Wirtschaft Euro

Eurokrise: Europa verträgt keine Fehler mehr

11. Oktober 2011
La Vanguardia Barcelona

Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso

Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und José Manuel Barroso

Peter Schrank

Die Rekapitalisierung der Banken, wie sie nun Angela Merkel fordert, ist richtig. Doch sollte man nicht die Fehler vom Beginn der Krise wiederholen und es wäre besser, das europäische Wachstum zu fördern. Und da ist Deutschland gefordert, meint La Vanguardia.

Der erste Fehler der Europäischen Union war es, Griechenland der Eurozone beitreten zu lassen, wie namhafte europäische Politiker einräumen, zumal das Land seine Bilanzen geschönt hatte. Der zweite Fehler, diesmal aufgrund der Deutschen, war es, die finanziellen Probleme Griechenlands nicht sofort zu beheben, was extrem leicht hätte sein können bei einem Land, welches nur 2 Prozent des BIP der Europäischen Union darstellt. Es hätte vermieden werden können, dass die Schuldenkrise einen Großteil der Eurozone ansteckt.

Der dritte Fehler – erneut auf Drängen Deutschlands – war es darauf zu beharren, Griechenland über einen knallharten Sparkurs sanieren zu wollen, ohne irgendein begleitendes, europäisches Investitionsprogramm, um das Wachstum anzukurbeln. Deshalb die griechische Wirtschaftskrise und Beinahe-Insolvenz. Ergebnis: Was ein überschaubares Problem hätte sein können, vergleichbar mit dem eines kleinen amerikanischen Bundesstaates, degenerierte und wandelte sich zu einer Finanz- und Wirtschaftskrise mit möglichen globalen Auswirkungen, wie selbst Barack Obama einsieht.

In ein paar Monaten wurde aus dem Misstrauen gegenüber der Verschuldung der peripheren EU-Länder ein Misstrauen gegenüber dem gesamten europäischen Bankensystem, da die Banken in hohem Maße für die Schulden der Staaten aufkommen. Es kam zu einer Kreditkrise, wie sie es schon nach dem Bankrott der Bank Lehman Brothers 2008 gegeben hatte. Die produktive Wirtschaft erstickt und eine erneute Rezession droht.

Nervtötende institutionelle Langsamkeit

Die Krise der französisch-belgischen Bank Dexia, die verstaatlicht werden musste, ist ein erster Warnschuss nach den seit August wiederholten Forderungen des IWF, man möge den europäischen Bankensektor rekapitalisieren. Die EU hat es bis heute nicht geschafft, die Beschlüsse vom 21. Juli zur Griechenlandhilfe umzusetzen. Eine nervtötende institutionelle Langsamkeit, welche das wachsende Misstrauen gegenüber der Eurozone verständlich macht.

Endlich hat am vergangenen Wochenende Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche de facto die Eurokrise verwaltet, den Stier bei den Hörnern gepackt: Sie versprach eine Rekapitalisierung der europäischen Banken und rasche und umfassende Lösungen zur Bewältigung der Eurokrise, unter anderem über institutionelle Reformen. Die Maßnahmen sollen in den kommenden Wochen umgesetzt werden. Die Kanzlerin kam zu diesem Entschluss nach ihrem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, mit welchem sie den Ernst der Lage erörterte.

Deutschland muss die Lokomotive sein

Ein neuer großer Fehler, den Deutschland begehen könnte, wäre es, sich heute damit zu begnügen, einfach Kapital in – vor allem französische und deutsche – Bankhäuser zu pumpen. Die Rekapitalisierung ist notwendig, um eine Katastrophe abzuwenden, aber sie regelt nicht das Hauptproblem der Eurozone, nämlich das schwache Konjunkturwachstum, welches den Staaten nicht genügend Steuereinnahmen beschert, um Schulden abbauen zu können.

Die einzig wirksame Lösung bestünde darin, dass Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft seine Binnennachfrage fördert und somit das Wachstum in den anderen EU-Ländern mit sich zieht. So könnte auch das Vertrauen in die gesamte Eurozone wieder hergestellt werden, denn über die Steuereinnahmen würden Schulden abgebaut, was wiederum die Probleme des Bankensektors regeln würde. Alles, was nicht in diese Richtung geht – insbesondere die angekündigte Reform der Verträge, langsam und kompliziert – kann keine pratikable Lösung sein. (js)