Gazeta Wyborcza vom 4. Februar 2010

Zum ersten Mal in der Geschichte werden der polnische und russische Ministerpräsident gemeinsam der vom russischen Geheimdienst in Katyń ermorderten Polen und Russen gedenken. Wladimir Putin leitete zu seinem polnischen Amtskollegen Donald Tusk eine Einladung zu einer gemeinsamen Gedenkfeier des 70. Jahrestages des Massakers von Katyń weiter. "Es handelt sich hierbei um eine symbolische Geste, die den Grundstein für bessere beidseitige Beziehungen legt", erklärte Tusk der Warschauer Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Bis in die frühen 1990er Jahre hatte Russland seine Verantwortlichkeit in der Ermordung von rund 20.000 polnischen Offizieren geleugnet, die sich seit 1939 in der Gefangenschaft der Roten Armee befanden. Der russische Präsident Boris Jelzin stellte den Polen geheime Dokumente zur Verfügung, unter denen sich auch der von Stalin unterzeichnete Exekutionsbefehl befand. Die Angehörigen der Opfer kämpfen schon seit Jahren vergeblich vor dem russischen Gericht für eine Rehabilitierung der in Katyń Ermordeten. Sie haben auch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde über das russische Justizsystem eingelegt.