Während Finanz- und Klimakrise wüten, wird die Erbsenzählerei der Rechnungsprüfer in der stolzen Demokratie Großbritannien heute so leidenschaftlich und so genau studiert wie noch nie zuvor. Einen Tag nach der Eröffnung des Parlaments echauffieren sich die britischen Medien schon wieder mit überschäumendem Rechtschaffenheitssinn über die Spesenrechnungen der Abgeordneten. Inmitten des Schlagzeilen-Trommelfeuers führt der Daily Telegraph die Schadenfreudenparade mit der Enthüllung an, dass Premierminister Gordon Brown 12.500 £ (13.544 €) für "übermäßige Ausgaben für Reinigungs-, Garten- und Inneneinrichtungsarbeiten" an die Staatskassen zurückzahlen muss. Brown selbst hatte im Sommer die von Sir Thomas Legg geleitete unabhängige Untersuchung veranlasst, die nun dazu führte, dass mehr als 500 Parlamentsabgeordnete gebeten wurden, detailliertere Rechtfertigungen ihrer Ansprüche vorzulegen. Der Parteivorsitzende der Liberaldemokraten, Nick Clegg, wurde ebenfalls aufgefordert, 910 £ für Gartenarbeiten zurückzuerstatten. Der Chef der Konservativen, David Cameron, scheint der erholenden Kunst des Gartenbaus hingegen nur wenig zu frönen und muss nur Kopien seiner Hypothekenzinszahlungen für 2006 liefern. Debatten wie diese werden den Wählern nur schwer aus dem Sinn gehen, wenn die Briten 2010 wieder den Urnengang antreten.
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.