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Daily Telegraph wirft für Angela das Handtuch

19. Februar 2010

Zusammenbruchsszenarien zum Euro werden besonders gerne in Großbritannien geschrieben. Man berichtet über anrüchige PIGS und ihren drohenden Rauswurf aus der Eurozone. Und während die europäische Presse in den letzten Wochen mit allen verfügbaren Fingern auf Berlin zeigte, so es um die Rettung des griechischen Sünders ging, rief die deutsche Presse aus vollen Lungen nach Europa.

Der Daily Telegraph legt jetzt mit einer anderen Option nach und sieht Deutschland das sinkende Schiff verlassen. Laut dem Londoner Blatt ist Deutschlands Dilemma das folgende: "Soll Europas Zahlmeister sich dazu entschließen entgegen aller guten Grundsätze einen griechischen Bail-out zu unterschreiben und damit auch seine Zustimmung zu einer europäischen Wirtschaftsregierung geben? Zu einer Schuldenunion?"

"Wir können nun darüber streiten, ob Griechenland, Portugal oder Spanien Gefahr laufen, aus der Eurozone geworfen zu werden. Hier ist eine andere drängende Frage: nämlich ob die Ereignisse nicht Deutschland und seine Satelliten soweit bringen, sich dem Euro zu entziehen und dem Club der Mittelmeerländer den juristische Kadaver der Währungsunion zu hinterlassen", schreibt Ambrose Evans-Pritchard.

Seiner Ansicht nach ist dies sogar das einzige Verfallsszenario, das Sinn macht. "Ein deutscher Rückzug würde es den Ländern des "Club Med" ermöglichen, ihre in Euro abgeschlossenen Verträge aufrechtzuerhalten und ihre Währung mit der geringstmöglichen Verwüstung im heimischen Schuldenstand abzuwerten." Der deutsche Block würde durch einen Mitnahmeeffekt begünstigt. Die D- Mark II wäre stärker. Kreditkosten würden sinken. Die Nord-Süd-Kluft in der Wettbewerbsfähigkeit könnte mit weniger Zerrissenheit auf beiden Seiten überbrückt werden.

Natürlich habe sich Deutschland einen Sonnenplatz im Euroland geschaffen. Mit der Senkung der Lohnkosten – so Kritiker – habe es seine Nachbarn geradezu in die Rolle der Bettler gestoßen. Bosheit? Nein. Lutherische Kultur!, schreibt Evans-Pritchard. Diese Art von Wirtschaftspolitik und die Verfahrensweise in südlichen Ländern stießen in einem Kulturkampf aufeinander, der ein Nachdenken seitens der europäischen Eliten wert gewesen wäre, bevor sie den Euro losrollen ließen.

Berlins Politiker versicherten immer wieder ihre Feindseligkeit vor dem Aufbrechen der No-bail-out-Klausel, mit welchem Risiko dies auch immer verbunden sei. "Ist das nur waghalsige Politik?"

Carolin Lohrenz