Ein ironisches "Citizen Dave", titelt The Independent. Der "Bürger", das ist eine Anspielung auf die beliebte britische Sitcom Citizen Smith der 70er Jahre und ihrem kommunistisch-revolutionären Helden voller Illusionen. Das Londoner Blatt wählt diese Perspektive auf David Camerons erste Rede als Premierminister auf dem Parteitag der Konservativen am 6. Oktober in Birmingham. Kurz vor den historischen Haushaltskürzungen – darunter die umstrittene drastischen Kürzung des Kindergeldes um eine Milliarde Pfund [1,14 Milliarden Euro] –, stellte Cameron sein revolutionäres Programm vor. Mit diesem will er den "allmächtigen Staat" gegen die "Big Society" eintauschen. "Er lobte den radikalen Wandel, in welchem Krankenschwestern Kooperativen ins Leben rufen, Eltern Schulen gründen und Allgemeinmediziner den staatlichen Gesundheitsdienst sicherstellen", schreibt die Londoner Tageszeitung. Aber Cameron bezeichnet seine Regierung nicht nur als Vertreter der "neuen Radikalen", die "das alte System zerschlagen", sondern macht sich auch die aus dem Ersten Weltkrieg stammende Aussage des Generals Lord Kitchener zunutze: "Dein Land braucht Dich" ("Your country needs you").
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.