Es waren zwei Europa, die vom 6. bis 10. Mai in Florenz am Festival d’Europa teilgenommen haben. Auf der Piazza della Signoria haben Tausende Besucher, meist sehr junge Leute, Stände der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments und einiger EU-Mitgliedsstaaten besucht. Man las, hörte zu und informierte sich über diese Union, die sich festlich präsentierte.
Hinter den Mauern des Palazzo Vecchio, heute das Rathaus der Stadt, hörte ein sachkundiges Publikum den Referenten des Symposiums zur „Lage der Union“ zu. Die eingeladenen Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, sowie Experten zeichneten ein kompromissloses Bild über die Herausforderungen, denen sich Europa heute stellen muss.
Wie können diese zwei Europa zusammenleben? Die jungen Leute, die begreifen, dass Europa ihren Alltag definiert, und die Expertenriege, die sich fragt, wie Europa in Zukunft aufrecht zu halten sei. Jeder hat seine eigene Antwort: EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou betonte die kulturelle Dimension der politischen Integration. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek unterstrich die herausragende Bedeutung davon, Demokratie, Zusammenarbeit und wirtschaftliches Wachstum miteinander zu verbinden. Ex-EU-Kommissar Mario Monti hat den EU-Binnenmarkt verteidigt, der eine gemeinsame Dynamik sichere. Der Wirtschaftswissenschaftler André Sapir erinnerte daran, dass sich die EU nach dem Scheitern der Lissabon-Strategie zur Innovation es sich nicht leisten könne, noch ein weiteres Jahrzehnt an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen.
Die Überlegungen könnten dem Normalbürger abstrakt erschienen. Doch wie schon immer seit dem Beginn der europäischen Integration, wird die Umsetzung dieser Ideen das Leben der Menschen konkret beeinflussen. Daran erinnerte auch Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied des Direktoriums der Europäische Zentralbank, als er davor warnte, dass man nicht kühl über eine Umschuldung der griechischen Schulden reden dürfe, ohne die „katastrophalen“ Folgen auf den Wohlstand der Griechen, die eine solche Entscheidung haben könnte, mit in Betracht zu ziehen.
Europa ähnele dem David des Michelangelo, dessen Kopie vor dem Palazzo Vecchio thront, meinte Bini Smaghi: „Es ist jung, kräftig und in gewisser Hinsicht auch fragil. Doch der Blick ist auf die Herausforderungen gerichtet. Und es weiß, dass es gewinnen kann.“ In Florenz waren keine nationalen Spitzenpolitiker anwesend, doch wäre es interessant zu erfahren, auf was sich ihr Blick heute richtet. (js)
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Aserbaidschan, in diesem Jahr das Gastgeberland des großen Pop-Spektakels, ist alles andere als ein Modell an Demokratie. Immer mehr Stimmen werden laut, die die Nachsicht der Europäer mit dem Regime in Baku kritisieren – darunter dieser estländische Journalist.