Am 27. April wurde nach Griechenland nun auch die Bewertung portugiesischer Staatsanleihen von der Agentur Standard & Poors um zwei Stufen gesenkt – mit ebenfalls negativem Ausblick. Nun bereitet sich Lissabon darauf vor, zum nächsten Opfer der Spekulanten zu werden.

Der Oppositionsführer des rechten Zentrums, Pedro Passos Coelho, und Regierungschef  José Socrates werden sich nun zusammensetzen müssen, um zu besprechen, wie sie sich angesichts dieses „Angriffs“ der Finanzmärkte verhalten sollen. Mit der Herabstufung und im Hinblick auf die Lage des Landeshaushaltes steigt die Angst vor einer Ansteckungsgefahr der griechischen Krise in anderen Teilen der Euro-Zone. Die Tageszeitung Público schlägt Alarm. Für sie befindet sich Portugal in der gleichen Situation wie Griechenland, in dem Moment, als es um Hilfe bat. „Das Land steuert geradewegs auf die schwerste Krise zu, die es seit dem vor siebenundzwanzig Jahren stattfindenden Einzug des IWF in Portugal erlebt hat  […]. Nun gilt es, pragmatisch zu handeln. Wir befinden uns mitten im schlimmsten Sturm und es bringt nichts, sich über die Ursachen zu streiten. Das was wir nun brauchen ist ein schwerwiegendes Maßnahmen-Paket, welches die Regierung auf den Weg bringen muss. Oder ein noch gravierenderes Paket, welches der IWF oder Deutschland uns aufzwingen wird. Diejenigen, die gemäßigte Lösungsvorschläge im Auge hatten, um die Gemüter zu beruhigen und Zeit zu gewinnen, haben sich geirrt. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands  greift dem vor, was uns bevorsteht, wenn nichts unternommen wird: Der finanzielle Absturz. Und damit verbunden, werden wir unser Schicksal in die Hände von Drittländern geben müssen. So wie das in entscheidenden Momenten üblich sein sollte, erwarten wir von der Regierung, vom Staatspräsidenten und der Opposition , dass sie das gegenwärtige Drama realistisch beurteilen.“ Dass es an einer eindeutigen Mehrheit mangelt, welche die Regierung von José Socrates unterstützen könnte, ist gerade „einer der hauptsächlichen Risikofaktoren“, stellt Diário de Notícias fest. Die Tageszeitung ist davon überzeugt, dass „ein Stabilitäts- und Wachstumsprogramm, dem das Parlament und Brüssel zustimmen würden, nicht ausreicht“. Um zu verhindern, dass sich die Schwierigkeiten verschärfen, „muss Portugal so schnell wie möglich – und mit so viel parlamentarischem Konsens wie nur möglich – die notwendigen Maßnahmen ergreifen“. Darum „sei der Zeitpunkt gekommen, an dem ein jeder seinen Staatssinn unter Beweis stellen müsse“, schlussfolgert  die Zeitung.