Gazeta Wyborcza, 8. April 2010

"Etwas Bedeutsames ist passiert. Das Treffen zwischen dem polnischen Ministerpräsidenten und dem russischen Präsidenten setzt der 'Lüge von Katyń' ein Ende, welche die polnisch-russischen Beziehungen über Jahre hinweg vergiftet hat," schreibt der Historiker Adam Michnik auf der Titelseite der Gazeta Wyborcza. Gestern begingen Donald Tusk und Wladimir Putin gemeinsam die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Massakers, bei dem im Frühling 1940 20 000 polnische Offiziere von der sowjetischen Geheimpolizei (NKWD) erschossen wurden. Der russische Ministerpräsident sorgte für Überraschung, als er vor dem Mahnmal niederkniete, jedoch kein Wort der lang erwarteten Entschuldigung verlor. Die meisten polnischen Berichterstatter wurden aber durch seine Erklärung besänftigt, dass "es keine Rechtfertigung für das Massaker gibt" und dass "wir die Vergangenheit nicht ändern, aber die Wahrheit aufrecht erhalten können". "Ich habe von ihm gehört, was ich hören wollte. Nie hätte ich geglaubt, dass ich dies eines Tages erleben würde," sagte Filmregisseur Andrzej Wajda, dessen Vater in Katyń getötet wurde. Michnik kommt zu dem Schluss, dass "[Putins] Worte Hoffnung bringen auf Wahrheit und Versöhnung."