Man sollte sich nichts aus der pan-europäischen Zeitungskrise mehr machen: Italien hat eine neue Tageszeitung, deren Mitarbeiter entschlossen sind, ihre Brötchen mit einer ausdauernden Berlusconi-Prügel-und-Beschimpfungsdiät zu verdienen. Ganze 30.000 Abos konnte die neugeborene Il Fatto Quotidiano dank des guten Rufes ihrer Anstifter schon sammeln. Ihren Anführer, den als Hitzkopf und Aufwiegler bekannten Journalisten Marco Travaglio, kennt man nicht nur für seine Ermittlungen und Untersuchungen in Sachen 'Sünden der Großen und Reichen Italiens', sondern auch für seinen scharfzüngigen Blog im Internet.
In seinem Antritts-Leitartikel erklärt der Chefredakteur Antonio Padellaro, dass die "italienische Verfassung" die redaktionellen Grundsätze der Zeitung bestimmt. Dass es sich um eine "Zeitung der Opposition" handelt soll nicht zwangsweise bedeuten, dass man sich auf der Seite der Oppositionsparteien befinde, vor allem nicht aufseiten der Demokratischen Partei (ital. Partito Democratico, PD) und der "klebrigen Linken". Diese hätten bewiesen, dass sie unfähig sind, Berlusconis Schiff zu versenken. Nicht einmal dem ehemaligen Staatsanwalt und Ankläger Antonio Di Pietro, der die Partei Italia dei Valori (dt. Italien der Werte) gegründet hat, stünden sie nahe, auch wenn viele sich das vorstellen können. Das einzige Ziel, welches man sich gesetzt habe, werde sein, den Cavaliere und seine Lakaien täglich zu verprügeln. In seinem ersten Kommentar zur Gerichtsverhandlung zwischen dem ehemaligen französischen Permierminister Dominique De Villepin und Präsident Sarkozy, der ihm vorwirft, ihn – seinen Rivalen – angeschmiert zu haben, gibt Travaglio das Tempo für die kommenden Ausgaben vor. Wenn er von Silvio einen oder auch zwei Tricks gelernt hätte, scherzt Travaglio, hätten die "roten Togen" (ein geringschätziger Begriff Berlusconis, der das Gerichtswesen bezeichnet) nie so weit gehen dürfen.
Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA ist die neue Hoffnung der griechischen Politik. Mit seinem Kurs zwischen Pragmatismus und Klassenkampf-Rhetorik verunsichert er in Berlin, und zwar nicht nur die Befürworter von Angela Merkels Sparpolitik.
Europas wirtschaftliche Probleme haben uns dazu gezwungen, die geheime Welt des Olymps der globalen Finanzen verstehen zu wollen. Doch ist uns heute, da wir mehr auf Rentenrenditen und Stabilitätsmechanismen achten, nicht klar, dass die Experten da oben auf ihren stolzen Höhen auch nicht wissen, was los ist?
Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.