Hilflos vor der Gewalt gegen Roma

Beerdigung von Robert Csorba und seinem Sohn in Tatarszentgyörgy, 3. März 2009 (AFP)
Der ungarischen Polizei gelingt es immer noch nicht dem Zyklus der Gewalt gegen Roma ein Ende zu setzen. Die Untersuchungen führen ins Nichts, trotz der Zusammenarbeit mit dem FBI. Beispiel in einer kleinen Stadt im Zentrum Ungarns, Tatarszentgyörgy.
Dass Tatarszentgyörgy unter dem Schutz einer Bürgerwache steht, kündigt die kleine Gemeinde schon am Dorfeingang an. Ein Drama, das "sich zu einer nationalen Tragödie Ungarns auszuwachsen droht", konnte diese jedoch nicht verhindern, schreibt Georg Paul Hefty in seiner Reportage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Autor wirft ein Schlaglicht auf die Ermittlungen an einem Roma-Mord, einem von acht im letzten Jahr. Ausgeführt mit kalter Brutalität, und ohne ausreichend Spuren zu hinterlassen. Das Haus der Familie Csorba wurde in Brand gesteckt, und auf die Flüchtenden mit der Schrotflinte geschossen. Für Vater und Sohn endete der Anschlag mit dem Tod. Die ungarische Polizei tappt trotz der Unterstützung des FBI im Dunkeln. Sollte an der Familie "ein Exempel statuiert werden"? Von "Zigeuner-Wucherern", von Rassisten? Dritten?
Hefty trifft den Ex-Gardisten und Jobbik-Politiker András Kisgergely. Der hetzt gegen die Zigeuner. "'Mit 3000 von ihnen kann man nicht zusammenleben!' Die Frage, was daraus folge, lässt er offen." Aus den Reihen der Rassisten stamme der Täter wohl nicht, schließt Hefty. "Wahrscheinlich stecken hinter dem Doppelmord von Tatárszentgyörgy Leute, die in der Öffentlichkeit noch nie ein böses Wort über Zigeuner verlauten ließen, aber die von der Garde und von Jobbik aufgeheizte Stimmung im Lande nutzen und mit ihren Verbrechen wiederum anfeuern. Dies mag ein Grund dafür sein, warum die mit FBI-Profilern verstärkte ungarische Polizei seit Monaten keinen Fahndungserfolg aufzuweisen vermag."
Mordserie an Roma
Ungarn ist seit Monaten Schauplatz einer Gewaltwelle gegen Roma von bisher ungekannter Brutalität. Acht Menschen wurden im Laufe eines Jahres getötet, stets nach demselben Schema ähnlich dem in Tatarszentgyörgy. Laut der Frankfurter Rundschau hatten die Ermittler einen Zusammenhang der Übergriffe lang verneint, waren wegen einseitiger Ermittlungen und Parteilichkeit kritisiert worden und erkennen nun aber das Tatmotiv des Rassismus an. Die Polizei hat über 100 Beamte für eine Sonderkommission mobilisiert und bietet 370.000 Euro für Hinweise, die zu den Tätern führen. Die extra eingeflogenen Profiler des FBI suchen die Mörder unter Professionellen, die mit Waffen umzugehen wissen, "im Kreis früherer Militär- und Polizeiangehöriger, unter Jägern sowie ehemaligen Mitgliedern der französischen Fremdenlegion". In der Zwischenzeit steigt der Druck auf die 600.000 Ungarn der Roma-Minderheit. Sie sind von der Wirtschaftskrise stark getroffen und Opfer der Propaganda der Ungarischen Garde und Jobbik. Diese "hetzen erfolgreich gegen eine vermeintlich spezifische 'Zigeunerkriminalität' und sprechen ungarischen Roma generell die Bürgerrechte ab." Laut der Tageszeitung mit Erfolg: "Die Hälfte der Ungarn [glaubt], dass Roma genetisch zu Kriminalität neigen."