Dossiers
Zehn Stimmen zu Europa
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ZEHN STIMMEN ZU EUROPA | 10
Die Renaissance wird multikulturell sein
2. Januar 201110Presseurop -
ZEHN STIMMEN ZU EUROPA | 9
Sehnsucht nach Optimismus
1. Januar 20011Presseurop -
Zehn Stimmen zu Europa | 8
Im Verhandlungsparadies
31. Dezember 2010Presseurop -
ZEHN STIMMEN ZU EUROPA | 7
Die Burka meiner Tochter
30. Dezember 20105Presseurop -
Zehn Stimmen zu Europa | 6
Die Utopie steht vor der Tür
29. Dezember 20102Presseurop -
ZEHN STIMMEN ZU EUROPA | 5
E-u-r-o-p-a, der primitive Kontinent
28. Dezember 20104Presseurop
Editorial
Ein Jahr voller Lärm und Furore. Vom griechischen fast-Bankrott zur irischen Krise fürchtete Europa 2010 um den Zusammenbruch der Eurozone. Parallel dazu mussten ein völlig neuer Mechanismus zur Stabilisierung der Finanzen geschaffen, und Sparpläne durchgesetzt werden, deren Ende nicht abzusehen ist. Auch schien es so, als verwerfe Deutschland das europäische Solidaritätsprinzip. Und während die Rechtsextremen ins schwedische Parlament einzogen, und in den Niederlanden fast in der Regierung mitmischten, schob Frankreich Tausende Roma ins Ausland ab.
Polen verlor hingegen seine Elite bei Katyń und versank in einem politischen und religiösen Psychodrama. Mit den sexuellen Eskapaden seines Regierungschefs machte sich Italien währenddessen immer lächerlicher. Und Ungarn stellte seine Verfassungsordnung unter dem Druck der nationalistischen Rechten infrage.
Für Europa war es ein chaotisches und ein schweres Jahr. Auf der internationalen Bühne wird es – von zuweilen undemokratischeren aber dynamischeren Ländern auf der Überholspur – scheinbar immer mehr an den Rand gedrängt.
Angesichts dieser Nachrichtenlage ist es erforderlich, den notwendigen Abstand zu gewinnen und die Realität mit anderen Augen zu betrachten. Dafür haben wir zehn bekannte und weniger bekannte europäische Autoren, Schriftsteller und Experten darum gebeten, über Europa zu schreiben. Über das Europa, welches sie jenseits der täglichen Ereignisse sehen. Über das Europa, welches sie sich für die Zukunft ausmalen. Oder das, welches sie als Menschen und Bürger erleben.
In dieser Presseurop-Serie beschreiben Arnon Grünberg (Niederlande), Fernando Savater (Spanien), Paweł Świeboda (Polen), Thomas Brussig (Deutschland), Gonçalo M. Tavares (Portugal), Philippe Perchoc (Frankreich), Petra Hůlová (Tschechische Republik), Mircea Vasilescu (Rumänien), Tim Parks (Großbritannien) und Loretta Napoleoni (Italien) eine andere Sicht auf Europa.
Die Reihe wurde veröffentlicht in Zusammenarbeit mit The Guardian in Großbritannien, Der Spiegel in Deutschland und Respekt in der Tschechischen Republik.
Verabschiedet euch von Konformismus, Korruption und Elitenverehrung, und macht Platz für einen multikulturellen Schmelztiegel, der die energiezehrende alte Ordnung des Kontinents hinwegfegen wird. Das schreibt die italienische Autorin Loretta Napoleoni in einem Brief an ihren Sohn.
Romanautor Tim Parks will ein Europa, das auf einer gemeinsamen Vorstellung aufbaut und sich für die Neugestaltung der Welt begeistert – und nicht darum kämpft, dass alles so bleibt wie es ist.
Verhandeln, das ist eine der Grundideen der EU: sich gemeinsam an einen Tisch setzen und miteinander sprechen im gegenseitigen Respekt und mit Stil. Da ist es auch nicht entscheidend, dass sich die Welt oft schneller dreht, als Entscheidungen in Brüssel getroffen werden, meint der rumänische Historiker Mircea Vasilescu.
In allerlei Zeitschriften ist zu lesen, dass Frauen die Zukunft Europas seien. Doch muss der- oder diejenige, der (die) diese Zukunft beschreiben will schon über hellseherische Eigenschaften verfügen. Die tschechische Schriftstellerin Petra Hůlová zeichnet ein tragisch-komisches Zukunftsbild.
Die Europäische Union verhält sich wie ein pubertierender Teenie, der mit seinem heranwachsenden Körper nicht zurechtkommt, meint der französische Politikwissenschaftler Philippe Perchoc. Doch nur mit der Verwirklichung neuer Träume, nur mit neuen möglichen Beitrittskandidaten kann Europa erwachsen werden und seine Rolle in der Welt wahrnehmen.
Als die Börsenkurse in höchste Höhen schossen, wurden in Europa Kühe verbrannt. Doch heute schwindet der Kult des Börsenwerts und man besinnt sich auf den wahren Wert der Dinge. Eine Ansicht des portugiesischen Schriftstellers Gonçalo Tavares.