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WM

Pulpo Paul nach Brüssel!

9. Juli 2010

Eben erreichte die Nachricht die Presseurop-Redaktion, dass Oktopus Paul nun offiziell in Rente geht. Bei seinem letzten Einsatz am Freitag sagte er den Sieg Spaniens über die Niederlande im WM-Finale voraus. Oktopoden werden in der Regel zwei Jahre alt. Der bereits zweieinhalbjährige Paul wird also wohl weder bei der EM 2012 noch bei der WM 2014 in Brasilien neue Sieger orakeln können. Spiegel-Online berichtet, der Direktor des Oberhausener Sealife sucht jetzt einen Kandidaten, den Paul anlernen könnte.

Nachdem Pauls Trefferrate bei dieser WM 100 Prozent betrug, haben wir für seine Rente einen Vorschlag zu machen, der in der Tradition zahlreicher abgedankter Sportler steht: Paul muss seine Kompetenzen in den Dienst der Politik stellen, und zwar, da er ein mindestens zweisprachiger Europäer mit Doppelstaatsbürgerschaft ist, am besten in den der Europäischen Union. Das geht dann so: Wird Island oder Serbien das nächste Beitrittsland? Wer tritt zuerst aus der Eurozone aus, Griechenland oder Deutschland? (Wenn er die falsche Antwort gibt, so verfahre man ganz nach EU-Usus und lege ihm die Frage einfach noch einmal vor!) – Man stelle sich das Bild der Erregung in den Brüsseler Glaspalästen vor, wenn Van Rompuy oder Barroso durchsichtige, beflaggte Kistchen in Pauls Aquarium senken. Paul schwebt und fasert dann in eleganten Streck-Beug-Bewegungen durch sein nasses Medium, flankt in Richtung eines zahlungsunfähigen Griechenland oder eines euromüden Deutschland, bevor er eine Klappe lüftet und die saftigen Schicksalsmuscheln verschlingt.

Und warum sollten seine Prophezeiungen nur für Nationen von Bedeutung sein? Soll die EU eine Spritsteuer erheben? Werden Sparprogramme den Aufschwung bringen? Mit wieviel Jahren sollen wir in Rente gehen? Wird Catherine Ashton je aus der Versenkung auftauchen? Das Beste dabei ist: Ebenso wie unser sonntägliches Fußballfinale nunmehr eine ausgemachte Sache ist, wird sich die EU nie mehr gegen den Vorwurf der Hinterzimmerpolitik und fehlender Transparenz verteidigen müssen. Paul hat alles vorhergesehen.

Gerry Feehily / Carolin Lohrenz