><description><![CDATA[<p><strong>Europas Presse dreht sich weiter um die Eurokrise. Die Franzosen trauen der Bundeskanzlerin mehr als ihrem Pr&auml;sidenten, titelte<em> Le Monde</em>. Deutschlands Wirtschaft sei kein Modell zum Ausschneiden, gibt der <em>Guardian</em> zu Bedenken. </strong></p>
<p>Bitte anschnallen, die Schuldenkrise der Euro-Zone wird noch eine Runde haarstr&auml;ubender, warnte die <em>Financial Times</em> diese Woche. Nach den j&uuml;ngsten Opfern Spanien und Italien kann sich auch die deutsche Innenpolitik getrost als Kollateralschaden der Krise verstehen, allen voran die Regierungschefin, so der <a href="http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8685063/Merkel-faces-a-Hobsons-choice-on-eurozone.html" target="_self"><em>Daily Telegraph</em></a>.</p>
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<p>Wie gewohnt in Europa liegt alles wieder beim trotzigen Deutschland. Nur Berlin kann die vertrauensbringenden Garantien geben. Aber es ist zu sp&auml;t, um Vertrauen billig zu erkaufen. Angela Merkel steht vor einer klassischen Hobson's Wahl: Friss oder stirb. Das Geld der Steuerzahler aufs Spiel setzen und ihren Job verlieren oder die Katastrophe in Kauf nehmen. Das kommt einem Stra&szlig;enraub gleich.</p></blockquote>
<p>Die Kanzlerin k&auml;mpft aber noch mit einem weiteren Dilemma, hervorgerufen durch den Aufstand aus der zweiten Reihe, die ihren Urlaub zu allerlei Vorst&ouml;&szlig;en nutzte, <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/851961-erst-laehmung-dann-panik" target="_self">bemerkt <em>ABC</em></a>.</p>
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<p>Bis jetzt beugte sich Angela Merkel bei den Gipfeltreffen widerwillig der Mehrheitsmeinung f&uuml;r die Rettungsaktionen &ndash; die dann im Fall Griechenland allerdings nicht funktionierten. Daher nun ein interner Aufstand, der die politische Stabilit&auml;t Deutschlands zunehmend bedroht. Alles weist darauf hin, dass es bald nur noch nur noch zwei L&ouml;sungen geben wird: entweder eine komplette budget&auml;re Integration der Eurozone, die von vielen deutschen Wirtschaftswissenschaftlern abgelehnt wird, oder das Verschwinden der Einheitsw&auml;hrung, was das Todesurteil f&uuml;r das europ&auml;ische Projekt bedeuten w&uuml;rde.</p></blockquote>
<p>Aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen kommt dagegen ein Vertrauensbekenntnis. <a href="http://archiviostorico.corriere.it/2011/agosto/09/Negli_scontri_ciclici_con_Germania_co_9_110809042.shtml" target="_self">Im <em>Corriere della Sera</em> ist ein ungewohnter Kommentar</a> zu den deutsch-italienischen Beziehungen zu lesen: &bdquo;In den regelm&auml;&szlig;igen Streitfragen mit Deutschland ist Italien immer gut damit gefahren, sich anzupassen, schreibt der &Ouml;konom Antonio Puri Purini.&ldquo;</p>
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<p>Die Geschichte, die Wirtschaft, die Kultur und der Tourismus zeugen davon, dass kein anderes Land der Welt Italien mit so viel Inbrunst liebt wie Deutschland. Die Zuneigung erkaltet angesichts der Probleme mit der Wirtschafts- und Finanzstabilit&auml;t. Aber es w&auml;re unn&uuml;tz, jetzt in eine anti-deutsche Polemik abzugleiten. Beide L&auml;nder verstanden sich stets gut. Einzig in Wirtschaftsfragen gab es Gefechte. Jedes Mal haben wir nachgegeben, aber immer haben wir dabei etwas gewonnen. So war es schon 1978 im Streit um das europ&auml;ische W&auml;hrungssystem. Wir Italiener sollte Deutschland dankbar sein. ... Angela Merkel ist keine Finanzexpertin, aber bleibt die einzige politische Pers&ouml;nlichkeit in Europa, die ausreichend Ansehen genie&szlig;t, um sich an die europ&auml;ische &Ouml;ffentlichkeit zu wenden.</p></blockquote>
<p>Diese Aussage wurde prompt per Umfrage aus Frankreich untermauert. <a href="http://abonnes.lemonde.fr/economie/article/2011/08/11/crise-les-francais-font-plus-confiance-a-merkel-qu-a-sarkozy_1558349_3234.html" target="_self"><em>Le Monde</em> titelte diese Woche</a>: &bdquo;Die Franzosen vertrauen Angela Merkel mehr als Nicolas Sarkozy, um die Eurokrise zu l&ouml;sen.&ldquo; 48 Prozent der Franzosen z&auml;hlen in der Krise vor allem auf sich selbst, 46 Prozent auf die Bundeskanzlerin, und dann kommt Pr&auml;sident Nicolas Sarkozy mit 33 Prozent.</p>
<p><a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/aug/08/number-one-problem-economy-europe" target="_self">Grunds&auml;tzlicher wurde es im <em>Guardian</em></a>. Die Londoner Zeitung stellt frustriert fest: &bdquo;Zu den meisten Fragen, die durch die Krise aufgeworfen wurden, lautet die Antwort aus Englands rechtem wie linken Lager: Wir machen das, &bdquo;was auch immer Deutschland macht.&ldquo; &ndash; Das sollte mal &uuml;berdacht werden.</p>
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<p>Wer ist Europas Problemvolkswirtschaft Nummer 1? &ndash; Das sogenannte leuchtende Beispiel, das Gro&szlig;britannien bewundert: Deutschland. Ich wei&szlig;, das klingt falsch. Deutschland gilt als das Land des Industriewunders und der sozialen Gerechtigkeit, wo Fabrikarbeiter Mercedes fahren und Spitzenpolitiker nichts davon halten, die 'Heuschrecken-Finanziers' anzugreifen. Es gibt nur ein Problem mit diesem Bild: Es ist veraltet. Die deutsche Art Gesch&auml;fte zu machen hat sich in den letzten Jahren radikal ver&auml;ndert. Erst die Wiedervereinigung, dann die Privatisierungswelle, und dann der durch und durch deregulierte Arbeitsmarkt haben Arbeiter und Angestellte in eine immer misslichere Lage gebracht.</p>
<p>Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends sind die L&ouml;hne um 4 Prozent gefallen, die Deutschen konnten daher die wachsende Menge der G&uuml;ter aus ihrer Industrie nicht konsumieren. Das Land exportierte also in die spekulativen Wirtschaften des S&uuml;dens, und deutsche Banken lieferten gerne das Geld an Spanien, Griechenland und den Rest, damit sie die G&uuml;ter auch kaufen konnten. Deutschland bl&auml;hte die Blasen, die im Rest Europas platzten. Fazit: Erstens sind die Probleme der Eurozone gr&ouml;&szlig;er als ein paar kleine L&auml;nder, die &uuml;ber ihre Verh&auml;ltnisse gelebt haben. Zweitens ist Deutschland kein Modell zum Ausschneiden f&uuml;r eine solide und sozial gerechte Wirtschaft.</p></blockquote>
<p>&Auml;hnliche Stimmen <a href="http://www.ft.com/intl/cms/s/0/39eae7a0-c141-11e0-b8c2-00144feabdc0.html#axzz1Uk2QW9hd" target="_self">kommen aus der die <em>Financial Times</em></a>. Die britische Wirtschaftsbibel titelte: Europa braucht jetzt ein Deutschland, das flexibel denkt, &ndash; und verwies auf das deutsche Stra&szlig;ennetz.</p>
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<p>Ironischerweise haben dieselben politischen Leitlinien, die Deutschland seine industrielle Renaissance bescherten &ndash; die Bedeutung von Regeln und die begrenzte Rolle der &ouml;ffentlichen Hand &ndash; die Euro-Zone weiter in die Krise gest&uuml;rzt. Das tiefere Problem ist, dass deutsche Politiker eine starke Industrie geschaffen haben, die der Konkurrenz aus China standhalten kann, die aber nicht auf Krisenmanagement und Improvisation ausgerichtet ist, die f&uuml;r den Umgang mit irrationalen Anleihenm&auml;rkten n&ouml;tig sind.</p>
<p>Die Ordnungspolitik bricht jetzt zusammen; bleibt aber der Ma&szlig;stab f&uuml;r deutsche Politiker und Zentralbanker. Sie erkl&auml;rt, zum Beispiel, warum der Gro&szlig;teil des deutschen Autobahnnetzes keiner Geschwindigkeitsbeschr&auml;nkung unterliegt &ndash; was wiederum der Grund daf&uuml;r ist, dass das Land so gut in der Herstellung schneller Autos ist. Deutschland wird einige &Uuml;berzeugungen, wie eine Wirtschaft gut gef&uuml;hrt wird, &uuml;ber Bord werfen m&uuml;ssen. Eine Wirtschaft zu schaffen, die tolle Autos baut, ist eine Sache, um eine W&auml;hrungsunion zu retten, ist etwas anderes vonn&ouml;ten.</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Geldanlage_Euro-Krise-trotzen_Lead490.jpg" length="31776" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 12 Aug 2011 18:25:49 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: &quot;Merkel denkt an die alte Mark statt an den Euro&quot;</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/837751-auslese-merkel-denkt-die-alte-mark-statt-den-euro</link><description><![CDATA[<p><strong>Die Kanzlerin mag in den Ferien sein, doch Europas Presse ruft ihr noch einen Protest gegen den&nbsp;Euro-Kurs hinterher. <em>La Repubblica</em> schimpft Deutschland einen &quot;Therapieverweigerer&quot;, <em>Le Monde</em> nennt den Nachbarn&nbsp;einen &quot;unertr&auml;glichen Streber&quot;, und <em>ABC</em> erinnert wehm&uuml;tig an Helmut Kohl.</strong></p>
<p>Spanien, Italien, vielleicht Zypern &ndash; ausgerechnet Europas Urlaubsl&auml;nder, ausgerechnet im August, werden vielleicht auf europ&auml;ische Hilfe angewiesen sein. Wenn die Nordeurop&auml;er jetzt in den S&uuml;den aufbrechen, k&ouml;nnten sie die Gelegenheit nutzen, sich ein paar Gedanken zu machen, <a href="http://www.economist.com/node/21525396" target="_self">schreibt der <em>Economist</em></a>.</p>
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<p>Wie sauer kann man auf die Griechen sein, wenn man am Ufer des &Auml;g&auml;ischen Meeres sitzt? Erst vor ein paar Monaten r&uuml;gte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bewohner des S&uuml;dens f&uuml;r ihre Faulheit. Doch gerade die Deutschen, die mit ihren Wohnwagen gen S&uuml;den ziehen, haben mit den l&auml;ngsten Urlaub in ganz Europa. Vom Gesetz her arbeiten sie weniger Stunden pro Jahr als die S&uuml;dl&auml;nder. [..] Doch dieses Jahr gibt es guten Grund zum Bangen: Die Finanzm&auml;rkte machen im August nicht zu. Zypern k&ouml;nnte der n&auml;chste Anw&auml;rter auf einen Rettungsplan sein.</p></blockquote>
<p>In den Krisenl&auml;ndern herrscht in der Presse durchaus reges Schaffen. W&auml;hrend in einer <a href="http://imageshack.us/photo/my-images/98/capturedcran20110805101.png/" target="_self">Karikatur der Athener <em>Kathimerini</em></a> Regierungschef Papandreou Angela Merkel am Telefon um die Leihgabe von ein paar Taxis f&uuml;r sein bestreiktes Land bittet, greift im schwer angeschlagenen Italien <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/837541-es-ist-ein-notfall-dr-merkel" target="_self"><em>La Repubblica</em> zur medizinischen Metaphe</a>r. Das Heilmittel hei&szlig;t hier &quot;gemeinsames Einstehen f&uuml;r die Schulden der einzelnen Eurol&auml;nder&quot;:</p>
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<p>Alle wissen was die einzige Medizin ist, die den Euro und Europa retten kann. Aber Angela Merkels Deutschland verweigert die Therapie. Die anderen Regierungen haben nicht die Kraft, Berlin die Idee zu verkaufen. [...] Viele haben in den letzten Monaten den deutschen 'Egoismus' kritisiert und an das Gespenst einer 'europ&auml;ischen Solidarit&auml;t' appelliert. In Wahrheit kann es nur eine L&ouml;sung geben, wenn &ndash; und nur wenn &ndash; Deutschland kapiert, dass ein Ende des Euros und die damit einhergehende Finanzkatastrophe teurer kommen w&uuml;rde als die heutigen gemeinsamen Schulden. Bis jetzt hatte keine Regierung den Mut, Merkel vor diese Wahl zu stellen.</p></blockquote>
<p>&Auml;hnlich in Spanien. <a href="http://blogs.publico.es/delconsejoeditorial/1642/la-unica-solucion/" target="_self">Im <em>P&uacute;blico</em> ruft der &Ouml;konomen Juan Francisco Mart&iacute;n Seco</a> zu mehr Schneid gegen&uuml;ber der Kanzlerin auf:</p>
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<p>Das Problem hei&szlig;t zweifelsohne Merkel; die Politiker der Peripheriestaaten sollten ihr gegen&uuml;ber entschlossen auftreten und ihr klarmachen, dass es keinen anderen Weg gibt. Denn sonst w&uuml;rde die W&auml;hrungsunion zusammenkrachen, und Deutschland ist und bleibt ihr gr&ouml;&szlig;ter Nutznie&szlig;er.</p></blockquote>
<p>Und ihr letzter handlungsf&auml;higer Staat, <a href="http://www.money.ro/colapsul-economic-din-europa--franta-e-urmatoarea-pe-lista_1050796.html" target="_self">so ist in <em>Money</em> zu lesen</a>. Das rum&auml;nische Wirtschaftsmagazin prophezeit den Sturz Frankreichs, dessen Anleihenertr&auml;ge den gr&ouml;&szlig;ten Abstand zu Deutschland seit 21 Jahren aufwiesen.</p>
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<p>Jetzt, wo Frankreich unter dem Beschuss der M&auml;rkte steht, ist es an Deutschland allein, die europ&auml;ische Einheitsw&auml;hrung am Leben zu halten.</p></blockquote>
<p>Aber Angela Merkel, <a href="http://www.lavanguardia.com/opinion/articulos/20110804/54194796889/de-que-estamos-hablando.html" target="_self">so notiert <em>La Vanguardia</em></a>, halte sich dieser Tage versteckt. Und die Zeitung wei&szlig; auch, warum:</p>
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<p>Die M&auml;rkte wollen mehr als edle Erkl&auml;rungen. Sie wollen Geld, viel Geld. Etwa 2,5 Billionen Euro. Soviel sollte der europ&auml;ische Rettungsschirm wiegen. Der Hauptzahler Deutschland w&uuml;rde f&uuml;r 682 Milliarden b&uuml;rgen. Sofern sie nicht politischen Selbstmord begehen will, ist es unvorstellbar, das Merkel je mit solch einem Vorschlag vor den Bundestag tritt. Nicht f&uuml;r diese Summe, und auch nicht f&uuml;r eine kleinere.</p></blockquote>
<p>Die monarchistische <a href="http://www.abc.es/" target="_self"><em>ABC</em> erinnert wehm&uuml;tig</a> an alte Zeiten unter Deutschlands K&ouml;nig:</p>
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<p>Altkanzler Kohl hat allen Grund zu f&uuml;rchten, dass sein Traum von einem starken Deutschland in einem geeinten Europa untergeht. Wir haben heute ein nationalistisches Deutschland in einem Europa, das den Bach runtergeht. Es ist verst&auml;ndlich, dass Deutschland es leid, ist f&uuml;r die Verantwortungslosigkeit seiner Partner zu blechen. [...] Merkel ist ihrem Vorg&auml;nger Schr&ouml;der nicht un&auml;hnlich. Weder Schr&ouml;der noch Merkel haben darauf gedr&auml;ngt, die Steuerpolitik zu koordinieren, als am Mittelmeer fr&ouml;hlich das Geld zum Fenster rausgeworfen wurde. Merkel geht es nur um den n&auml;chsten Wahlsieg. Sie denkt mehr an die alte deutsche Mark als an den Euro. Und jetzt, mitten in der Krise, ist es ausgeschlossen, dass sie ihren Urlaub unterbricht.</p></blockquote>
<p>In Wien <a href="http://derstandard.at/1311802753353/Einserkastl-Rau-Kein-Gestaltungswille" target="_self">w&uuml;nscht sich der <em>Standard</em></a> bei allem Verst&auml;ndnis mehr Weitsicht.</p>
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<p>Vielleicht ist dieses Durchwursteln angesichts der Lage der Weltfinanzwirtschaft sogar die einzige M&ouml;glichkeit. Aber die europ&auml;ischen Spitzenpolitiker, besonders Merkel, scheinen die unhaltbaren Verh&auml;ltnisse, die uns in diese Lage gebracht haben, einfach zu akzeptieren &ndash; ohne Suche nach einem Paradigmenwechsel. &quot;Die M&auml;rkte&quot; &ndash; die sind halt so. Den Klientelismus kann man nicht antasten.</p></blockquote>
<p>Und in Paris <a href="http://www.itamaraty.gov.br/sala-de-imprensa/selecao-diaria-de-noticias/midia-internacional/franca/le-monde/2011/08/02/editorial-lallemagne-exasperante-premiere-de-la" target="_self">untermauert <em>Le Monde</em> Angela Merkels Abschiedssatz</a> vor der Sommerpause &quot;Deutschland geht es so gut wie lange nicht&quot; mit Zahlen und stellt fest: &quot;Deutschland, der unertr&auml;gliche Streber&quot;.</p>
<blockquote>
<p>Deutschland bietet ein irritierendes Bild f&uuml;r seine Nachbarn, vor allem Frankreich. Sogar die Deutschen fragen sich, wie eine so schwache und zerstrittene Regierung wie die Merkels solche wirtschaftlichen Erfolge einfahren kann. [...] Deutschland zum Vorbild f&uuml;r Resteuropa zu machen hat keinen Sinn. Nicht alle L&auml;nder k&ouml;nnen alles auf den Export setzen. Aber eine Lehre sollten wir aus dem deutschen Beispiel ziehen: Es ist kontraproduktiv, den Kopf in den Sand zu stecken und andere f&uuml;r die eigenen Schw&auml;chen verantwortlich zu machen. Das Bildungswesen ist ein gutes Beispiel. Vor zehn Jahren schnitt Frankreich in der PISA-Studie schlecht ab, Deutschland sogar sehr schlecht. Die Franzosen kritisierten daraufhin die Methode; die Deutschen reformierten ihr Gymnasium. Heute haben sie uns &uuml;berholt. [...] Sicher teilen die Deutschen gern besserwisserisch gegen&uuml;ber anderen Europ&auml;ern aus. Aber sie k&ouml;nnen auch einstecken.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/angela-merkel490.jpg" length="16060" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 05 Aug 2011 18:17:38 +0100</pubDate></item>
<item><title>Paolo Rumiz: „Europas Herz schlägt im Osten"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/834751-paolo-rumiz-europas-herz-schlaegt-im-osten</link><description><![CDATA[<h4>F&uuml;r den Autor von <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/614731-paolo-rumiz-seele-ohne-grenzen"><em>Die Grenzen Europas</em></a>* kann man nur noch in manchen postkommunistischen L&auml;ndern und an den Au&szlig;engrenzen der Union auf die Seele des Alten Kontinents treffen.</h4>
<p><strong>Sie sind Sie auf die Idee gekommen, die &ouml;stlichen Grenzen der Europ&auml;ischen Union zu bereisen? </strong></p>
<p>PAOLO RUMIZ&nbsp;: Ich suchte eine echte Grenze. Ich komme aus Triest und bin ein Kind der Grenze. Ich bin genau an dem Tag geboren, als die Grenze rund um Triest errichtet wurde, am 20. Dezember 1947. Sie wurde dann am 60. Jahrestag abgeschafft beim Inkrafttreten des Schengener Abkommens, also am Tag meines 60. Geburtstags. An jenem Tag haben meine polnische Lebensgef&auml;hrtin die Fotografin Monika Bulaj und ich uns in die Augen gesehen und uns gesagt: &bdquo;Sechzig Jahre lang wollten wir die Grenzen &ouml;ffnen, jetzt wo sie offen sind, was bleibt uns da noch zu tun?&ldquo; Es war eine wunderbare Aufforderung zum Reisen: Wo gibt es heute noch die geheimnisvolle Aura der Grenzen?&ldquo; An jenem Tag  &ndash; etwas beschwipst und aufgekratzt  &ndash;  s&auml;gten wir an einer Schranke an der jugoslawischen Grenze, mitten im Wald des Rosandra-Tals, wo sich die letzte Herberge vor der jugoslawischen Grenze befand, und da beschloss ich, dass ich auf die Suche nach einer echten Grenze gehen w&uuml;rde: einen Ort mit echten Grenzsoldaten.</p>
<p><strong>Und haben Sie welche gefunden ?</strong></p>
<p>Und ob! Stellen Sie sich einmal vor: H&auml;tte ich diese Reise vor f&uuml;nfundzwanzig Jahren gemacht, h&auml;tte ich um nach Slowenien einzureisen nie meinen Pass vorzeigen m&uuml;ssen, denn ich w&auml;re im Gebiet des Warschauer Pakts und der ehemaligen Sowjetunion geblieben. Nun aber verlies ich kontinuierlich den Schengen-Raum und die Europ&auml;ische Union  &ndash;  vor allem zwischen Norwegen und Russland oder zwischen Lettland und Russland, und ich fand unglaublich rigide Grenzen vor, schlimmer noch als vor dem Mauerfall. Ich wollte sehen, was sich hinter den Schranken, hinter diesen Barrieren befindet. Man erkennt rasch, dass es keine Unterschiede vor und hinter den Grenzen gibt, trotz der absurden Schranken, und dass die Au&szlig;engrenze der Europ&auml;ischen Union eine Reihe von Regionen durchquert, die wunderbare Namen tragen wie Kurland Lettland und Bothnien Skandinavien oder Dobrudscha Rum&auml;nien/Bulgarien. Es gab diese Regionen schon vor dem nationalistischen Fieber des 19. Jahrhunderts. Sie sind das wahre Herz des Kontinents.</p>
<p><strong>Man sagt, das geografische Zentrum Europas bef&auml;nde sich irgendwo im Westen der Ukraine...</strong></p>
<p>Europa besitzt mehrere Mittelpunkte: einen in Litauen, einen in den Karpaten, einen in Polen... das h&auml;ngt davon ab, wie man Europa vermessen will. Eines ist aber sicher, Europa ist h&ouml;her als breiter. Die Zentrum Europas ist bis dato ein blasser Abklatsch des Westens, obwohl man dort auch starke Spuren des Orients finden kann. Dieser Mix aus Slawischem und J&uuml;dischem ist die eigentliche Seele Europas. Und den habe ich nur in diesen Grenzregionen angefunden. Dort schl&auml;gt f&uuml;r mich das Herz Europas, so wie ich es mir vorstellte, und so wie ich es suchte: diese gewisse Weiblichkeit, M&uuml;tterlichkeit, diese riesigen Str&ouml;me: die habe ich in Russland, in der Ukraine und in Polen gefunden.</p>
<p><strong>Ihre Erz&auml;hlung zeugt von einer quasi ma&szlig;losen Liebe f&uuml;r den slawischen Geist und Lebensstil der Menschen, die Sie getroffen haben. Und von einer Art Ekel gegen&uuml;ber gewissen Aspekten Westeuropas. Was ist das Problem mit Westeuropa?</strong></p>
<p>Es ist eine homogenere, falsche Welt aus Zelluloid, wo die Zeit immer schneller vergeht und in einem Wasserfall aus E-Mails und SMS versinkt, eine Welt, in der man den Kontakt zur Erde verloren hat  &ndash;  &bdquo;Zemlja&ldquo; wie man auf Russisch sagt, ein Wort, das mich wie das Wort &bdquo;Voda&ldquo;, Wasser, w&auml;hrend meiner ganzen Reise begleitet hat.</p>
<p><strong>In Ihrem Buch preisen Sie die Authentizit&auml;t der Bewohner dieser Grenzregionen. Dabei w&uuml;nschen sich viele von ihnen nichts anderes, als in Westeuropa zu leben oder zumindest den westeurop&auml;ischen Lifestyle anzunehmen. </strong></p>
<p>Sicher, das darf man nicht vergessen. Ich will ihnen zwar nicht sagen, dass sie auf dem Holzweg sind, aber dennoch kann man behaupten, dass auf unserer Seite der Grenze auch nicht alles rosig ist. Die &Auml;lteren sind sich dessen bewusst: Sie haben begriffen, dass die zwischenmenschliche Solidarit&auml;t unter den jungen Westeurop&auml;ern nicht mehr existiert.</p>
<p><strong>Sie sprechen in Ihrem Buch oft von der &bdquo;slawischen Seele&ldquo;. Wie w&uuml;rden Sie die definieren? </strong></p>
<p>Die Slawen sind sich bewusst, dass sie den Kontinent nicht im Hirn, sondern im Bauch haben. Sie lassen ihren Instinkten freien Lauf, was manchmal zu einer unfassbaren Aggressivit&auml;t f&uuml;hrt, aber auch zu einer unvergesslichen Z&auml;rtlichkeit in anderen Situationen. In meinem Buch erz&auml;hle ich von einer Szene, wo in Minsk eine Gruppe junger Frauen zu einem Akkordeonspieler gegangen ist. Sie sagten: &bdquo;Los Igor, bring uns zum Weinen!&ldquo; So etwas w&uuml;rde ein Westeurop&auml;er nie tun. Er h&auml;tte eher ein Liedchen verlangt, um die Verg&auml;nglichkeit seiner unsinnigen Existenz zu vergessen. Genau das mag ich bei den Slawen: das Dunkle geh&ouml;rt zum Leben dazu, diese Melancholie.</p>
<p><strong>Hat der Beitritt eines Dutzend exkommunistischer L&auml;nder die EU ver&auml;ndert?</strong></p>
<p>Ja, denn sie haben eine bemerkenswerte Portion Nationalismus gebracht. Die Polen sind in dieser Hinsicht ganz katastrophal: dieses Gef&uuml;hl der leidenden Volkes, dass sich dem kommunistischen Moloch widersetzt hat. Die Polen haben den Nationalismus nach dem Ende der Nationalismen wiederentdeckt. Das ist in Polen fast krankhaft. Ein selbstzentriertes Weltbild. Was nach dem Absturz&nbsp; im April 2010 bei Smolensk der Pr&auml;sidentenmaschine passierte, ist da beispielhaft: Nur nicht vor den Russen als Dummk&ouml;pfe dastehen!</p>
<p><strong>In Ihrem Buch scheinen Sie den europ&auml;ischen Institutionen Vorw&uuml;rfe zu machen...</strong></p>
<p>Ich werfe Europa und Italien vor, dass sie schlafen und nicht merken, wie die nationalistischen und zentrifugalen Kr&auml;fte den Kontinent zerrei&szlig;en. Wie haben nicht die Lehren aus dem Balkan gezogen: Es reicht heute einer orientierungslosen &Ouml;ffentlichkeit einen Feind zu benennen, und schon nimmt sie ihn als solchen an. Heute k&ouml;nnte eine scheiternde politische F&uuml;hrung ohne Schwierigkeiten aus einem politischen Kampf einen ethnischen machen. Wir haben nicht mehr die Antik&ouml;rper gegen den Faschismus. Wir haben aber auch nicht mehr die Antik&ouml;rper der Kritik. In dieser Hinsicht ist Italien  &ndash;  aber auch Belgien  &ndash;  eine Risikozone. Man findet dort eine erbitterte regionalistische Viktimisierung vor, eine Form des Ressentiments der Peripherie gegen&uuml;ber der Mitte.</p>
<p><em>Aux fronti&egrave;res de l'Europe</em>, erschienen auf Franz&ouml;sisch bei Hoebeke.</p>
<p><em><strong>Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrte <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/author/360091-gian-paolo-accardo">Gian Paolo Accardo</a>.</strong></em></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/rumiz 490x225.jpg" length="40848" type="image/jpeg" /><pubDate>Thu, 04 Aug 2011 18:33:49 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: „Die dickköpfigste Frau der Welt"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/788891-auslese-die-dickkoepfigste-frau-der-welt</link><description><![CDATA[<p><strong>Die B&uuml;rde der Euro-Rettung ist fest auf Angela Merkels Schultern geschnallt, ist Europas Presse &uuml;berzeugt. <em>El Pa&iacute;s</em> h&auml;lt &bdquo;die m&auml;chtigste Frau der Welt leider auch f&uuml;r die dickk&ouml;pfigste&ldquo;,<em> Ta Nea</em> h&auml;lt dagegen: &bdquo;Auch die schlimmste L&ouml;sung ist eine L&ouml;sung.&ldquo;</strong></p>
<p>Europas Stunde der Wahrheit naht. Glaubt man den europ&auml;ischen Kommentatoren, ist es vor allem ist es die Stunde der Wahrheit f&uuml;r Deutschland. Die endg&uuml;ltige Entscheidung, ob der Euro in seiner heutigen Form gerettet wird, liegt bei Europas wirtschaftlichem Machtzentru. Dass Angela Merkel die Erwartungen an den heutigen Gipfel von vorneherein d&auml;mpfte, kam bei den Nachbarn nicht gut an.</p>
<p><a href="http://bruxelles.blogs.liberation.fr/coulisses/2011/07/obama-au-secours-de-la-zone-euro-encore.html" target="_self">In <em>Lib&eacute;ration</em> unkt Jean Quatremer</a> in gewohnter Manier gegen Berlin:</p>
<blockquote>
<p>Die deutsche Kanzlerin hat wieder einmal bewiesen, dass sie dieselbe bleibt und nichts aus der Krise gelernt hat. Sie verpasste allen Hoffnungen, dass die Staatschefs der Eurozone eine endg&uuml;ltige L&ouml;sung finden w&uuml;rden, eine kalte Dusche.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/787251-frau-merkel-herr-sarkozy-zeigen-sie-groesse" target="_self">Anders sieht das <em>Le Monde</em></a>, der spekuliert, Merkels Einwurf seine reine Taktik:</p>
<blockquote>
<p>Die Worte Angela Merkels vom Dienstag waren, so bleibt zu hoffen, eine Antiphrase, ein Versuch der deutschen Kanzlerin die Erwartungen herunterzuschrauben, um besser &uuml;berraschen zu k&ouml;nnen. Es geht heute nicht mehr an, dass man abwartet. Man hat schon zu lange abgewartet. Das Au&szlig;ergew&ouml;hnliche, das Spektakul&auml;re ist nun Notwendigkeit. Die Verantwortung obliegt Nicolas Sarkozy und Angela Merkel. Die einzigen derzeit in Europa, die sich in der grassierenden Krise &uuml;ber die individuellen Interessen im Sinne des Gemeinwohls hinwegsetzen k&ouml;nnen.</p></blockquote>
<p>W&auml;re das deutsch-franz&ouml;sische Paar nur nicht so ungleich. Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, das sei wie Laurel und Hardy, <a href="http://www.guardian.co.uk/business/2011/jul/20/euro-crisis-angela-merkel-sarkozy" target="_self">schreibt der <em>Guardian</em></a>.</p>
<blockquote>
<p>Er nerv&ouml;s, reizbar, zu Ticks und gallischen Gesten neigend; sie solide, stur und zugekn&ouml;pft. Wie bei dem gl&uuml;cklosen Komiker-Duo kann in punkto deutsch-franz&ouml;sische Beziehungen alles passieren. Dass sie einen Kompromiss erzielten, ist nur ein Teil der Geschichte f&uuml;r Merkel und Sarkozy, die nicht nur sich durchsetzen wollen, sondern vor allem so wahrgenommen werden wollen, f&uuml;r ihre W&auml;hler zuhause. [...] In der Vergangenheit folgte Frankreich dem modus operandi, Tr&auml;ume von gro&szlig;en europ&auml;ischen Ideen vorzustellen... und Deutschland die Rechnung zu schicken. [...] Da Merkel nun aber Europas Chef-Banker ist, kann Sarkozy machen, was er will, die 'Iron Frau' wird wohl das letzte Wort haben.</p></blockquote>
<p>Dabei erinnere die Position Deutschlands heute an alten Euroskeptizismus von der britischen Insel, <a href="http://www.lesoir.be/debats/editos/2011-07-19/l-europe-malade-de-l-allemagne-851820.php" target="_self">meint der belgische <em>Le Soir</em></a>: Europa kranke nicht an einer Griechenland-, sondern einer Deutschlandkrise.</p>
<blockquote>
<p>Fr&uuml;her war der Euroskeptizismus ebenso wie Doppeldeckerbusse eine britische Eigenart. Heute sind mehrere reiche EU-Staaten mit diesem Virus infiziert. Man k&ouml;nnte viel &uuml;ber unsere holl&auml;ndischen Nachbarn sagen, die die Seiten gewechselt haben und Meilen entfernt von ihrem historischen Europakurs sind. Aber am schlimmsten ist das Abdriften Deutschlands. Seit eineinhalb Jahren hat Angela Merkel dem Druck aus dem Bundestag nicht viel entgegenzusetzen, wo die gro&szlig;e europ&auml;ische Idee zu nicht mehr als einem Schuldgef&uuml;hl verkommen ist. Von Aufsch&uuml;ben, Rumgedruckse und prahlerischen Ultimaten bis zu unvorsichtigen, ja verantwortungslosen Erkl&auml;rungen hat die Kanzlerin immer zu sp&auml;t ihr Urteil gef&auml;llt &ndash; und die Dinge verschlimmert.</p></blockquote>
<p>Deshalb m&uuml;ssen die Deutschen <a href="http:// http://www.elpais.com/articulo/internacional/Europa/rota/Merkel/elpepiopi/20110721elpepiint_6/Tes" target="_self">laut Llu&iacute;s Bassets, Direktor von <em>El Pa&iacute;s</em> ihre Tabus brechen</a>, die ihnen jede Form von Transferunion untersagen.</p>
<blockquote>
<p>Merkel ist die m&auml;chtigste Frau der Welt, aber auch die dickk&ouml;pfigste. Mittlerweile tr&ouml;delt sie ein eineinhalb Jahren und widersetzt sich einer Logik, die sie selber verteidigt hat: wenn der Euro f&auml;llt, f&auml;llt ganz Europa. Der Druck auf Merkel ist enorm. Wenn der Euro f&auml;llt, dann f&auml;llt nicht nur Europa. Das Beben w&uuml;rde sich auf die gesamte Weltwirtschaft ausdehnen.</p></blockquote>
<p>In diesem Sturm der Kommentare &uuml;ber die entscheidende Rolle Deutschlands <a href="http://www.ft.com/intl/cms/s/0/e5ae0634-b157-11e0-9444-00144feab49a.html#axzz1SY2jmHx0" target="_self">blickt die <em>Financial Times</em></a> ins Land selbst und stellt fest: Alles ruhig &ndash; augenscheinlich.</p>
<blockquote>
<p>Als Angela Merkel am Sonntag Nachmittag auf den B&auml;nken an der Berliner Spree&nbsp; f&uuml;r das allj&auml;hrliche 'Sommer-Interview' Platz nahm, sah die deutsche Kanzlerin bemerkenswert gelassen aus. Sie schien nicht zu bemerken, dass Wind aufkam, der Himmel wolkenverhangen war, und die ersten Regentropfen fielen. Ihr Fuchsia-Blazer biss sich schmerzlich mit den scharlachroten St&uuml;hlen. Sie scherzte mit den Moderatoren und ermahnte sie, ihre Arbeit zu machen. Kaum eine Stunde sp&auml;ter ergoss sich ein Wolkenbruch &uuml;ber die deutsche Hauptstadt. So &auml;hnlich steht es auch mit dem politischen Klima in Deutschland: die Stimmung ist d&uuml;ster, und die Kanzlerin ist zunehmender Kritik an ihrer Politik, vor allem in der Eurokrise ausgesetzt. [...] Frau Merkels F&auml;higkeit selbst in den Finanzst&uuml;rmen ruhig, unersch&uuml;tterlich und pragmatisch zu bleiben, ist einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r ihre auff&auml;llige Beliebtheit.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8648088/Angela-Merkel-can-she-rescue-the-euro.html" target="_self">Der <em>Daily Telegraph</em> versucht zu verstehen</a>, &bdquo;warum Deutschland solch eine potenziell lebensbedrohliche Verpflichtung eingehen sollte&ldquo; und&nbsp; verschuldeten L&auml;ndern &bdquo;einen Blankoscheck ausstellen sollte, um zu deutschen Kreditkonditionen sich Geld zu leihen. Historisch gesehen k&ouml;nne man die Transferunion auch f&uuml;r logisch halten, schreibt der Kommentator.</p>
<blockquote>
<p>Die Kriegsschuld &uuml;bt immer noch einen m&auml;chtigen Einfluss in Deutschland aus und k&ouml;nnte Entscheidungstr&auml;ger dazu bewegen, einer &uuml;bergreifenden Fiskalunion zuzustimmen. Doch das l&auml;uft kulturell und instinktiv Deutschlands innerster Seele zuwider. Kein Wunder, dass Angela Merkel nicht wei&szlig;, wohin die Reise gehen soll. [...] Au&szlig;erdem muss sie auch einer neuen Generation junger Deutscher Antworten liefern, die ihre Zukunft nicht in weiterer europ&auml;ischer Integration sieht, sondern in Gesch&auml;ftschancen auf den wachsenden M&auml;rkten in Asien und dem Rest der Schwellenl&auml;nder.</p></blockquote>
<p>Doch erstmal geht es um ein weiteres Rettungspaket f&uuml;r Athen. <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/786361-schluss-mit-den-spielchen">Dazu <em>Ta Nea</em> aus der griechischen Hauptstadt</a>:</p>
<blockquote>
<p>Wir haben in der Griechenlandkrise einen Punkt erreicht, an dem irgendjemand Verluste hinnehmen muss. Entweder finanzieren uns die Steuerzahler Nordeuropas, oder die Banken und Versicherungen, die unsere Anleihen aufgekauft haben, m&uuml;ssen einen Haircut akzeptieren. So w&uuml;nscht es Berlin, das sich nach wie vor f&uuml;r die Beteiligung privater Anleger an den Rettungspaketen starkmacht. Die Europ&auml;ische Zentralbank legt ihr Veto ein. Darin besteht die Sackgasse. Wie aber unser Finanzminister sagt: Auch die schlimmste L&ouml;sung ist eine L&ouml;sung. Wir w&auml;ren hocherfreut, w&uuml;rde Deutschland uns positiv &uuml;berraschen.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775739,00.html"><em>SPIEGEL&nbsp;ONLINE</em></a>.</p>
<blockquote></blockquote>
<p>&nbsp;</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Angela-Merkel.jpg" length="69655" type="image/jpeg" /><pubDate>Thu, 21 Jul 2011 18:10:17 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: &quot;Letzten Endes geht es um Deutschland&quot;</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/778931-auslese-letzten-endes-geht-es-um-deutschland</link><description><![CDATA[<p><strong>Deutschland wird in der Euro-Krise zum Au&szlig;enseiter. Europ&auml;ische Kommentatoren sehen Berlin in der Pflicht, vergleichen die Kanzlerin mit Margaret Thatcher, zeihen die Bundesregierung der Panikmache. Die <em>London Review auf Books</em> sieht in der neuen Z&ouml;gerlichkeit gar eine Ironie des Schicksals.</strong></p>
<p>Aus der Presse spricht diese Woche vor allem eines: Ungeduld. Z&ouml;gern und Zaudern im entscheidenden Moment f&uuml;r den Euro sorgt langsam f&uuml;r Stress bei den Kommentatoren. Dass die Unentschlossenheit &ndash; vor allem der deutschen Regierung &ndash; die Krise nur schlimmer macht, ist fast &uuml;berall zu lesen. Nun hat die deutsche Kanzlerin einen Krisengipfel zu Griechenland kurzerhand abgewehrt. Etwas verdutzt reagieren die Nachbarn.</p>
<p>Etwa in Spanien, <a href="http://www.presseurop.eu/de/content/news-brief-cover/773481-spanien-gibt-deutschland-die-schuld" target="_self">wo Regierungschef Zapatero diese Woche Angela Merkels Z&ouml;gern implizit </a>als &quot;zentrales Problem&quot; kritisierte, <a href="http://www.lavanguardia.com/economia/20110714/54186403471/alemania-bloquea-la-cumbre-sobre-grecia-y-alimenta-el-desconcierto.html" target="_self">bittet <em>La Vanguardia </em></a>um etwas mehr Solidarit&auml;t:</p>
<blockquote>
<p>Deutschland scheint zu vergessen, dass &uuml;ber zwei Drittel seines Handels&uuml;berschusses aus Gesch&auml;ften mit der Euro-Zone kommen. Gestern kippte die Regierung von Eurolands wichtigstem Mitglied ein Krisentreffen zu Griechenland, das Ordnung in das Chaos um die Schulden der Mitgliedsstaaten bringen k&ouml;nnte. [...] Das Nein aus Berlin pr&auml;gte das Ende eines Tages, an dem eine ganze Reihe verworrener Erkl&auml;rungen wieder neue Verwirrung &uuml;ber die Entscheidungen in der Euro-Zone stiftete. [...] Angela Merkel erarbeitet sich nun wirklich einen Ruf der 'Madame Non', sie erinnert irgendwie an Margaret Thatcher, die nicht m&uuml;de wurde zu wiederholen 'Ich will mein Geld zur&uuml;ck!'.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.elpais.com/articulo/opinion/Ausencias/culpables/elpepiopi/20110715elpepiopi_1/Tes" target="_self">&Auml;hnliches liest man in <em>El Pa&iacute;s</em></a> unter dem Titel &quot;Die Abwesenden sind schuldig&quot;:</p>
<blockquote>
<p>Das &Uuml;berraschende ist ja nicht der Unwille; man wei&szlig; doch, dass Angela Merkel und ihre Satelliten (Niederlande, &Ouml;sterreich) mit mehr Wohlwollen eine hanseatische Liga sehen w&uuml;rden (und, wenn m&ouml;glich, sie wieder auferstehen lassen wollten) als eine Gemeinschaftsw&auml;hrung, in der auch die Spanier, Portugiesen und Griechen mitmachen.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.liberation.fr/economie/01012348748-l-union-se-cherche-une-politique" target="_self">Und in <em>Lib&eacute;ration</em> regt sich Jean Quatremer dar&uuml;ber auf</a>, dass Deutschland sich gegen die Schaffung eines europ&auml;ischen Finanzministers sperre, und auch sonst f&ouml;derale Initiativen mit Missachtung strafe. Zum Thema Gl&auml;ubigerbeteiligung, die der Journalist f&uuml;r einen Fehler h&auml;lt, bem&uuml;ht er ein Zitat aus dem Elys&eacute;e-Palast:</p>
<blockquote>
<p>Deutschland macht so eine Panik, dass uns nur die Wahl zwischen mehr F&ouml;deralismus oder dem Auseinanderbrechen der Euro-Zone bleibt.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.corriere.it/editoriali/11_luglio_15/alesina_giavazzi_coltivare_illusioni_c5b18e94-aea7-11e0-82fd-68e04dbc5f96.shtml" target="_self">Der <em>Corriere della Sera</em> sieht in der Situation</a> Italiens wenig Grund zum Optimismus. Seit vorigem Montag befinde sich das Land nicht mehr mit Frankreich und Deutschland in der Gruppe der &quot;sicheren&quot; L&auml;nder, sondern bei Spanien.</p>
<blockquote>
<p>Die M&auml;rkte haben sich nicht beruhigt. [...] Eine Alternative w&auml;re jetzt der Ankauf italienischer Wertpapiere durch den europ&auml;ischen Stabilit&auml;tsmechanismus &ndash; daf&uuml;r m&uuml;sste allerdings die &Uuml;bertragung von Steuereinnahmen von den deutschen auf die italienischen Steuerzahler noch transparenter gestaltet werden. Es wird jedoch immer klarer, dass Deutschland nicht bereit ist, f&uuml;r die Probleme anderer L&auml;nder aufzukommen, weshalb sich Investoren fragen, ob Italien es alleine schaffen kann.</p></blockquote>
<p>Der R&uuml;ckzug auf den Nationalstaat ist Thema in Paris.<em> <a href="http://abonnes.lemonde.fr/idees/article/2011/07/14/l-euro-ou-la-triste-histoire-d-une-libido-qui-flanche_1548736_3232.html" target="_self">Le Monde</a></em><a href="http://abonnes.lemonde.fr/idees/article/2011/07/14/l-euro-ou-la-triste-histoire-d-une-libido-qui-flanche_1548736_3232.html" target="_self"> holt </a>am franz&ouml;sischen Nationalfeiertag aus zu einer langen Klage &uuml;ber Europas R&uuml;ckentwicklung auf das Stadium des Westf&auml;lischen Friedens 1648. &quot;Euro &ndash; oder die traurige Geschichte einer versagenden Libido&quot;, titelt die Pariser Zeitung. Deutschland wird wie folgt gescholten:</p>
<blockquote>
<p>In der guten alten Zeit h&auml;tte ein deutscher Kanzler &ndash; ob er nun Helmut Schmidt oder Helmut Kohl hei&szlig;en mag &ndash; genug politisches Format gehabt, um zu seinen Abgeordneten zu sagen: Deutschlands h&ouml;chstes Interesse besteht darin, nichts zu tun, was den Euro in Gefahr bringen k&ouml;nnte. In der guten alten Zeit h&auml;tte selbiger Kanzler mit einer entsprechenden Vorstellung vor dem Steuerzahler auch Europa als h&ouml;chstes Interesse heraufbeschw&ouml;ren k&ouml;nnen. Ganz offensichtlich sind diese Zeiten vorbei. Deutschland ist wie die anderen Staaten der Union: selbstfixiert und vor allem die nationalen Interessen verfolgend &ndash; kurz gesagt, &agrave; la Thatcher, mit einer quasi buchhalterischen Vision von Europa.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.telegraph.co.uk/comment/telegraph-view/8638296/The-fate-of-the-euro-is-in-the-hands-of-Germany.html" target="_self">F&uuml;r den <em>Daily Telegraph</em></a> bleiben Deutschland mehrere Optionen.</p>
<blockquote>
<p>Entweder es setzt nun wirklich auf mehr Integration, das hei&szlig;t mit einer EU-Kontrolle &uuml;ber Haushalte und Steuern, mit einer Transferunion [...]; oder es steigt aus der Gemeinschaftsw&auml;hrung aus, was es ganz eindeutig nicht will [...]; oder es wartet auf die n&auml;chste Krise, eine immer schlimmer als die andere. Letzten Endes geht es hier nicht um Griechenland oder Italien oder Irland. Letzten Endes geht es &ndash; wie immer schon &ndash; um Deutschland.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.lrb.co.uk/v33/n14/john-lanchester/once-greece-goes" target="_self">Die<em> London Review of Books</em> bringt einen langen Artikel</a> zur Zukunft der Eurozone. John Lancaster, der j&uuml;ngst ein Buch mit dem Titel &quot;Whoops!: Why Everyone Owes Everyone and No One Can Pay&quot; ver&ouml;ffentlichte, bekundet Sympathie mit allen von Sparpolitik gebeutelten V&ouml;lkern Europas, Griechen und Deutsche eingeschlossen. Der Teufelskreis bei ihm hei&szlig;t &quot;strukturelles wirtschaftliches Ungleichgewicht&quot; und geht so:</p>
<blockquote>
<p>Deutschlands Wirtschaft ist zu gro&szlig; und zu stark, als dass es f&uuml;r seine Nachbarn gesund sein kann, au&szlig;er die europ&auml;ische W&auml;hrungspolitik w&uuml;rde etwas verbessert, damit den kleineren und schw&auml;cheren L&auml;ndern geholfen wird, Schritt zu halten. [...] Deutsche Ersparnisse gehen an deutsche Banken, um dann anderen L&auml;ndern geliehen zu werden, damit sie deutsche G&uuml;ter von deutschen Unternehmen kaufen, die dann ihre Einnahmen in deutschen Banken sparen, die diese verleihen an.... und so weiter. Dieses System ist nicht elegant, aber es ist wahrscheinlich so lange haltbar, wie die deutschen Steuerzahler bereit sind, f&uuml;r die unvermeidlichen Pleiten und Rettungsschirme zu zahlen.</p></blockquote>
<p>Und weiter hei&szlig;t es:</p>
<blockquote>
<p>Letzten Endes hat das neue deutsche Verhalten das Potential, die Euro-Zone zu zerst&ouml;ren. Wenn die europ&auml;ische W&auml;hrungspolitik nach deutschen Interessen gemacht wird, werden sich riesige strukturelle Ungleichgewichte akkumulieren. Die Deutschen m&uuml;ssen dann entweder zahlen, um diese Ungleichgewichte auszugleichen, oder zulassen, dass der Euro eben nicht nach deutschen Interessen ausgerichtet wird. Sind sie weder zum einen noch zum anderen bereit, kann der Euro nicht &uuml;berleben. Es ist schwer zu sagen, was Angela Merkel dar&uuml;ber denkt.</p></blockquote>
<p>Um zu schlie&szlig;en:</p>
<blockquote>
<p>Deutschland muss das europ&auml;ische Interesse mit seinem eigenen gleichstellen, oder der Euro ist erledigt. Wenn Sie dar&uuml;ber mal aus historischer Perspektive nachdenken, ist das eine ziemliche Kehrtwende. Dass Deutschland auf seine Sonderrolle setzte, war die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r die Stabilit&auml;t Europas im 20. Jahrhundert. Dass Deutschland z&ouml;gert, diese Sonderrolle auszu&uuml;ben, ist die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r die Stabilit&auml;t Europas im 21. Jahrhundert.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>SPIEGEL&nbsp;ONINE</em></a>.</p>
<p>&nbsp;</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/Angela-Merkel250.jpg" length="24640" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 15 Jul 2011 18:31:01 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: „Die tugendhaften Deutschen tragen keine Schuld"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/770771-auslese-die-tugendhaften-deutschen-tragen-keine-schuld</link><description><![CDATA[<p><strong>Die L&ouml;sung der Eurokrise besch&auml;ftigt die Kommentatoren&nbsp;von Europas&nbsp;Presse: Der Einfluss der Rating-Agenturen wird gegei&szlig;elt. W&auml;hrend&nbsp;Portugals <em>P&uacute;blico</em> zum &bdquo;Auflehnen&ldquo; gegen das &bdquo;Oligopol&ldquo; aufruft, beklagt&nbsp;Polens <em>Gazeta Wyborcza</em> den &bdquo;Terror&ldquo;. Deutschlands Rolle wird wohlwollend aufgenommen.</strong></p>
<p>Nachdem die US-amerikanische Rating-Agentur Moody's Anfang der Woche die Kreditw&uuml;rdigkeit Portugals erneut gesenkt hat, hagelt es in den europ&auml;ischen Zeitungen deutliche Kritik gegen die Allmacht der Agenturen und deren desastr&ouml;se Folgen f&uuml;r den Haushalt einzelner Staaten sowie f&uuml;r die Stabilit&auml;t des Euros. W&auml;hrend sich die Schulden-Staaten um die Sanierung ihrer Finanzen bem&uuml;hen, f&ouml;rderten die Agenturen mit zweifelhaften Klassifizierungen die Spekulationen auf Staatspleiten. <a href="http://jornal.publico.pt/noticia/07-07-2011/a-europa-encostada-as-cordas-22432414.htm" target="_self">In der portugiesischen Zeitung <em>P&uacute;blico</em> wird die allgemeine Emp&ouml;rung</a> gegen das Vorgehen von Moody's begr&uuml;&szlig;t:</p>
<blockquote>
<p>Europa lehnt sich (endlich) gegen die Ratingagenturen auf. [...] Das Oligopol der drei nordamerikanischen Agenturen &ndash; mit denen so viele Interessen vernetzt sind, dass es berechtige Zweifel an der Objektivit&auml;t ihres Diktats aufwirft &ndash; muss beendet werden. [...] Das Handeln der Agenturen &auml;hnelt einer Art Nekrophilie. Wie Geier kreisen sie &uuml;ber die geschw&auml;chte Gemeinschaftsw&auml;hrung. Europa wei&szlig; ihnen nichts entgegenzusetzen, jeder Tag beweist einmal mehr das allgegenw&auml;rtige Durcheinander. Europa regiert erst, wenn es angez&auml;hlt ist.</p></blockquote>
<p>W&auml;hrend <em>P&uacute;blico</em> am Einfluss der Agenturen und an der europ&auml;ischen Unt&auml;tigkeit verzweifelt, <a href="http://wyborcza.pl/1,75477,9906171,Moody_s_sieje_poploch.html" target="_self">fordert die polnische Tageszeitung <em>Gazeta Wyborcza</em></a> eine internationale Rating-Agentur, die dem sch&auml;dlich Treiben von Moody's in Europa ein Ende setzt:</p>
<blockquote>
<p>Moody's verbreitet Terror. [...] Wenn Portugal nicht in der Lage ist, sein Haushaltsdefizit zu reduzieren, wird es wie Griechenland eine neue Finanzinfusion des IWF und der EU ben&ouml;tigen. [...] Es muss also dringend eine internationale Ratingagentur eingerichtet werden, die der EU untersteht. Sonst sind wir gezwungen, weiter Institutionen zu glauben, die uns so oft vor der Krise gewarnt und nach ihrem Ausbruch die Dinge nur verschlimmert haben.</p></blockquote>
<p>W&auml;hrend die Rating-Agenturen im Fokus der Kritik stehen, wird die Rolle Deutschlands im Kampf gegen die Euro-Krise und gerade die scharfe Kritik, die der deutsch Finanzminister an den Rating-Agenturen &uuml;bte, wohlwollend kommentiert. Die italienische Tageszeitung <a href="http://www.corteconti.it/export/sites/portalecdc/_documenti/rassegna_stampa/ocr/2011070619134181.txt" target="_self"><em>Corriere della Sera</em> spricht gar </a>davon, dass &bdquo;die tugendhaften Deutschen keine Schuld&ldquo; treffe. Der Vorwurf, Deutschland habe mit seinem Handelsbilanz&uuml;berschuss zum Export-Minus der &uuml;brigen L&auml;nder des Euroraums beigetragen, w&auml;hrend seine Unnachgiebigkeit gegen&uuml;ber Griechenland zur Eskalation der Krise gef&uuml;hrt habe, sei unbegr&uuml;ndet:</p>
<blockquote>
<p>Deutschland sorgte f&uuml;r die Glaubw&uuml;rdigkeit, dank derer die Zinsen f&uuml;r alle gesunken sind. Wenn L&auml;nder wie Griechenland und Portugal davon profitiert haben, um sich im Ausland zu verschulden, so ist das doch sicher nicht die Schuld der Deutschen. [...] Die Wirtschaft floriert und dennoch verbucht die CDU eine Wahlniederlage nach der anderen. Weshalb wohl? Weil die Deutschen es satt haben, sich um die Probleme Anderer zu k&uuml;mmern, sein es die von Griechenland oder die weiterer von der Ansteckung bedrohter L&auml;nder.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.elpais.com/articulo/internacional/crisis/griega/Alemania/elpepiopi/20110705elpepiint_9/Tes" target="_self"><em>El Pais</em> aus Spanien spart zwar ebenfalls mit direkter Kritik</a> am deutschen Krisenmanagement, betont aber, dass den Deutschen sehr wohl bewusst sei, dass die Einf&uuml;hrung des Euros die beste Erfindung f&uuml;r die deutsche Exportwirtschaft sowie den EU-Binnenhandel war. Der ernst gemeinte Einsatz Merkels und Sch&auml;ubles zur Stabilisierung des Euros geschehe vor allem aufgrund nationaler Interessen gegen&uuml;ber den L&auml;ndern,</p>
<blockquote>
<p>die statt von der eigenen Arbeit von Krediten aus dem Ausland leben. [...]Um die nationalen Interessen [...] zu verteidigen und die Stimmen der Regierungskoalition zu behalten, startete Kanzlerin Merkel eine oft unverstandene Politik, die die Emp&ouml;rung einiger Partner hervorrief[....], w&auml;hrend Berlin nur den EU-Institutionen misstraut, die nichts Unnormales in Griechenland entdeckt haben wollten und nun die Darlehen kontrollieren.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/jul/05/marshall-plan-europe-hesitant-leaders" target="_self">Auch der britische <em>Guardian</em> bezieht</a> sich bei der Suche nach einer L&ouml;sung der Euro-Krise auf Deutschland. So wie Deutschland und Europa ab 1947 enorm vom Marshall-Plan der USA profitiert h&auml;tten, m&uuml;ssten jetzt die starken Staaten Europas einspringen, um die Stabilit&auml;t der europ&auml;ischen Wirtschaft und W&auml;hrung auf Dauer zu sichern. Die wegen zus&auml;tzlichen Rettungspaketen unzufriedene &Ouml;ffentlichkeit im wohlhabenden Norden sei dabei nicht die gr&ouml;&szlig;te H&uuml;rde:</p>
<blockquote>
<p>Ein viel ernsthafteres Problem [...] ist der heutige Einfluss des Banken- und Finanzsektors. Es stellt sich die Frage, wie General Marshall vorgegangen w&auml;re, wenn er sich h&auml;tte sorgen m&uuml;ssen, wie Standard &amp; Poor's sein Programm f&uuml;r Europa bewertet. [Dabei] k&ouml;nnten Europas F&uuml;hrungskr&auml;fte theoretisch all die Ma&szlig;nahmen zur Regulierung von Privatbanken, Hedgefonds und anderen Finanzinstituten ergreifen, die sie wollen. [...]Was momentan gebraucht wird? Eine langfristige politische Vision und die Bereitschaft, f&uuml;r die Vorteile einer Umverteilung auf dem ganzen Kontinent einzutreten. [Unterdessen] reagieren Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Jean-Claude Trichet [...] bisher nicht wirklich.</p></blockquote>
<p>Ein Hoffnungsschimmer liegt f&uuml;r den <em>Guardian</em> in der polnischen EU-Ratspr&auml;sidentschaft,</p>
<blockquote>
<p>die dem bisher zukunftsunf&auml;higen Prozess neue Energie und einen neuen Sinn f&uuml;r Geschichte verleihen k&ouml;nnte.</p></blockquote>
<p>In Zusammenarbeit mit <a href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/" target="_self"><em>SPIEGEL ONLINE</em></a>.&nbsp;</p>
<p>Bild: <a target="_self" href="http://www.bilderbox.com/">Www.BilderBox.com</a></p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/rating200.jpg" length="28151" type="image/jpeg" /><pubDate>Tue, 12 Jul 2011 14:38:10 +0100</pubDate></item>
<item><title>Auslese: „Es gibt kein Entkommen vor Deutschland"</title><link>http://www.presseurop.eu/de/content/blog/752861-auslese-es-gibt-kein-entkommen-vor-deutschland</link><description><![CDATA[<p>Die Euro-Krise und der deutsche Atomausstieg: Das waren diese Woche beherrschende Themen in der europ&auml;ischen Presse. Die <em>Times</em> w&uuml;nscht sich noch mehr&nbsp;Krisenstimmung &ndash; der <em>Independent</em> findet, es&nbsp;m&uuml;sse Schluss sein mit&nbsp;g&ouml;nnerhaften Lektionen von der Insel gen Deutschland.</p>
<p>Das griechische Parlament hat dem Sparpaket der Regierung zugestimmt und den Weg f&uuml;r neue Hilfen freigemacht. Die Krise ist damit aber keineswegs gel&ouml;st. Die <a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/leaders/article3079183.ece"><em>Times</em> ver&ouml;ffentlicht mehrere Artikel</a>, in denen Berlin und Paris gebeten werden, ihre Scheckb&uuml;cher zu z&uuml;cken, um die Krise einzud&auml;mmen. Der renommierte <a target="_self" href="http://www.thetimes.co.uk/tto/opinion/columnists/anatolekaletsky/article3077890.ece">&Ouml;konom Anatole Kaletsky meint aber</a>, je mehr Krise, desto besser f&uuml;r den Euro. Denn:</p>
<blockquote>
<p>Nur wenn die W&auml;hrung am Rande des Zusammenbruchs steht, wird Deutschland akzeptieren, dass es eine Pflicht zur Rettung der Griechen hat. Am Ende werden kreditw&uuml;rdige Euro-Staaten ohnehin akzeptieren m&uuml;ssen, dass sie mit rund 500 Milliarden Euro f&uuml;r griechische, irische und portugiesische Schulden dran sind, wenn sie das &Uuml;berleben der Einheitsw&auml;hrung sichern wollen.</p></blockquote>
<p>Da k&ouml;nnten sie auch gleich den radikaleren Schritt tun, schreibt er: sich auf den Vorsto&szlig; von EZB-Chef Jean-Claude Trichet einlassen und Europa mit einem eigenen Finanzminister ausstatten.</p>
<blockquote>
<p>Mit einer solchen Institution k&ouml;nnte die EU die Eurokrise schnell l&ouml;sen. [...] Schon um heute das wackelige Gleichgewicht im europ&auml;ischen Finanzsystem zu erhalten, muss sich die Krise kontinuierlich verschlimmern. Denn nur in einer Krisen-Atmosph&auml;re wird Deutschland weiter die Schulden bankrotter Nationen finanzieren &ndash; und nur in einer verzweifelten Lage werden die Griechen und andere Schuldenl&auml;nder bereit sein, die schmerzhaften Sparprogramme umzusetzen, die die Deutschen im Gegenzug fordern. Damit ein Steuerf&ouml;deralismus in Europa Wirklichkeit werden kann, muss die Krise also noch viel schlimmer werden.</p></blockquote>
<p>Daf&uuml;r fehlten aber entschlossene Politiker, <a target="_self" href="http://www.presseurop.eu/de/content/article/748151-tatsaechlich-ein-alter-kontinent">befindet die <em>New York Times</em></a>, die in dieser Woche mit der sorgenvollen These auf sich aufmerksam machte, dieser &quot;f&uuml;hrungslose alte Kontinent&quot; k&ouml;nne auch den USA Schwierigkeiten machen.</p>
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<p>Das Problem ist: Es gibt keine europ&auml;ische F&uuml;hrung, sondern nur eine deutsche Kanzlerin, einen franz&ouml;sischen Staatspr&auml;sidenten, einen italienischen Ministerpr&auml;sidenten und andere, die kontinentweite Anschauungen bekunden, aber nie sehr viel weiter sehen, als es ihre lokalpolitischen Interessen betrifft.</p></blockquote>
<p><em>Le Monde</em> in Paris beklagt den deutschen Atomausstieg. Dieser stelle nicht nur Deutschland vor gro&szlig;e Herausforderungen, sondern hinterlasse in ganz Europa viele offene Fragen.</p>
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<p>Sollte Deutschland seine Kraftwerke tats&auml;chlich schlie&szlig;en [ohne zufriedenstellende Alternativen zu schaffen], w&uuml;rde das den gesamten europ&auml;ischen Energiemarkt auf den Kopf stellen. [...] Das wirft Fragen auf, die lange auf europ&auml;ischer Ebene h&auml;tten diskutiert werden m&uuml;ssen. Doch die deutsche und franz&ouml;sische Regierung wollten nicht als Streith&auml;hne gelten und sind der Debatte lieber aus dem Weg gegangen unter dem Hinweis, dass es sich bei Energiefragen um eine interne Angelegenheit der einzelnen Mitgliedsl&auml;nder handelt. Das ist nicht nur schade, sondern deprimierend.</p></blockquote>
<p>Das <a target="_self" href="http://www.wort.lu/wort/web/meinungen/kommentare/artikel/2011/07/154483/-180.php"><em>Luxemburger Wort</em> merkt dazu an</a>:</p>
<blockquote>
<p>Um Engp&auml;sse zu &uuml;berbr&uuml;cken, wird Deutschland dennoch Atomstrom aus dem Ausland einf&uuml;hren m&uuml;ssen. In gewohnter Gr&uuml;ndlichkeit will unser Nachbar zum Vorreiter einer 'Energiewende' werden. Die anderen Industriestaaten verfolgen das Experiment mit Neugier. Interessanterweise halten sie selbst vorerst aber an der Atomkraft fest.</p></blockquote>
<p>So ergeht es zum Beispiel der Tschechischen Republik, die angesichts des demn&auml;chst atomstromfreien Nachbarn um das Fortbestehen eigener Energieprojekte f&uuml;rchtet. In Prag <a target="_self" href="http://hn.ihned.cz/c1-52205830-kdyz-byli-ve-vlade-zeleni-se-mirnili">titelt das Wirtschaftsblatt <em>Hospod&aacute;sk&eacute; noviny</em></a>: &quot;In der Atomkraft dr&auml;ngeln die Deutschen die Tschechen&quot;. Streitpunkt ist das AKW Temelin an der &ouml;sterreichischen Grenze, wo die Regierung in Prag bis 2024 zwei neue Reaktoren bauen will. Jetzt wehe aus Deutschland aber ein neuer Wind.</p>
<blockquote>
<p>Die deutschen Gr&uuml;nen wollen den R&uuml;ckgang der Atomkraft in der ganzen Europ&auml;ischen Union. Seit 1983, als sie in Pulli und Turnschuhen im Bundestag sa&szlig;en und kritisch-radikale Reden schwangen, haben sich die Zeiten ge&auml;ndert. [...] Und Tschechiens Energiepolitik findet in Deutschland keine Unterst&uuml;tzung mehr. [...] Die Energiepolitik k&ouml;nnte zu einem sensiblen Thema zwischen den beiden L&auml;ndern werden.</p></blockquote>
<p>&quot;Was die Deutschen uns lehren k&ouml;nnen&quot;, <a target="_self" href="http://www.independent.co.uk/opinion/commentators/steve-richards/steve-richards-what-the-germans-can-teach-us-2304488.html">erkl&auml;rt hingegen der Londoner <em>Independent</em></a>. Hier bewundert Autor Steve Richards das deutsche Modell &ndash; Sozialstaat, lokale Wirtschaft und betriebliche Mitbestimmung &ndash; und dessen Einfluss auf einen noch jungen, aber zunehmend einflussreichen Fl&uuml;gel der britischen Labour Partei: Blue Labour.</p>
<blockquote>
<p>Jetzt ist nicht der Zeitpunkt f&uuml;r britische Geringsch&auml;tzung. Die g&ouml;nnerhaften Lektionen &uuml;ber die Tugenden des britischen Modells, die Tony Blair und Gordon Brown in den Neunzigern den Deutschen und Franzosen erteilt haben, klingen heute sogar noch l&auml;cherlicher nach Bevormundung als damals. [...] In gewisser Hinsicht ist jetzt Deutschland das Modell, mit seinen Mitbestimmungsprinzip in der Industriepolitik, der Ausrichtung seiner Berufsschulen und regionaler Banken, die der lokalen Wirtschaft besser gerecht werden k&ouml;nnen.</p></blockquote>
<p>Und mit einem <em>very british</em> Blick auf &quot;no escape from Germany-Erlebnisse&quot; schlie&szlig;t er:</p>
<blockquote>
<p>Es gibt keine Alternative. Es gibt mehr als nur eine Reformm&ouml;glichkeit. Und es gibt kein Entkommen vor Deutschland.</p></blockquote>
<p>Cartoon: Balaban</p>
<p>In Zusammenarbeit mit <a target="_self" href="http://www.spiegel.de/thema/aussenspiegel/"><em>SPIEGEL ONLINE</em></a>.</p>]]></description><enclosure url="http://www.presseurop.eu/files/images/blog/BALABAN_300.jpg" length="70724" type="image/jpeg" /><pubDate>Fri, 01 Jul 2011 19:03:38 +0100</pubDate></item>
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