Xavier Vidal-Folch
Xavier Vidal-Folch kommentiert die spanische und internationale Writschaft bei El Pais. Seit 1989 ist er Mitherausgeber der Zeitung und Leiter des Außenressorts. Außerdem war er bis 2009 Chef der katalonischen Ausgabe. Im Dezember 2008 wurde er zum Vorsitzenden des World Editors Forum gewählt.
Updated: 19. Juni 2009
Ihre Titel klingen pompös: Fiskalpakt und “Programm zur Förderung des Wirtschaftswachstums”. Ansonsten dienen die auf dem EU-Gipfel beschlossenen Maßnahmen im besten Fall dazu, die Fehler der letzten eineinhalb Jahre auszumerzen. Im schlimmsten Fall sind sie einfach nur ein schlechter Witz.
Für die einen ist er viel zu zögerlich, für die anderen mischt er sich zu sehr in Staatsangelegenheiten ein. Doch immerhin hat der Präsident der Europäischen Zentralbank den Euro bis jetzt am Leben erhalten und verhindern können, dass die Gemeinschaftswährung der Krise zum Opfer fällt.
Einige Tage vor dem Brüsseler Gipfel, einem wohl entscheidenden Tag für die Zukunft der Einheitswährung und der hochverschuldeten Mitglieder der Union, verstärkt Angela Merkel den Druck auf ihre EU-Partner. Sie sollen den Wettbewerbspakt absegnen, den sie sich gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ausgedacht hat.
Am 28. und 29. Oktober werden Deutschland und Frankreich in Brüssel versuchen, ihre Partner davon zu überzeugen, den Vertragstext der Union zu reformieren, um die Haushaltsdisziplin der Länder zu garantieren. Eine ebenso simple wie unnütze Idee, schreibt ein spanischer Leitartikler.
In der heutigen Wirtschaftskrise zeigen sich die Anrainerstaaten auf der Südseite des Mittelmeers dynamisch. Eine Entwicklung, die nun auch von der EU durch regionale Kooperation begleitet werden soll, stellt El País mit Genugtuung fest.
Allmählich scheint sich die Idee eines Europäischen Währungsfonds durchzusetzen, mit dem man die Länder retten könnte, die – wie Griechenland – so hoch verschuldet sind, dass sie die Stabilität des Euro gefährden. Seine Gegner – zu denen vor allem Deutschland gehört – sollten sich daran erinnern, dass Europa schon einmal bewies, wie solidarisch es sein kann. Als es nämlich um die deutsche Wiedervereinigung ging.
Mit der Wirtschaftskrise schnellte die Arbeitslosenquote in Spanien auf 17%. Und wenn die Madrider Regierung sich ein Beispiel an Deutschland nähme um den Karren aus dem Dreck zu ziehen? Denn dort hält sich die Arbeitslosigkeit in Grenzen. - So zumindest lautet der Vorschlag von El País.