Er war ein Paukenschlag, "der Einstieg ins Abenteuer Europäische Innenpolitik" im Januar 2000, erinnert sich die Zeit. 14 EU-Mitglieder beschlossen, Österreich und Kanzler Wolfgang Schüssel diplomatisch zu isolieren, wenn es zu einer Regierungsbeteiligung von Rechtspopulist Jörg Haider käme. Eine Einheitsfront gegen Antidemokraten – "die EU war für den Fall nicht gerüstet", schreibt die Wochenzeitung. "Die Idee dahinter war die demokratische Wertegemeinschaft EU." So etwas gab es seitdem nicht wieder. Vielleicht, weil die EU damals viele Fehler machte. In den Verträgen waren solche Sanktionen nicht vorgesehen. Die Wiener beklagten ein Verstoß gegen EU-Recht. Schlimmer noch, "die Isolation [verfehlte] ihre Wirkung". Schüssel festigte seine Position und die EU versenkte im folgenden September sang- und klanglos ihre Sanktionen. "Und dennoch war nicht alles vergebens. Heilige historische Dialektik", schreibt die Zeit. Denn "ohne die Sanktionen der EU-14 [wäre es Schüssel] nie gelungen […], den eigentlichen Wahlsieger Haider aus seinem Wendekabinett draußen zu halten und damit dessen politischen Niedergang einzuleiten." Die EU ihrerseits erfand im Vertrag von Lissabon ihr Instrumentarium, mit dem sie sich künftig zum Schutz von Demokratie, Rechtsstaat und Minderheiten einmischen kann.
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.