Den Euro retten: beim EU-Gipfel am 16. und 17. Dezember soll wieder einmal über Auswege aus der Krise beraten werden. Doch weder die EU-Spitzen noch die Beobachter in Brüssel scheinen einen klaren Weg vor Augen zu haben.
Die Krise hat Europa in eine merkwürdige Stimmung versetzt. Müsste ein Wort reichen, diese zu beschreiben, es hieße: zwiespältig. Manche wollen verschuldete Länder um jeden Preis retten, andere nicht. Die einen wollen den Euro behalten, andere die Landeswährung zurück. Nichts ist mehr so wie, es vor einem Jahr zu sein schien. Hohe polnische Diplomaten in Brüssel machen ihrem Berufsstand gerade alle Ehre, werden sie abends, beim Bier, gefragt, ob ihr Land den Euro überhaupt noch haben will. Meist seufzen sie ein wenig. „Ja, der Euro“, der sei wohl ziemlich in der Krise. Aber dennoch. Warschau bleibe selbstverständlich bei seinem Wunsch, die Gemeinschaftswährung gegen den Zloty zu tauschen. Nur, wann es so weit sein werde, das sei offen. Es folgt ein diplomatisches Augenzwinkern. Man müsse jetzt auch erst einmal abwarten, ob die Rettungsfonds ausreichten, ob die Schuldenberge abgetragen würden. Ja, zugegeben, in den vergangenen Wochen sei man gelegentlich erleichtert gewesen, noch nicht Mitglied im Euro-Klub zu sein. Das sei doch verständlich, oder?
Ebenso wie das Gefühl der Polen für den Euro ist auch das Verhältnis vieler europäischer Regierungschefs zu den deutschen Vorschlägen vor allem zwiespältig. Auf der Skala zwischen totaler Ablehnung und völliger Zustimmung pendeln die meisten Länder um den Mittelpunkt, so sagt es ein hoher Diplomat eines kleineren Landes. Ja, die Deutschen hätten oft in der Sache recht. Aber man wolle nicht ständig hinter Berlin hertraben. Oder hinter Berlin und Paris. „Wir haben keinen Appetit mehr auf deutsch-französische Vorschläge“, sagt ein hoher Diplomat eines großen Landes. Weiter auf der Website der Süddeutschen Zeitung