Wirtschaft Industrie und Handel

Italien: Fiat geht seinen eigenen Weg

4. Oktober 2011
Presseurop
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“Fiat abgespalten”, titelt Il Sole 24 Ore. Unternehmenschef Sergio Marchionne kündigte am Montag den Austritt Fiats aus dem italienischen Unternehmerverband Confindustria an. Italiens führender Autobauer zögerte schon seit Monaten.

Den Ausschlag gab nun eine jüngste umstrittene Entscheidung der Confindustria: Die neue Norm zur Vereinfachung der Entlassungsverfahren soll unbeachtet bleiben. Dies infolge des Generalstreiks vom 6. September, zu dem Italiens größte Gewerkschaft CGIL aufgerufen hatte.

Die von der Confindustria herausgegebene Zeitung verurteilt Marchionnes “politischen” Zug hart und betont, wie wichtig es sei, sich mit der Gewerkschaft zu einigen. Immerhin sei diese “eine sechs Millionen starke soziale Macht, stärker als jede Partei”. Fiats harte Linie bezüglich der Arbeitsreform könne den sozialen Zusammenhalt gefährden, der doch “ein entscheidendes Plus für Italiens Wettbewerbsfähigkeit” sei. “Dass wir bis jetzt noch keine durchgedrehten Indignados gesehen haben wie in anderen Ländern, muss einen Grund haben.”

Im anderen Lager steht die von Fiat kontrollierte La Stampa hinter Marchionne. Sie warnt davor, man dürfe sich nicht dem Diktat der Gewerkschaften unterwerfen, weil man sonst “die internationale Irrelevanz wählt und zum Museumsland wird. Italien muss sich entscheiden, ob es weiterhin eine führende wirtschaftliche Rolle spielen will. Es kann nicht kollektive Rechte verteidigen, ohne dafür die Rechte der Arbeitslosen und der Jugend zu opfern, wie es heute leider der Fall ist.”

Jedenfalls ist das ganze ein “historischer Moment”, so La Repubblica: “Ein Jahrhundert lang waren Fiat und Confindustria eine Einheit. Der Vorsitzende des Verbands wurde von Fiat bestimmt. Eine stabile, ‘starke Macht’, die den Regierungen ihre Strategien vorgab. [...] Indem Fiat der Confindustria den Rücken kehrt, scheint das Unternehmen einen anderen, weitaus relevanteren Weg anzusteuern: den Abzug aus Italien.” Mit letzterem droht Marchionne oft, seitdem er den Mehrheitsanteil des amerikanischen Kfz-Herstellers Chrysler übernommen hat. “Die Firma hat sich dafür entschieden, alles auf Detroit zu setzen. Die Inlandskonkurrenz soll nur durch Kürzungen bei Produktion und Arbeitskräften angegangen werden. Eine Trennung zeichnet sich ab.”