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Eyjafjallajökull: Wenn die Maschine ‘Nein’ sagt

19. April 2010
Frankfurter Allgemeine Zeitung Frankfurt

Wir wünschen ein angenehmes Wochenende. Annullierte Flüge auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle, Paris, 17. April 2010.

Wir wünschen ein angenehmes Wochenende. Annullierte Flüge auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle, Paris, 17. April 2010.

AFP

Der Stillstand der Luftfahrt in Europa beruht nicht auf Daten, sondern auf einer reinen Simulation. Immer leistungsfähigere Computer nehmen dem Menschen die Entscheidungen ab. Nicht nur in der Luft, auch im täglichen Leben. Daher brauchen wir dringend Instanzen, die die Urteile von Rechnern kontrollieren, warnt die FAZ.

Klaus Walther, der Unternehmenssprecher der Lufthansa, ist ein Mann der Technik. Wenn er angesichts der leeren Himmel über Europa das Fehlen von Intuition und gesundem Menschenverstand beklagt, horcht man auf. Walther und Joachim Hunold, Chef von Air Berlin, sind bisher nicht als Maschinenstürmer in Erscheinung getreten. Sie wollen nur fliegen. Und zwar mit Maschinen. Und dennoch ist ihr Protest gegen das Flugverbot ein Meilenstein in der soeben erst beginnenden Technologiekritik des digitalen Zeitalters, ein Kapitel in der Geschichte der systematischen Selbstentmächtigung der modernen Gesellschaft durch Modelle.

Gewiss: Die Fluggesellschaften haben ihre eigenen Interessen. Allerdings ist Walther bisher nie dadurch aufgefallen, dass er Sicherheit dem Profit opfern würde. Auch wer in diesen Tagen kein Flugzeug besteigen will, tut gut daran, sich klarzumachen, dass die unsichtbare Wolke, die den Flugverkehr vollständig lahmlegt, nicht aus Asche und Staub besteht, sondern aus einem Schwarm von Daten. Was heute ein Vulkanausbruch bewirkt, kann morgen durch ganz andere Eruptionen ausgelöst werden: geologische, ökonomische und soziale. Heute stoppt die Computersimulation den Flugverkehr, zu Kosten, die täglich in die hunderte Millionen gehen. Was wird sie morgen tun? Was tut sie jetzt schon, ohne dass wir es ahnen? Und was ist der Preis? Zum Originalartikel von Frank Schirrmacher in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung...