Anti-Europäisches verkauft sich gut in den Urnen – und in der Presse. Letztes Beispiel: der sehr erfolgreiche euroskeptische Abgeordnete Hans-Peter Martin. Das Handelsblatt berichtet, wie der ehemalige Spiegel-Redakteur den direkten Draht zur Wählerschaft fand ohne sich in der Ausarbeitung komplizierter Wahlprogramme zu erschöpfen. "Der Politiker durfte in den Wochen vor der Europawahl täglich seine Gedanken in der 'Krone', Österreichs größter und einflussreichster Zeitung, zu Papier bringen". Der Herausgeber habe den populistischen Kurs gegen die Volksparteien geschätzt. "Das Bündnis Boulevard und Politik hat bestens funktioniert", bemerkt das Blatt lakonisch. "Effizienter und billiger geht Wahlkampf nicht. Nach Inhalten wird auch nicht gefragt – Hauptsache sind Schlagzeilen." Die Liste von Hans-Peter Martin erhielt 18 Prozent der Stimmen.
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.