Jeder ist sich selbst der Nächste
Übermüdet und verspannt: So lautet die Diagnose des Ombudsmanns der Republik zur französischen Gesellschaft. Am 23. Februar wird die Institution, die der Verbesserung der Beziehungen zwischen der Verwaltung und den Bürgern dient, dem Präsidenten der Republik und dem Parlament ihren Jahresbericht übergeben. "Ich sehe eine Gesellschaft, die sich immer mehr aufsplittert, wo jeder lieber sich selbst am nächsten ist, anstatt in einer Gemeinschaft zu leben", erklärt Jean-Paul Delevoye in einem Interview mit Le Monde. Er schätzt "die Zahl der Menschen, die am Monatsende nur noch 50 bis 150 Euro zur Verfügung haben, auf rund 15 Millionen" und ist besonders "erschüttert über die Co-Existenz zweier Gesellschaften: eine Offizielle und eine im Untergrund, die von Staatshilfen, Schwarzarbeit und inoffiziellen Verbindungen lebt". Staat und die Politiker müssen mit dem Finger auf sich zeigen lassen. Sie werden größtenteils für die Situation verantwortlich gemacht. "Es hat sich eine tiefe Kluft zwischen dem Bürger und dem Staat gebildet. Die Menschen, die an unsere Tür klopfen, fühlen sich missverstanden und fehlorientiert. Sie sind mit den immer komplizierter werdenden und ständig wechselnden Gesetzen überfordert."
Mit der Krise und der hohen Arbeitslosigkeit handeln die jungen Litauer wie einst ihre Vorfahren: Sie wandern aus. Zehntausende, auf der Suche nach einem besseren Leben, wandern jedes Jahr aus, am liebsten auf die britischen Inseln oder nach Skandinavien.
Treffen um Treffen konnte die Eurogruppe die drohende Pleite Griechenlands nicht bannen. Obwohl Athen die Krise größtenteils selbst zu verantworten hat, kann die EU ihre Hände nicht in Unschuld waschen. Konfuse Botschaften und mangelnde Strategie haben ein lösbares Problem in ein explosives Chaos verwandelt.
Zwei Parteien, zwei Standpunkte, zwei Visionen Frankreichs: Leidenschaftlich diskutiert man auch achtzehn Jahre nach der Ermordung von etwa 800.000 Tutsis, welche Rolle Paris damals gespielt hat. Je nach dem Stand der Ermittlungen erscheint diese nämlich stets in einem neuen Licht.