"Europa braucht die Türkei", titelt die Tageszeitung auf Türkisch. "Versteh ick nich", antwortet Angela Merkel auf der Eins der Berliner Tageszeitung. Zu Beginn des zweitägigen Besuchs der Kanzlerin bei ihrem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan sind dieser und Merkel "einig im Dissens", urteilt die TAZ. An Zankäpfeln fehlt es nicht. Da ist zum Beispiel Berlins Weigerung, türkische Schulen in Deutschland aufzubauen. Oder der türkische Verdacht auf Berlins einseitige Unterstützung Griechenlands im Zypernkonflikt. Deutschland vertrete außerdem weiterhin die Option der privilegierten Partnerschaft statt eines EU-Beitritts und sträube sich gegen Visa-Erleichterungen für Türken, die in den Schengenraum einreisen wollen. Das einzige konkrete Projekt – die Einrichtung einer deutsch-türkischen Universität in Istanbul – könnte nun scheitern, Erdogan möchte eine ähnliche Hochschule auch in Berlin. Man redet aneinander vorbei. Und der in Deutschland verbreitete Verdacht, dass Ankara die über zwei Millionen Bürger türkischer Herkunft als verlängerten politischen Arm benutzen will, verstärkt sich.
Deutschland / Türkei
Einig im Dissens
29. März 2010
Presseurop
Die Tageszeitung Die Tageszeitung vom 29. März 2010
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.