Wolfgang Münchau
Wolfgang Münchau war Korrespondent der Financial Times in Washington und in Brüssel. Im Jahr 2000 hat er die Financial Times Deutschland mitbegründet, für die er seither wöchentlich über die politischen und wirtschaftlichen Tendenzen in der EU berichtet. Außerdem schreibt er die Kolumne „Die Spur des Geldes“ auf Spiegel-Online.
Updated: 2. Oktober 2012
Das Scheitern der EU-Haushaltsverhandlungen hat lediglich einen symbolischen Charakter, da die Konfliktpunkte nur einen winzigen Teil des Gesamtbudgets betreffen. Von größerer Bedeutung für die Zukunft der EU sind der Gemeinsame Markt und die Beziehungen zwischen den Ländern innerhalb und außerhalb der Eurozone.
Nur eine politische Union kann den Euro und die EU noch retten – und nur der italienische Ministerpräsident kann das klar und deutlich sagen und Deutschland überzeugen, meint Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau vor dem dieswöchigen EU-Gipfel. Doch wird er es tun?
Nach der kollektiven Herabstufung von neun Ländern der Eurozone, darunter Frankreich, ist deutlich geworden, dass sich die EU-Politik mit ihrer Kombination von Rettungsfonds und Sparpolitik erschöpft hat. Zeit für Angela Merkel und ihre Partner, eine glaubwürdige Lösung zu finden.
Schon bald werden sich die Finanzminister der Union auf die Einzelheiten des Rettungsschirms für die schwächeren Mitglieder der Eurozone einigen. Für Kolumnist Wolfgang Münchau sind die Europäische Zentralbank und die Geheimhaltungskultur der EU jedoch langfristig eine Gefahr für die Einheitswährung.
Am 14. Juli nehmen die neugewählten Europaabgeordneten ihre Arbeit auf mit dem Ziel, ihren Einfluss auf die EU-relevanten Entscheidungen zu vergrössern. Doch nach Ansicht von Wolfgang Münchau stellt die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ihre Legitimität in Frage und wird die zukünftige Entwicklung der EU in ihrem Wesen verändern.