Adriana Cerretelli
Adriana Cerretelli ist Journalistin bei Il Sole 24 Ore. Sie lebt in Mailand und Brüssel, wo sie das Büro der Wirtschaftszeitung leitet. Sie schreibt vor allem über internationale Politik, europäische Integration, den Euro und den Binnenmarkt. Für ihre journalistischen Verdienste im Zuge der Euro-Einführung wurde ihr der Offiziersorden der italienischen Republik verliehen.
Die unterschiedlichen Wahlergebnisse vom 6. Mai haben gezeigt, wie zerrissen das Verhältnis zwischen Politikern und Bürgern ist. Um zu verhindern, dass die Situation aus dem Ruder läuft, muss die obsessive Sparpolitik jetzt beendet werden. Solidarität und die Integration müssen gestärkt werden, denn sie haben Europa stark gemacht, meint ein italienischer Leitartikler.
Bis im Jahr 2010 die leistungsstärkste Region der Welt sein: Dieses Ziel der Lissabon-Strategie wird ganz offensichtlich nicht erreicht. Also haben die 27 beschlossen, sich noch einmal zehn Jahre zu geben, um ein neues Wachstumsmodell auszuarbeiten. Doch diesmal ist der Kontext noch ungünstiger.
Die EU war früher ein privilegierter Partner der afrikanischen Länder, doch heute muss sie hinter China, Russland und jetzt auch Indien, das im Rennen um die wertvollen Rohstoffe des Kontinents ganz vorne liegt, zurückstecken.
Niemand sollte sich über die erwartete Rekord-Wahlenthaltung wundern, schreibt Il Sole 24 Ore. Eingepfercht in seine wirtschaftlichen und geopolitischen Prioritäten gibt das als Nachkriegsaussöhnung geborene Projekt keinen Anlass mehr zum träumen.