Kultur & Debatten

TURM ZU BABEL

Von Störchen, Brötchen und Wasserblasen

Veröffentlicht am 18 September 2009  |   Cafebabel.com
 

Laut Eurostat sind 2008 5,4 Millionen Babys in Europa zur Welt gekommen. Auch wenn keines dieser "ofenfrischen Brötchen", wie die Briten sagen, in den Rosen oder im Rosenkohl geboren wurde, kommen sie alle aus dem Bauch ihrer Mutter, der Wasserblase. Cafebabel.com entdeckt, was die Europäer zur Mutterschaft zu sagen haben.

Winzige Finger, Pfirsichhaut und nur drei goldene Haare: Wenn frischgebackene Eltern ihren Dreikäsehoch - "bout de chou" (ein kleines Stück Kohl) wie der Franzose sagt - in die Arme schließen, wird dieser zum Mittelpunkt des Lebens.

Die gläubigen Italiener nehmen ihre Babmbinis frischgebacken aus einem Kopf Blumenkohl entgegen: "I bambini nascono sotto i cavoli" (Die Kinder werden aus dem Blumenkohl geboren). Danke Mutter Natur! Diese Gemüsevariante ist bis nach Frankreich durchgedrungen, wo man noch heute sagt, dass "die Mädchen aus Rosen geboren werden" (les filles naissent dans les roses). Auch der Storchenmythos ist auf Europatour gegangen. In Deutschland sagt man beispielsweise, dass die werdende Mutter vom Storch gebissen wurde.

Die bodenständigen Spanier haben scheinbar alles verstanden. Sie bezeichnen die Schwangerschaft samt wachsendem Kugelbauch als Trommel (tener un bombo), die Frau auf dem Bauch mit sich herumschleppen muss! Die Engländerin hat ihrerseits "ein Brötchen im Ofen" (to have a bun in the oven). Der deutsche 'Karnivore' spricht dem Engländer ähnlich liebevoll von einem "Braten in der Röhre". Bei den Franzosen kommt die Schwangerschaft manchmal etwas überraschend: immerhin hat man nicht allzu oft "einen Kasper in der Schublade" (avoir un polichinelle dans le tiroir).

Die wortschwangere Europareise hat sich gelohnt: denn nach 9 Monaten erblickt das neue Leben endlich "das Licht der Welt", (dare alla luce) in Italien.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  von Jane Mery

                                                                                                                                                     Übersetzung: Katharina Kloss

 

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