Miriam Meckel, Leben nach dem Burn-out
Kommunikations-Koryphäe Miriam Meckel veröffentlicht ihr Burn-out-Buch. Das Land stellt sich unweigerlich die Frage seiner Arbeitsmoral. Bild: thestrategyweb
Bis zu ihrem Zusammenbruch bediente die Kommunikationswissenschaftlerin, TV-Moderatorin und Publizistin Miriam Meckel vorzüglich das Bild der deutschen Erfolgsfrau. Jetzt veröffentlicht sie ihren Erfahrungsbericht, warnt vor den Gefahren der permanenten Kommunikation und stößt in Deutschland eine neue Debatte über Arbeitsethik los.
Sitzt man ihr gegenüber, dann glaubt man es kaum, so wach, witzig und charmant wirkt Miriam Meckel. Dabei ist es nur wenig mehr als ein Jahr her, dass die Zweiundvierzigjährige physisch und psychisch völlig zusammenbrach. Es ist ein sonniger Morgen, als die Professorin in ihrem Büro am Rand der Altstadt von St. Gallen über das schwärzeste Jahr ihres Lebens spricht. Bis dahin hatte Miriam Meckel auf der Überholspur gelebt, fünfzehn Jahre lang war sie durch die Welt gehetzt. Dann kam der Crash. Im September 2008, sie war gerade von einer mehrwöchigen Reise zurückgekehrt, moderierte sie in Berlin eine Veranstaltung über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Als sie am nächsten Morgen aufwachte, konnte sie nicht mehr aufstehen. "Es fühlte sich an, als hätte ich gleichzeitig eine Überdosis Schlaftabletten und Aufputschmittel genommen", erinnert sie sich.
Sie hatte Schmerzen, Schweißausbrüche, saß nur noch da und heulte. Und dann tat sie etwas, das ihr bis heute unbegreiflich ist. Denn obwohl nichts mehr ging, sie nicht einmal mehr ihren Koffer heben konnte, setzte sie sich an den Computer, um nach ihren E-Mails zu schauen. Als sie im elektronischen Postfach fünfzig ungelesene Nachrichten entdeckte, brach sie zusammen. Ihre Lebensgefährtin, die Fernsehmoderatorin Anne Will, brachte die Freundin zum Arzt. Schnell stand die Diagnose fest: schwerer Erschöpfungszustand in Verbindung mit einer Infektion. Was niemand je vermutet hätte, am wenigsten sie selbst, war eingetreten: Miriam Meckel war am Ende. Zum Originalartikel von Sandra Kegel in der FAZ...